Umwelt-Maut statt Pkw-Maut?

Umwelt-Maut statt Pkw-Maut?

Von Christian Wolf

  • Abgabe für Autofahrer wird weiter diskutiert
  • Umwelt-Maut soll Klima helfen und Verkehrsinfarkt verhindern
  • London hat eine solche Abgabe seit April

Nach dem Aus für die deutsche Pkw-Maut überlegen Politiker, wie eine Abgabe doch noch eingeführt werden kann. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund bringt eine Umwelt-Maut ins Spiel.

Gerd Landsberg, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städte- und Gemeindebunds DStGB.

Gerd Landsberg bringt eine Umwelt-Maut ins Spiel

Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Es kann durchaus Sinn machen, die KfZ-Steuer abzuschaffen und ein Mautsystem auch für Pkw einzuführen." Damit verbunden sein müsse aber eine "kluge Steuerung" für den Klimaschutz und dem sich abzeichnenden Verkehrsinfarkt in manchen Städten.

Weniger Verkehr auf Kölner Autobahnring?

"Wenn beispielsweise auf dem dauerhaft überlastetet Kölner Autobahnring zu Stoßzeiten mehr Geld für die Straßennutzung kassiert wird, dürfte das zu geringerem Verkehrsaufkommen führen", sagte Landsberg. Auch der Schadstoffausstoß der einzelnen Fahrzeuge müsse eine Rolle spielen.

City-Maut für bessere Luft?

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 18.06.2019 07:43 Min. Verfügbar bis 17.06.2024 WDR 5

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Der Klima- und Verkehrsexperte Thorsten Koska vom Wuppertal Institut sieht drei Bedingungen für solch eine Maut. Zunächst müsse sie kilometerabhängig gelten. "Je mehr man fährt, desto mehr muss man bezahlen", sagte er dem WDR.

Dann müsse sie abhängig sein von Umweltwirkungen wie CO2-Verbrauch und Schadstoffausstoß, "damit es auch ein Anreiz ist für umweltfreundliche Fahrzeuge". Wenn die Maut abhängig von der Tageszeit eingeführt werde, könne sie Staus reduzieren.

Kritik kommt vom ADAC. "Die Öko-Maut ist aus meiner Sicht kein ökologisches Lenkungsinstrument", sagt Roman Suthold vom ADAC Niederrhein. Mit Kfz-Steuer und Mineralölsteuer gebe es andere Instrumente, die "viel effizienter" seien.

London hat schon eine Umwelt-Maut

Neu ist die Idee einer Umwelt-Maut nicht. In der britischen Hauptstadt London müssen Fahrer älterer Autos seit Anfang April eine Umwelt-Maut von umgerechnet rund 14,50 Euro pro Tag zahlen. Betroffen sind vor allem Diesel. Die Maut soll die Belastung mit gesundheitsschädlichen Stickoxiden senken.

Daniel Rieger vom Naturschutzbund Nabu sagt, es sei "gut vorstellbar", dass das Modell Schule mache, "wenn es auf anderem Wege nicht gelingt, die Menschen zum Umsteigen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu bewegen".

Stand: 19.06.2019, 12:20

Kommentare zum Thema

20 Kommentare

  • 20 Andreas 21.06.2019, 06:52 Uhr

    Umweltfreundliche Verkehrsmittel? Das ich nicht lache. Wenn in Deutschland wirklich 100% aller Fahrzeuge elektrisch betrieben würden, wäre die Luft auch nicht sauberer. Alleine schon der Reifenabrieb. Man kann bis heute keine Reifen ohne Ruß herstellen. Die Herstellung von noch mehr Batterien ist noch mehr Sondermüll. Und das Auto selber. Mit ein bisschen Wind und Sonne lässt sich kein Stahl und sonstige Metalle herstellen. Da müssen Kraftwerke her. Aber die will ja auch keiner. Und die Weltwirtschaft? Wer immer und zu jeder Zeit alles in vollen Regalen haben will, aus der ganzen Welt, und auf nichts verzichten will, der wird dann im Supermarkt auch dumm aus der Wäsche gucken. Wenn es um das Auto geht, ist das Geschrei groß. Aber die größten Luftverschmutzer und Spritfresser, die Flugzeuge, da geht niemand dran. Dann können die Deutschen ja nicht mehr in Urlaub fliegen. Lächerliche einseitige sogenannte Klimapolitik.

