Die "MeToo"-Bewegung und ihre Folgen für NRW

Die "MeToo"-Bewegung und ihre Folgen für NRW

Von Claudia Wiggenbröker

  • Weinstein-Prozess startet
  • Folgen von MeToo für NRW
  • Auswirkungen in Kunst und Medien

Gegen den ehemaligen Filmmogul Harvey Weinstein ist am Montag (06.01.2019) ein Prozess in New York gestartet. Rund zwei Jahre ist es her, dass ihm mehr als 80 Frauen sexuelle Gewalt vorgeworfen haben.

Der Fall hat den Anfang der "MeToo"-Bewegung markiert: Überall auf der Welt sammelten sich Frauen und auch Männer unter dem Schlagwort und sprachen über Belästigung.

Hat die Bewegung auch in NRW zu konkreten Konsequenzen geführt?

"MeToo" in der Kunst

In Neuss beispielsweise wird seither "mehr auf ausgewogene Verhältnisse in Institutionen wie Orchestern oder bei Ausstellungsprojekten" geachtet, sagte Christiane Zangs. Sie ist Beigeordnete der Stadt für Schule, Kultur und Bildung.

Wenn das Geschlechterverhältnis ein ausgewogenes und die Gleichberechtigung hoch ist, sei die Gefahr von sexueller Gewalt geringer, so Zangs. Daher wird in Neuss nun auch ein schärferer Blick auf Arbeitsverträge geworfen: Es würden Stichproben durchgeführt, ob sich künstlerische Institutionen an eine gerechte Zahlung halten.

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Diese Maßnahmen hat Zangs auch für den Deutschen Städtetag formuliert. Die Kommunen entscheiden aber jeweils, ob sie die Vorschläge umsetzen.

Bundesweit gibt es seit Herbst 2018 auch ein Beratungsangebot, die "Themis-Vertrauensstelle". Beschäftigte aus der Film-, Fernseh- und Theaterbranche erhalten hier juristische und psychologische Beratung.

"MeToo" in Medien

In Medienunternehmen in NRW hat "MeToo" ebenfalls Spuren hinterlassen. Im vergangenen Sommer wurden Vorwürfe gegen einen ehemaligen Moderator des Senders Deutsche Welle erhoben. Die DW wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass sie sich zu einzelnen Fällen nicht äußere. Man habe aber im Jahr zuvor eine Aufklärungskampagne gestartet und zahlreiche Workshops und Schulungen veranstaltet.

Auch der WDR wurde im Frühjahr 2018 mit mehreren Vorwürfen der sexuellen Belästigung konfrontiert. Seit März 2019 gibt es eine zentrale Stelle, bei der mögliche Beschwerden zusammenlaufen. Parallel hat der Sender einen Kulturwandelprozess im Haus angeschoben.

Seminare zur Aufklärung

Einige Institutionen in NRW bieten Seminare und Workshops unter dem Stichwort "MeToo" an. Beispielsweise klärt Verdi über die Aufgaben auf, die Interessenvertretungen bei dem Thema haben. Das Joseph-DuMont-Berufskolleg aus Köln hat Lehrerinnen zu "Präventionstrainerinnen" ausgebildet und Workshops unter dem Titel "Statt MeToo: Nicht mit mir" veranstaltet. Die Schule wolle ihre Schülerinnen darüber informieren, "wie sie sich erfolgreich gegen sexuelle Belästigung zur Wehr setzen können".

Es dürfte aber noch ein weiter Weg sein, bis MeToo in der Gesellschaft kein Thema mehr sein muss.

Weinstein-Prozess: Schon vor Beginn ein Gewinn

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 07.01.2020 02:37 Min. Verfügbar bis 05.01.2021 WDR 5 Von Antje Passenheim

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Stand: 06.01.2020, 21:10

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