Risiko Coffee-to-go: Fragen und Antworten

Risiko Coffee-to-go: Fragen und Antworten

Von Andreas Poulakos

  • Mehrwegbecher als Schadstoff-Quelle
  • Warnung von Verbraucherschützern
  • Nicht für heiße Getränke geeignet

Die Deutschen nutzen laut Bundesumweltministerium für Kaffee oder Tee jedes Jahr rund 2,8 Milliarden Einwegbecher. Angesichts solcher Müllberge erscheinen Mehrwegbecher vielen als gute Alternative.

Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Dienstag (26.11.2019) in Berlin mitteilte, können solche Becher allerdings Schadstoffe abgeben. Fragen und Antworten.

Um welche Becher geht es?

Auch wenn viele Hersteller damit werben, dass ihre Becher aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maismehl oder Bambus bestehen, ist das nur die halbe Wahrheit. In der Regel sorgen zusätzliche Melamin-Formaldehyd-Harze (MFH) dafür, dass die Gefäße dicht und stabil bleiben.

Der Kunststoff findet sich auch in bruchfesten Schüsseln und Besteck - zum Beispiel für Kleinkinder oder im Campingbereich. Eine Kennzeichnungspflicht der Hersteller gibt es nicht.

Wo liegt das Risiko?

Sowohl Melamin als auch Formaldehyd können aus dem Gefäß in das Lebensmittel übergehen. Bei einer aktuellen Untersuchung der Bundesländer von 56 MFH-haltigen Gefäßen wurde in einem Viertel der Proben der Grenzwert für Melamin überschritten, bei 11 Prozent der Proben für Formaldehyd. Die höchsten Werte lagen um das Vierfache bei Melamin und um das 19-fache bei Formaldehyd.

Wie gesundheitsschädlich sind Bambusbecher?

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 23.07.2019 06:25 Min. Verfügbar bis 22.07.2024 WDR 5

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Im Tierversuch wurde beobachtet, dass eine langfristige und starke Melamin-Belastung das Risiko für Blasenkrebs steigert. Formaldehyd reizt Haut und Schleimhäute und kann beim Einatmen Krebs im Nasen-Rachen-Raum auslösen. Allerdings sind dafür sehr hohe Dosen über einen langen Zeitraum nötig.

Warum sind Kaffeetrinker besonders gefährdet?

Fabrikneue Mehrwegbecher aus MFH dünsten gewöhnlich kaum Schadstoffe aus. Probleme entstehen erst dann, wenn sehr heiße Flüssigkeiten eingefüllt werden - bei Temperaturen über 70 Grad Celsius.

Treten außerdem im Lauf der Zeit winzige Beschädigungen der Oberfläche auf, werden mehr Schadstoffe freigesetzt. Deshalb rät das Bundesinstitut für Risikobewertung dazu, MFH-Produkte mit deutlichen Gebrauchsspuren zu entsorgen. Als Alternativen empfiehlt das Institut Becher aus Glas, Porzellan oder Edelstahl.

Übrigens: Eine Rückkehr von Mehrweg- zu Einwegbechern ist weder aus ökologischen noch gesundheitlichen Gründen empfehlenswert. Das legt zumindest eine Untersuchung der Schweizer Stiftung für Lebensmittelverpackungen von 2017 nahe.

Demnach können bei hohen Temperaturen auch bei beschichteten Pappbechern Schadstoffe in das Getränk übergehen - zum Beispiel Weichmacher, die unter Verdacht stehen, das Hormonsystem zu schädigen.

Stand: 26.11.2019, 11:26

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