  • 19 Angela Hoppe 20.06.2019, 17:00 Uhr

    Ich sehe gar nicht ein, noch mehr fürs Autofahren zu zahlen. Alleine die Steuern auf Benzin bringen den Staat genug Geld. Wenn jemand meint, eine Maut kilometerabhängig einführen zu müssen, darf sich aber auch gleichzeitig Gedanken darüber machen, wie er die Pendler entlastet. Die stehen nämlich nicht zum Vergnügen im Stau. Sondern haben starre Arbeitszeiten. Wo bleiben eigentlich die Aufrufe an die Arbeitgeber, Homeoffice anzubieten, damit die Straßen leerer werden? Das ist völlig unter den Tisch gefallen.... Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln werde ich in meinem Berufsleben auch nicht mehr fahren. Habe dieses Theater 20 Jahre mitgemacht und dabei ständig gehört, das er besser werden soll. Da tut sich auch nichts. Da sitze ich doch lieber im Stau im Auto.

  • 18 Harvey 20.06.2019, 14:10 Uhr

    Wenn einem nix mehr einfällt, dann die Autofahrer melken. Ein Umstieg auf ÖVPN ist für Pendler aus ländlichen, die in die Städte müssen teilweise unmöglich oder gar unwirtschaftlich. Wenn schon Maut, dann bitte einfach. Die KFZ-Steuer abschaffen und schon wäre die Maut sogar rechtskonform. Aber die Länder möchten ja auf das Geld nicht verzichten, da man damit so schön andere Löcher stopfen kann. Soll der Bund es aus der Maut ausgleichen. Warum müssen wir in Deutschland alles verbürokratisieren. Macht alles nur kompliziert, teuer und ineffektiv. Bei unseren Nachbarn (Schweiz, Österreich, Italien usw.) mit Maut geht es doch auch einfach.

  • 17 hø'ø 20.06.2019, 11:01 Uhr

    Schafft doch erstmal die notwendigen Vorbedingungen: Ein zuverlässiger, schneller, überall (auch auf dem Land!) benutzbarer und seinen Preis werter ÖPNV ist Grundvoraussetzung, wenn man die Menschen zum Umsteigen vom Auto bewegen will. Hier in Siegen fallen derzeit 120-150 Busfahrten täglich aus, in neuere, etwas abseits gelegene Industriegebiete (zB im Raum Wenden-Gerlingen) kommt man per ÖPNV überhaupt nicht. Die Arbeitnehmer haben gar keine andere Wahl, als mit dem PKW zum Arbeitsplatz zu kommen. Am Wochenende oder nach 17:00 fährt kein Bus mehr abseits der Hauptrouten, wer im Dorf lebt, hat Pech gehabt, und selbst mitten in Siegen kann das Ende eines Theater- oder Kinobesuchs zu spät für den letzten Bus sein. Eine streckenabhängige Öko- oder PKW-Maut trifft im ländlichen Bereich praktisch alle, die zur Arbeit müssen. Sollen denn wirklich alle in die Ballungsräume ziehen und auch dort arbeiten? Stahlwerke in die Innenstadt?

  • 16 Claus 20.06.2019, 10:44 Uhr

    Zuerst einmal müssen Motorräder und andere Spielfahrzeuge so hoch besteuert werden dass diesen Verkehrsgefährdern und Freizeitumweltverschmutzern die Ohren wegfliegen!

  • 15 Achim 20.06.2019, 10:18 Uhr

    Das einfachste wäre doch die Steuern auf Diesel an die des Benzins anzugleichen. Außerdem warum soll Flugbenzin weiter steuerfrei sein?

  • 14 Rheinländer 20.06.2019, 10:01 Uhr

    Jetzt sollte wirklich jedem klar sein, dass es NIE um den Ausbau und Erhalt von Straßen ging. Es ging immer nur um eine weitere Schröpfquelle! Und natürlich um Wählerstimmen für die CSU. Schön, dass die mitsamt der CDU in den SPD Abgrund wandert.

