Milder Winter weckt Frühlingsgefühle

Milder Winter weckt Frühlingsgefühle

Von Katja Goebel

Wer genau hinhört, kann schon Singvögel trällern hören. Auch mancher Säuger ist von den milden Temperaturen irririert. Was das wenig winterliche Wetter mit den Tieren macht.

Sie machen sich schon lautstark bemerkbar - Singvögel wie der Kleiber (Foto) oder die Kohlmeise stimmen derzeit schon Reviergesänge an und kundschaften die besten Nistmöglichkeiten aus. Der Grund: Nicht nur in diesem Winter herrschten Temperaturen "wie am Mittelmeer", heißt es dazu vom Nabu (Naturschutzbund).

Auch die Stare zeigen schon erste Frühlingsaktivitäten. Beobachtungen der Nabu-Vogelexperten belegen, dass viele in diesem "Winter" gar nicht erst bis in die Bretagne gezogen sind, denn in diesem Jahr sind günstige Temperaturen und genügend Nahrung auch hier vorhanden.

Einige Zugvögel, die sich trotzdem auf den Weg gemacht haben, könne man zudem früher zurückerwarten. Dazu gehören neben dem Star sogenannte Kurzstreckenzieher wie Feldlerche und Kiebitz (Foto).

"Auf Langstreckenzieher wie Störche, Nachtigall und Kuckuck haben diese 'Wetterkapriolen' kurzfristig keinen Einfluss. Sie kommen zu den gewohnten Zeiten in ihre Brutgebiete zurück, da sie in ihrem Zugverhalten wesentlich stärker genetisch fixiert sind", so Birgit Königs, Sprecherin des Nabu-NRW. "Voraussichtlich wird der Klimawandel langfristig zur Gefährdung der Bestände einiger dieser Arten führen."

Doch auch in Deutschland überwintern immer mehr Störche, statt nach Spanien oder Afrika zu ziehen. Selbst in NRW wurden schon einzelne Paare gesichtet.

Für winterschlafende Säugetiere wie Igel oder Fledermäuse wird es meist ernst, wenn milde Phasen zu häufig mit Kälteeinbrüchen wechseln. "Dann reichen die angelegten Fettreserven unter Umständen nicht mehr aus, um den Winter in Gänze zu überstehen."

Bleibe es so warm, könne man ab Ende Januar mit den ersten Springfröschen rechnen, so Monika Hachtel, Amphibienexpertin des NABU NRW. Einmal losgelaufen, stellen plötzliche Kälteeinbrüche dann eine große Gefahr dar. Wandernde Amphibien würden sich dann nicht mehr rechtzeitig durch Eingraben vor der Kälte schützen können und erfrieren.

Und auch Schmetterlinge, wie das Tagpfauenauge (Foto) und der Kleine Fuchs, die sich den Winter über in menschliche Behausungen zurückgezogen haben, sitzen bei Temperaturen um die 10 Grad bereits in den Startlöchern. Werden sie von der Sonne nach draußen gelockt, droht ihnen so früh im Jahr allerdings direkt der Hungertod, da sie noch keine Nahrung finden.

Stand: 18.01.2020, 13:13 Uhr