Zwölf Handwerksberufe wieder meisterpflichtig

Fliesenleger bei der Arbeit

Zwölf Handwerksberufe wieder meisterpflichtig

Von Jörn Kießler/Timo Meerkamp

  • Zwölf Handwerksberufe haben wieder Meisterpflicht
  • 53 Berufe waren 2004 für zulassungsfrei erklärt worden
  • Handwerk.NRW begrüßt Gesetzesänderung

Der Bundestag hat am Donnerstag (12.12.2019) die Meisterpflicht für zwölf Handwerksberufe beschlossen. Betroffen sind zum Beispiel Fliesenleger, Rollladentechniker und Raumausstatter. Wer darin einen eigenen Betrieb führen will, braucht wieder den Meistertitel. Bestehende Betriebe haben aber Bestandsschutz. Die Bundesregierung macht damit einen Schritt rückgängig, der seit Jahren vom Handwerk kritisiert wird.

Quereinsteiger drücken Preise

"Durch die fehlende Meisterpflicht gibt es viele Quereinsteiger, die die Preise kaputt machen", erklärt Hollender, der selbst einen Meistertitel trägt und bei einer Werbeagentur angestellt ist. "Dadurch bekommen die etablierten Unternehmen Probleme."

Zwölf Handwerksberufe wieder meisterpflichtig

WDR 2 12.12.2019 01:55 Min. Verfügbar bis 11.12.2020 WDR Online

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Schon 2015 kritisierten die baugewerblichen Verbände die unzähligen neu gegründeten Ein- und Zwei-Mann-Betriebe, die nach kurzer Zeit wieder verschwänden. Auch in NRW hat die Zahl der Handwerksbetriebe seit 2004 um fast 19 Prozent zugenommen. Die der Beschäftigten nahm um rund 9 Prozent ab.

Mängel werden oft erst spät erkannt

"Laut Statistik sind nach fünf Jahren zwei Drittel der Betriebe wieder vom Markt verschwunden, wenn keine Qualifikation vorhanden ist", sagt Andreas Ehlert, Präsident von Handwerk.NRW. "Wenn der Unternehmer nicht mehr am Markt ist, haben die Kunden auch von der Gewährleistung nichts."

Umso wichtiger sei eine gute Ausbildung der Handwerker, erklärt Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap von der Universität Düsseldorf: "Gerade in Berufen und Gewerken, in denen Vertrauen eine große Rolle spielt, weil der Verbraucher die Qualität der Leistung nicht so gut erkennen kann, halten wir es für sinnvoll, bestimmte Zugangsbarrieren zu schaffen."

Dabei geht es um Fliesen-, Parkett- und Estrichleger, Raumausstatter sowie Rolladen- und Sonnenschutz-Mechatroniker – Gewerke aus dem Ausbaugewerbe, bei denen Mängel oft erst Jahre nach der Fertigstellung erkennbar werden.

Meisterpflicht soll Ausbildung attraktiver machen

Außerdem sollen mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht auch Berufe gestärkt werden, in denen der Nachwuchs fehlt – Orgelbauer, Betonstein- und Terazzohersteller, Drechsler, Böttcher und Glasveredler.

In diesen sechs Gewerken gibt es in NRW derzeit nur 37 Auszubildende. "Da geht es auch um Kulturgüterschutz", erläutert Ehlert. "In manchen Berufen haben wir keine jungen Menschen mehr in der Ausbildung, wir haben kaum noch Meister, die dieses Wissen weitergeben."

"Die Meisterpflicht allein wird das Nachwuchsproblem aber nicht lösen", meint Haucap. Neben anständiger Bezahlung müsse es auch attraktive Arbeitsbedingungen geben.

Zurück zur Meisterpflicht Hier und heute 09.10.2019 07:07 Min. Verfügbar bis 09.10.2020 WDR

Stand: 12.12.2019, 13:08

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