  • 13 Preisbremse 20.06.2019, 05:41 Uhr

    Warten wir mal die anstehenden Landtagswahlen ab, was dann noch übrig bleibt.

  • 12 Mal anders gedacht 19.06.2019, 21:43 Uhr

    Warum an die KFZ gehen oder gar eine Maut einführen. Wir haben doch eine Einnahmequelle die abgeschafft werden soll. Der Soli. Warum diesen nicht beibehalten? 1 Jahr für Infrastruktur, 1 Jahr für Umweltschutz, Schulen, Kitas, Pflege ect. Das wäre wahre Solidarität. Sein wir doch mal ehrlich, das kann sich jeder leisten.

    Antworten (2)
    • Heinzb aus nrw 19.06.2019, 23:29 Uhr

      Statt Jahren nun ins 4. Jahrzehnt , einfach festschreiben auf die Ewigkeit . Das ist Parlamentarische Demokratie . Es scheint Geld da zu sein , aber wohl nicht für das hiesige Volk , das darf dann wohlwollend mit Bezugsscheine ungestraft Containern .

    • Ingolf S. 20.06.2019, 07:02 Uhr

      1. Ausländische Nutzer (allen voran die ausländischen LKW, die dank riesiger Tank hier nicht mal Diesel kaufen) werden nicht beteiligt. Immerhin ist D'land auf Grund seiner Lage das Transitland No. 1 in Europa und Teile unserer Nachbarn haben ja durchaus eine Maut. Ob da die Infrastruktur (deshalb) besser ist weiß ich aber nicht. 2. es fehlt die Lenkungsfunktion (wer viel fährt..., wer eine Spritvernichtungsmaschine aka SUV, Sportwagen fährt,....) Aber wie schon weiter unten geschrieben, kann ich bei der derzeitigen Lage einer Maut nichts abgewinnen. Eigenheim, Familie, Arbeit 85km entfernt. SPNV: min. 2Std/Strecke; PKW: 1 - max. 1,5 Std/Strecke. Wenn jetzt noch ein Maut on Top kommt, muss ich mir überlegen, ob sich die Sache mit der Arbeit noch lohnt (an meinem Wohnort gibt es keinen ÖPNV und auch keine Arbeit für meine Qualifikationen!) Aber ansonsten ein gute Idee, finde ich.

  • 11 R. Müller 19.06.2019, 19:57 Uhr

    Eine Forderung die Straßennutzung zu Stoßzeiten teurer zu machen als zu sonstigen Zeiten zielt nur darauf ab, den Nutzern mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Bei diesem Vorschlag wird die Politik sicherlich hellhörig. Jeder weiß, dass die Pendler und Berufskraftfahrer (Unternehmen) sich die Zeiten der Straßennutzung nicht aussuchen können. Niemand der Beteiligten die Tag für Tag die Straßen verstopfen (zu Stoßzeiten!) macht das zum Vergnügen, viel mehr wird hier wie so oft das Versagen der Politik sichtbar und das über viele Jahre. Nicht nur das Brücken Chaos! Wenn es so einfach funktioniert wie Herr Landsberg vorgeschlagen hat, dann brauchen zahlreiche Straßen nicht mehr ausgebaut zu werden da die Nutzung auf ein breiteres Zeitfenster verteilt wird. Na ja, viele Pendler können ja auch einfach in die Nähe ihres Arbeitsplatzes ziehen, in eine nicht mehr bezahlbare Wohnung. Dieser Vorschlage wirkt wie ein Schlag ins Gesicht, nämlich für das tägliche Pendeln zum Arbeitsplatz. Danke

  • 10 Gringo 19.06.2019, 19:50 Uhr

    Die von bayerischen Ministern versenkten Milliarden müssen wieder rein, koste es wen oder was es wolle. Geben wir der Maut also einfach einen anderen Namen. Preise nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen gestaffelt - das freut dann sicher den Berufsverkehr.

    Antworten (1)
    • hø'ø 20.06.2019, 11:04 Uhr

      Wenn sich die Arbeit wegen zu hoher Fahrtkosten nicht mehr lohnt, gehe ich in Frührente. Soll doch jemand anders dann meine Einkommensteuer bezahlen.

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