Wegen Mieten-Stopp: Kritik an Adidas und Deichmann

Deichmann Filiale in Düsseldorf

Wegen Mieten-Stopp: Kritik an Adidas und Deichmann

Von Jörn Seidel

  • Adidas, Deichmann und H&M wollen Mieten aufschieben
  • Möglich durch Corona-Notgesetz der Bundesregierung
  • Welle der Empörung: "Unverschämtheit sondergleichen"

Moralisch verwerflich - ein nicht selten erhobener Vorwurf in der Corona-Krise, der diesmal Adidas, H&M und Deichmann trifft. Boykott-Aufrufe werden laut. Das Argument: Die Konzerne würden das Corona-Notgesetz zum Kündigungsschutz von Mietern ausnutzen. Was ist da dran?

250 Deichmann-Filialen in NRW geschlossen

Allein in Nordrhein-Westfalen betreibt der Essener Schuhhändler Deichmann nach eigenen Angaben 250 Filialen. Sie alle sind wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus vorübergehend geschlossen - genau wie fast alle anderen der weltweit 4.200 Filialen.

Notgesetz der Bundesregierung

Daher nimmt der Konzern jetzt eine Möglichkeit in Anspruch, die der Bundestag am Mittwoch (25.03.2020) per Notgesetz eröffnet hat. Demnach darf Mietern nicht gekündigt werden, wenn sie ihre Miete für April, Mai und Juni erst später zahlen. Bis Juni 2021 haben sie dafür Zeit.

Corona-Mieterhilfe: "Haltung von Adidas und Co inakzeptabel"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 30.03.2020 02:33 Min. Verfügbar bis 30.03.2021 WDR 5 Von Torsten Huhn

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Deichmann habe seine "Vermieter gebeten, die während der Schließung anstehenden Mietzahlungen vorübergehend zu stunden", bestätigte das Unternehmen am Montag (30.03.2020) dem WDR.

Auch Sportartikelhersteller Adidas und Modehändler H&M gaben bekannt, ihre Mieten erst später zahlen zu wollen - und lösten damit eine Welle der Empörung aus. "Unter aller Sau" sei dieses Verhalten, schrieb etwa ein User auf Twitter und erntete dafür Tausende Likes.

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Empörte Sozialdemokraten

Empört äußerten sich auch drei SPD-Bundesminister: Christine Lambrecht (Justiz), Olaf Scholz (Finanzen) und Hubertus Heil (Arbeit und Soziales). "Unverantwortlich" sei das, urteilte Heil im "Handelsblatt" über Adidas.

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Als "Unverschämtheit sondergleichen", bezeichnete es Lukas Siebenkotten vom Deutschen Mieterbund in der "Bild". "Diese großen Firmen verdienen hervorragendes Geld und berufen sich jetzt auf ein Gesetz, das doch die Kleinen schützen soll."

Und Kai Warnecke vom Verband Haus & Grund forderte: Man solle dringend einvernehmliche Lösungen suchen.

Konzerne verteidigen sich

Genau diese Absicht bekunden allerdings auch die Konzerne. Es sei oberstes Ziel "jetzt schnell individuelle Lösungen für die Mieten zu finden", teilte H&M-Geschäftsführer Thorsten Mindermann dem WDR mit.

Und Deichmann versicherte: Man habe kein Interesse daran, "dass Vermieter dadurch in eine Notlage kommen. Sollte sich dies in einzelnen Fällen abzeichnen, würden wir unser Möglichstes tun, um zu helfen."

Der Adidas-Konzern begründete seinen Schritt gegenüber tagesschau.de, dass der Online-Handel derzeit nur 15 Prozent des gesamten Geschäftes ausmache. Außerdem seien unter den Vermietern lediglich vier Privatpersonen - und diese erhielten ihre Miete weiterhin pünktlich.

Stand: 30.03.2020, 16:36

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