Wenn Beruhigungsmittel zum Alltag gehören

NRW lässt Medikamenteneinsatz in Heimen untersuchen

Stand: 03.07.2022, 12:04 Uhr

Das Land Nordrhein-Westfalen lässt Medikamententests an Kindern und Jugendlichen bis ins Jahr 1980 untersuchen.

In einer Studie sollen solche Vorfälle in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, der Behindertenhilfe und der Psychiatrie von 1946 bis 1980 untersucht werden. Das teilte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales am Samstagabend mit.

Medikamente zur Disziplinierung und Ruhigstellung

So sollen die Hintergründe und das Ausmaß der Medikamententests in NRW-Heimen aufgedeckt werden. Auch der Einsatz von Arzneimitteln zur Disziplinierung oder Ruhigstellung von Kindern und Jugendlichen soll aufgeklärt werden.

Die Forschenden wollen dazu beispielsweise in Archiven von Einrichtungen und Arzneimittel-Firmen recherchieren. Auch Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sind geplant.

Ergebnisse in rund zwei Jahren erwartet

Ein Team von Forschenden verschiedener Hochschulen unter Leitung von Professor Heiner Fangerau vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Uni Düsseldorf soll den Komplex untersuchen.

Das Land finanziert die Studie mit 430.000 Euro. Ergebnisse würden in rund zwei Jahren erwartet, hieß es.

Kindern und Jugendlichen missbräuchlich Medikamente gegeben

Gesundheits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, dieses dunkle Kapitel der NRW-Geschichte müsse aufgeklärt werden. "Die Untersuchung soll ans Licht bringen, was damals geschehen ist und Verantwortliche klar benennen. Das sind wir den Betroffenen schuldig."

Die bisher vorliegenden Forschungsergebnisse und Erlebnisberichte damaliger Opfer würden in vielen Fällen belegen, "dass Kindern und Jugendlichen unsachgemäß und missbräuchlich Medikamente verabreicht wurden."

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