Zu wenige wirksame Masernimpfungen in NRW

Zu wenige wirksame Masernimpfungen in NRW

Von Nina Magoley und Christian Wolf

  • Sieben Prozent der Schulanfänger in Deutschland ohne ausreichenden Masernschutz
  • Auch in NRW hat Impfbereitschaft nachgelassen
  • Ministerium will Impfpflicht für alle

Die Bereitschaft der Menschen zu einer wirksamen Impfung gegen Masern lässt nach. Das zeigt eine neue Statistik, die das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag (02.05.2019) vorgestellt hat.

Demnach hatten im Jahr 2017 zwar insgesamt 97,1 Prozent der Schulanfänger in Deutschland die erste Impfung als Baby bekommen. Bei der entscheidenden zweiten Masernimpfung dagegen haperte es in den meisten Bundesländern deutlich.

Am schlechtesten war die Quote (89,1 Prozent) in Baden-Württemberg. Nur in zwei Bundesländern liegt sie über 95 Prozent.

Die Impfmüdigkeit in NRW wächst

In NRW erhielten immerhin 93,9 Prozent der Kinder die zweite Impfung. Das ist allerdings weniger als 2016 (94,1 Prozent) und schlechter als in in den Jahren davor.

Keine harmlose Kinderkrankheit

Masern gelten nach Angaben des RKI deswegen als gefährlich, weil der hochansteckende Virus zu einer Vielzahl von gefährlichen Komplikationen – darunter auch Hirnhautentzündung – vor allem mit Auswirkung auf das Immunsystem führen kann.

Zahl der Erkrankungen schwankt stark

Allein in den ersten Monaten des Jahres wurden in NRW rund 100 Masern-Erkrankungen bekannt - im gleichen Zeitraum 2018 waren es nur 51. Insgesamt zählte das RKI für 2018 genau 211 Masern-Fälle in NRW – fast die Hälfte der 543 Masernfälle bundesweit.

Die Zahl schwankt aber von Jahr zu Jahr. 2017 gab es 520 Fälle in NRW, in 2016 dagegen nur 28.

NRW-Minister wollen Impfpflicht

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) hatte schon Mitte April erklärt, er sei "für eine generelle Impfpflicht", auch in Kindergärten. Man wolle nun prüfen, wie das umzusetzen sei.

Unterstützung kommt von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. "Wir brauchen eine Masern-Impfpflicht", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag dem WDR. Um die Infektionskrankheit in den Griff zu bekommen, müssten 95 Prozent der Bevölkerung gegen das Virus immun sein.

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), 05.06.2018

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Die beiden vertreten damit auch die Meinung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er will in Kürze einen Gesetzentwurf zu einer staatlichen Impfpflicht vorlegen. Das Land könnte zwar selbstständig agieren, hieß es aus dem NRW-Ministerium dazu, aber: "Krankheiten machen nicht vor Ländergrenzen halt." Deswegen sei Minister Karl-Josef Laumann für eine bundesweite Regelung.

NRW arbeitet an einem Aktionsplan

Bis dahin setzt NRW auf Aufklärung und Überzeugung. Laumanns Ministerium arbeitet derzeit an einem Aktionsplan "Impfschutz NRW". "Die einzelnen Bestandteile des Aktionsplans werden gerade mit Unterstützung des Landeszentrums Gesundheit erarbeitet und nacheinander gestartet", heißt es.

Impfen - Privatsache?

WDR 5 Tagesgespräch 24.04.2019 45:17 Min. Verfügbar bis 23.04.2020 WDR 5

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Stand: 02.05.2019, 14:47

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