Wildunfälle in NRW auf Höchststand: Was ist zu tun?

Wildunfälle in NRW auf Höchststand: Was ist zu tun?

Von Katja Goebel

  • Noch nie gab es so viele Wildunfälle in NRW
  • Hauptgründe: Wachsender Verkehr und zerteilte Grünflächen
  • Erfolgreiche Maßnahmen: Wildwarnanlagen und Grünbrücken

Insgesamt starben laut Jagdstatistik im vergangenen Jahr allein in NRW rund 32.000 große Wildtiere bei Unfällen. So viele tote Rehe, Hirsche und Wildschweine waren es hierzulande noch nie. Die Dunkelziffer ist allerdings fünf Mal so hoch, schätzt der Deutsche Jagdverband.

Autoflut, Revierwechsel und Klimawandel

Grund für die Unfälle ist der zunehmende Verkehr. Die meisten Wildunfälle ereignen sich während der Dämmerung. Sind zum Beispiel nach der Zeitumstellung wieder mehr Berufspendler im Dunklen unterwegs, steigt auch das Unfallrisiko, sagt Gregor Klar, Experte für Naturschutz beim Jagdverband NRW.

Wechseln die Tiere im Frühjahr häufiger ihre Reviere, kracht es ebenfalls öfter. Außerdem begünstige der Klimawandel durch milde Winter und viele Waldfrüchte die Vermehrung.

Aufschlaggewicht: halbe Tonne

Ein Hirsch läuft über eine Straße

Gefährlicher Wildwechsel

Häufig werden Wildunfälle im Ausmaß unterschätzt. Ein 20 Kilogramm schweres Reh besitzt bei einer Kollision mit Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne.

Auf Strecken mit Wald oder schlecht einsehbaren Feldrändern rät der ADAC "Fuß vom Gas und immer bremsbereit sein." In der Dämmerung ziehen die Tiere häufig zum Fressen an die Fahrbahnränder.

Taucht ein Wildtier im Scheinwerferlicht auf, am besten abblenden, abbremsen, hupen. Nur langsam weiterfahren - denn es könnten noch Nachzügler kommen. Ausweichmanöver sind gefährlich und enden oftmals im Gegenverkehr.

Wildunfall- Checkliste

Wenn es zum Zusammenstoß kommt:

  • Tier nicht berühren, wenn es noch lebt. Es könnte Panik bekommen.
  • Unfall der Polizei melden - auch wenn sich das Tier von der Unfallstelle entfernt. Polizei informiert Revierinhaber, der nach verletztem Tier suchen kann.
  • Spuren des Wildschadens am besten fotografieren.
  • Von der Polizei oder vom Jagdpächter eine "Wildschadenbestätigung" ausstellen lassen.
  • Versicherung unverzüglich informieren - je nach Versicherung wird der Schaden übernommen.

Lassen sich die Tiere aufhalten?

Wildschutzzäume gelten als wirksam, aber sie könnten zur Barriere werden. Die Tierpopulation kann sich nicht mehr ausreichend mischen. Die Wirkung von Reflektoren an Leitplanken, um Wild vom Überqueren abzuhalten, ist umstritten.

Forderung: Wanderkorridore und Grünbrücken

Der Lebensraum der Tiere wird durch etliche Straßen durchtrennt. Längst fordern auch der Deutsche Jagdverband, der Automobilclub (ADAC), der Naturschutzbund (Nabu) und der WWF eine bessere Vernetzung von Biotopen, um Wildunfälle zu vermeiden.

Tierfund über App melden

Bis heute gibt es keine bundesweite Erfassung von Wildunfällen. Da etwa 99 Prozent der Wildunfälle mit einem Blechschaden enden, werden sie von der Polizei auch nur als Unfall mit Sachschaden erfasst. So fehlt am Ende eine wichtige Datengrundlage, um Unfallschwerpunkte zu lokalisieren und Verkehrswege wildtierfreundlicher zu gestalten.

Das Projekt Tierfund-Kataster soll da Abhilfe schaffen. Verkehrsteilnehmer können bundesweit über die Internetseite oder die kostenlose App Wildunfälle eintragen. Wissenschaftler werten diese aus, und Behörden können schließlich Straßen sicherer machen.

Seit 2012 gibt es das Bundesprogramm Wiedervernetzung mit dem Ziel, die Lebensräume wieder miteinander zu verbinden. Kritisiert wird aber die schleppende Umsetzung und der Mangel an Planungsgrundlagen.

Grünbrücke über Autobahn

Grünbrücke über einer Autobahn

Nicht überall ist zum Beispiel eine Grünbrücke über eine Autobahn sinnvoll. Entscheidend sei, die örtliche Jägerschaft mit einzubeziehen. "Die kennen die alte Wanderwege des Rotwilds", sagt Gregor Klar vom Jagdverband.

Doch die Kosten sind hoch. "Eine solche Grünbrücke kostet schnell mal zwei Millionen Euro." Das sei vielen Bürgern nur schwer zu vermitteln.

Stand: 31.03.2019, 16:44

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