Mastodon: Die OpenSource-Alternative zu Twitter

01:34 Min. Verfügbar bis 29.04.2023

Toots statt Tweets: Ist Mastodon ein würdiger Ersatz für Twitter?

Stand: 28.04.2022, 20:45 Uhr

Multimilliardär Elon Musk kauft Twitter: Vielen gefällt das nicht – und sie wechseln in das alternative Netzwerk „Mastodon“. Doch was steckt dahinter? WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, was Mastodon wirklich ist – und ob es wirklich eine Alternative zu Twitter darstellt.

Rund 211 Millionen tägliche aktive Nutzer hatte Twitter zuletzt. Deutlich weniger als andere populäre Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok, die alle weit über eine Milliarde Nutzer weltweit aufweisen. Trotzdem hat Twitter einen festen Platz unter den Plattformen: Hier wird engagiert diskutiert und debattiert. Vor allem Digitalexperten, Journalisten, Politiker, Unternehmer und Aktivisten – sind alle auf Twitter.

Mastodon berichtet über „Ansturm“: 62% mehr Nutzer

Doch durch die Meldung dieser Woche, Multimilliardär Elon Musk könnte den Mikrobloggingdienst kaufen – und danach sieht es augenblicklich aus –, versetzt viele Twitter-User in Alarmbereitschaft. Doch wie in jeder Krise gibt es auch immer Gewinner, wenn sich Menschen kurzzeitig abwenden. In diesem Fall ist es der bislang weithin unbekannte Twitter-Klon Mastodon.

Laut Betreiber Eugen Rochko – ein Deutscher aus Jena, der die Twitter-Alternative entwickelt hat –, haben sich in den letzten Tagen über 112.000 neue Nutzer in einem Teil des deutschsprachigen Netzwerks angemeldet. Ein Wachstum von 62%. Das ist zweifellos eine Folge der Twitter-Akquise durch Elon Musk. Einige Menschen suchen da nach einer Alternative. Weltweilt hat Mastodon derzeit 4,4 Millionen Nutzer.

Tröts statt Tweets: Vieles ähnlich

Mastodon-Symbole

Wer sich Mastodon anschaut – es gibt eine Web-Version, aber auch Apps für Android und iOS – fühlt sich zweifellos direkt an Twitter erinnert. Layout, Aufbau und Prinzip sind sehr ähnlich und damit vertraut. Tweets heißen hier „Toots“ oder übersetzt „Tröts“. Eine einzelne Nachricht ist ein „Tröt“, bei Bedarf mit Fotos und Videos. Tröts können bis zu 500 Zeichen lang sein – jedenfalls standardmäßig (Betreiber können das ändern). Nutzer können Tröts kommentieren, teilen und favorisieren.

Die Anmeldung und Nutzung ist kostenlos.

Dezentrale Struktur – und trotzdem vernetzt

Account von Jörg Schieb bei Mastodon

Wer umsteigt, muss trotzdem ein wenig umdenken. Während Twitter zentral verwaltet wird, funktioniert Mastodon dezentral. Es gibt nicht ein Netzwerk, sondern beliebig viele – von Privatpersonen, Firmen oder Institutionen betrieben, sogenannte „Instanzen“. Dezentral organisiert eben. Aber alle Instanzen sind trotzdem miteinander vernetzt. Ich habe mich zum Beispiel bei „nrw.social“ angemeldet. Eine Mastodon-Gemeinde aus NRW.

Trotzdem können alle Nutzer ungehindert und frei untereinander kommunizieren. Es ist nur so, dass in jedem Teilnetzwerk eigene Regeln gelten können. Es gibt Moderatoren, die sich darum kümmern, dass alles mit rechten Dingen zugeht und die Regeln eingehalten werden. Nicht eine zentrale Verwaltung also, sondern sehr viele – die aber trotzdem alle miteinander verbunden sind.

Keine Werbung, keine ausgespähten Daten

Das vielleicht Angenehmste: Keine Werbung. Entsprechend werden auch keine Nutzerdaten und Nutzungsgewohnheiten ausgespäht, gespeichert oder ausgewertet. Mastodon und die vielen Instanzen leben in der Regel von Spenden.

Die Software ist quelloffen (OpenSource). Es kann nicht nur prinzipiell jeder hineinschauen, was die Vertrauenswürdigkeit erhöht, sondern auch mitentwickeln.

Mastodon hat zwar aktuell weltweit einigen Zulauf – ist aber bei nüchterner Betrachtung immer noch ein kleines Licht. Einen vorhandenen Standard wie den von Twitter aufzubrechen ist sehr schwierig – aber es ist nicht unmöglich.

Über den Autor

Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.

Jörg Schieb, Jahrgang 1964, ist WDR-Digitalexperte und Autor von 130 Fachbüchern und Ratgebern. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf unseren Alltag.

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