Drei Migranten auf dem Ruder des Öltankers Alithini II vor Las Palmas auf Gran Canaria

Migranten flüchten auf dem Ruder eines Schiffes nach Europa

Stand: 30.11.2022, 19:18 Uhr

Elf Tage lang war ein Öltanker von Nigeria nach Gran Canaria unterwegs. Im Hafen wurden dann drei Männer auf dem Ruder des Schiffes entdeckt. Das steckt hinter der Geschichte.

An die Bilder von Migranten, die in Schlauchbooten oder kleinen Holzschiffen über das Mittelmeer in Richtung Europa wollen, haben wir uns mehr oder weniger über die Jahre gewöhnt. Neu dürfte für viele hingegen das Bild sein, das von den Kanarischen Inseln kommt und für Aufsehen sorgt: Drei Menschen sitzen auf dem Ruder eines riesigen Öltankers, die Füße berühren fast das Wasser.

Es ist eine irreale Situation, die sich dieser Tage im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria ereignete. Bei den drei Personen handelt es sich um Migranten aus Nigeria. Spanische Behörden haben die Männer auf dem Ruder des Schiffes "Alithini II" entdeckt. Der Öltanker kam am Montag in dem spanischen Hafen an und war elf Tage lang auf dem Atlantik unterwegs - angeblich mit den Migranten unter dem Schiffsrumpf. Gestartet war das Schiff im Hafen von Lagos in Nigeria. Die drei Migranten müssten also rund 4.600 Kilometer auf dem Ruderblatt zurückgelegt haben.

Dehydrierungen und Unterkühlungen

Spurlos an ihnen vorbeigegangen ist die gefährliche Tour nicht. Nach Angaben spanischer Seenotretter hatten sie Symptome von Dehydrierung und Unterkühlung. Alle drei wurden in Krankenhäuser gebracht. Am Mittwoch wurde einer von ihnen dort noch behandelt. Die anderen beiden wurden zurück zum Öltanker gebracht.

Migranten beantragen Asyl

Drei blinde Passagiere aus Nigeria wurden am Montag auf den Kanarischen Inseln von der spanischen Küstenwache gerettet

Hilfskräfte haben die drei Männer in Krankenhäuser gebracht

Denn: Nach dem spanischen Gesetz ist der Eigentümer des Schiffes für den Rücktransport blinder Passagiere verantwortlich - wenn diese kein Asyl beantragen und es sich nicht um Minderjährige handelt. In dem Fall würden die drei Personen also wieder zurück nach Nigeria gebracht. Doch am Mittwoch wurde bekannt, dass sie sich um Asyl bemühen. Das Schiff kann also ohne sie abfahren.

Zuvor hatte sich eine Menschenrechtsorganisation gegen einen schnellen Rücktransport ausgesprochen. Die Fälle der blinden Passagiere sollten einzeln geprüft werden, forderte die Gruppe "Walking Borders" am Mittwoch. Sie rief die spanische Regierung auf, die Männer in ein humanitäres Programm für Migranten aufzunehmen, damit sie sich von der elftägigen Reise übers Meer erholen könnten und die Chance hätten, Asyl zu beantragen.

Inzwischen hat sich auch der Fotograf des Fotos zu Wort gemeldet, das von vielen Medien aufgegriffen wird. Orlando Ramos Alayón ist Kapitän des Rettungsschiffes Salvamar Nunki und erklärt: "Wenn wir können, machen wir diese Fotos, um sie als Dokumentation aufzubewahren." Die eigentliche Arbeit sei es aber gewesen, die drei Männer in Sicherheit zu bringen.

Tausende Migranten erreichen Kanarische Inseln

Es ist nicht das erste Mal, dass Migranten auf solch eine gefährliche Art und Weise versuchen, nach Europa zu gelangen. Schon in der Vergangenheit gab es Versuche, als blinde Passagiere auf dem Ruder von Handelsschiffen zu den Kanarischen Inseln zu fahren.

So berichtete 2020 ein 14-jähriger Junge aus Nigeria der spanischen Zeitung "El País" von seiner zweiwöchigen Fahrt auf dem Ruder eines Schiffes. Er war ebenfalls von Lagos aus aufgebrochen. Der Migrationsberater der kanarischen Regionalregierung, Txema Santana, schrieb angesichts des neuen Falls via Twitter: "Es ist nicht das erste Mal und wird auch nicht das letzte Mal sein."

Migranten warten im Hafen von Arguineguin darauf, von einem Schiff der spanischen Küstenwache auszusteigen

Immer wieder erreichen afrikanische Migranten die Kanarischen Inseln

Denn neben der Mittelmeerroute ist auch der Weg von Afrika auf die Kanarischen Inseln keine Seltenheit. Tausende Migranten und Flüchtlinge aus Nord- und Westafrika haben in den letzten Jahren ohne Einreisedokumente die Inseln und damit die EU erreicht. Die meisten unternehmen die gefährliche Atlantiküberquerung in überfüllten Booten von der Küste Marokkos, der Westsahara, Mauretaniens und Senegals aus.

Die UN registrierten allein in diesem Jahr bis November fast 15.000 Ankommende. Die UN-Organisation für Migration IOM zählte bis Oktober mehr als 1.500 Tote oder auf See Vermisste. Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher liegen.

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