Wieder Metalldiebe auf NRW-Friedhöfen unterwegs

Grab auf dem Friedhof in Würselen, von dessen Einfassung eine Grablaterne abgebrochen wurde (Aufnahme von 2011)

Wieder Metalldiebe auf NRW-Friedhöfen unterwegs

Von Dominik Reinle

  • Metalldiebe aktiv: Ruhrgebiet, Niederrhein, Aachener Land
  • Polizei meldet Vorfälle auf Friedhöfen
  • In Köln greifen Schutzmaßnahmen

Metalldiebe machen auch vor Grabschmuck nicht halt. Neue Fälle meldete die Polizei Anfang März aus Bergkamen (Kreis Unna) und Kevelaer (Kreis Kleve), wo unter anderem Madonnenstatuen aus Bronze, ein Metallkreuz und Vasen aus Kupfer entwendet wurden.

Der Tatbereich umfasst weiterhin ganz NRW. Im Januar waren beispielsweise Friedhöfe im Kreis Heinsberg und in der Stadt Düren das Ziel von Dieben.

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Steigende Metallpreise

Die Größe der geklauten Gegenstände spielt keine Rolle: Während in Bochum im November eine drei Meter lange Kupferskulptur gestohlen wurde, war es in Lage (Kreis Lippe) im Dezember eine einfache Messing-Grableuchte.

Auch bekannte Namen sind unerheblich: Weder der Kölner Melatenfriedhof noch der Düsseldorfer Nordfriedhof, wo prominente Familien ihre Gräber haben, sind stärker betroffen.

Melatenfriedhof Köln

Melatenfriedhof in Köln

"Ausschlaggebend dürften die Materialien sein, die sich auf den Gräbern finden", so die Düsseldorfer Friedhofsverwaltung. Auch wenn ein Kilogramm Kupfer nur rund fünf Euro einbringt, lässt sich damit Geld verdienen.

"Die Masse macht's", sagt Jörg Lacher vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). Die Metallpreise seien deutlich gestiegen und damit auch die Diebstähle.

Gräber fotografiert

Zur Gesamtzahl der Fälle und zu den Tätern kann das Landeskriminalamt jedoch nichts sagen. Grabdiebstähle würden in der Polizeistatistik nicht gesondert erfasst.

"Es werden Einzelpersonen ertappt, aber auch Banden sind offenbar unterwegs", sagt Michael Ermers von der Kreispolizei Kleve. "Einmal wurde uns im Nachhinein von verdächtigen Personen berichtet, die Gräber fotografiert haben sollen."

Die gestohlene Ware werde meist ins Ausland verbracht, so BVSE-Sprecher Lacher. In den Niederlanden sei Hehlerei beispielsweise kein Straftatbestand.

In Deutschland hingegen müssten Schrotthändler Diebesgut zurückerstatten, wenn die Tat auffliege - auch bei gutgläubigem Erwerb. "Wir informieren daher unsere Mitglieder über Diebstähle, damit sie nicht aus Versehen gestohlene Ware kaufen."

Metalldiebe verwüsten Bergkamener Friedhof 03:14 Min. Verfügbar bis 07.03.2020 Von Olaf Tack

Abschreckung durch Hunde

Die Überwachung der bewachsenen Friedhofsanlagen ist schwierig. Doch Köln hat ein Mittel gefunden. "Als zum Jahreswechsel 2017/2018 auf unseren 55 Friedhöfen mehrere hundert Gegenstände entwendet wurden, sind wir in die Offensive gegangen", sagt Peter Figgen von der Kölner Friedhofsverwaltung.

Die Stadt informierte die Öffentlichkeit über verstärkte Polizei-Streifen und den Einsatz von Wachdiensten mit Hundeführern. Die Wirkung: "Es ist deutlich ruhiger als vergangenes Jahr."

Stand: 17.03.2019, 06:00

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