Martinszüge diesmal erlaubt - trotzdem viele Absagen

Martinszüge diesmal erlaubt - trotzdem viele Absagen

Laternen-Umzüge an Sankt Martin sind für viele ein Lichtblick im dunklen Herbst. Aber auch diesmal wird es vielerorts keine großen Martinszüge geben. Streit darüber gibt es in Bonn.

Ein Reiter auf einem echten Pferd, selbst gebastelte bunte Laternen, hunderte Kinder, die gemeinsam Singen und am Ende ein süßes Brötchen für alle. Viele Kinder und Eltern haben sich schon gefreut, dass das dieses Jahr an Sankt Martin grundsätzlich wieder möglich ist. Nun aber kommt es vielerorts in NRW anders. Zahlreiche Martinszüge wurden schon abgesagt oder gar nicht erst angemeldet.

Zahlreiche Martinszüge in NRW abgesagt

Betroffen sind zum Beispiel zahlreiche Martinszüge in Bonn, Duisburg, Krefeld und Dortmund sowie in den Kreisen Kleve und Wesel. Der Grund: Die Veranstalter sind wegen der Corona-Regeln verunsichert.

"Veranstaltungen zum Martinsfest können nach aktuellem Stand in Nordrhein-Westfalen stattfinden und unterliegen, sofern nicht mehr als 2.500 Personen teilnehmen, keinerlei Beschränkungen", teilte das NRW-Gesundheitsministerium auf der Grundlage der aktuellen Corona-Schutzverordnung mit. Allerdings gilt die Verordnung nur bis 29. Oktober - Sankt Martin ist am 11. November. Dann könnten theoretisch schon wieder andere Regeln gelten. Außerdem können die Kommunen strengere Regeln als die landesweiten erlassen.

Streit um Absage des großen Bonner Martinszugs

Wolfgang Picken ist Stadtdechant im Bonner Münster.

Wolfgang Picken, Bonner Stadtdechant

Genau darüber ist in Bonn ein Streit um die Absage des großen Bonner Martinszugs mit mehr als 2.500 Teilnehmern entbrannt. "Der große Martinszug wird also ausfallen und die Stadtverwaltung trägt dafür die alleinige Verantwortung. Das ist - um es gelinde zu sagen - ein echtes Trauerspiel", sagte Stadtdechant Wolfgang Picken.

Stadt Bonn: Lediglich die Landesverordnungen umgesetzt

Die Stadt Bonn widerspricht der Darstellung durch Auflagen die Organisation von Martinszügen mit dieser Teilnehmerzahl erschwert zu haben. "Zu keinem Zeitpunkt hat die Stadt Bonn für Martinszüge mit über 2.500 Teilnehmenden Regelungen über die Vorgaben der Coronaschutzverordnung des Landes hinaus getroffen", teilte die Stadt am Montag mit. Der städtische Krisenstab habe im Falle der großen Martinsumzüge mit seiner Entscheidung vom 22.September lediglich die Verordnungen des Landes umgesetzt.

Kritik hatte sich auch daran entzündet, dass Oberbürgermeisterin Katja Dörner erst am Freitag vor den Herbstferien mitgeteilt hat, dass für kleinere Martinszüge doch keine verschärften Corona-Regeln gelten. Da sei es schon zu spät gewesen, so die Katholische Kirche. "Man hat die Martinszüge vor die Wand fahren lassen", hieß es weiter. Viele Schulen und Kitas hätten sich nicht in der Lage gesehen, die städtischen Auflagen umzusetzen und ihre Umzüge daher abgesagt oder gar nicht erst angemeldet.

Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung einheitliche Regelungen für alle Martinszüge vorgesehen, insbesondere wegen der besseren Planungssicherheit. Für kleinere Martinszüge mit weniger als 2.500 Teilnehmenden hätte das aber strengere Auflagen bedeutet. Oberbürgermeisterin Dörner teilte mit: "Die nun derzeit geltenden gelockerten neuen Auflagen gehen wir voll mit." Deshalb habe man "für kleinere Züge am vergangenen Freitag entschieden, alle Auflagen fallen zu lassen".

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Zahlreiche Martinszug-Absagen auch in Krefeld

"Das Risiko ist zu groß", begründete der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine, Manfred Grünwald, die Absage vieler Veranstalter in der Stadt. Die Vorbereitung der Züge mit Pferd, Musik, Feuer, Ordnern und Schulen sei für Ehrenamtler eine große Anstrengung. Wenn dann Absagen wegen gestiegener Inzidenzwerte drohten, verzichte man lieber von vornherein.

Bei den Krefelder Bürgervereinen gebe es nur eine einzige Anmeldung - und eine gut zweistellige Zahl von Absagen, so Grünwald - oder Vereine hätten erst gar keine Züge vorbereitet.

Verunsicherung ebenso in Duisburg, Krefeld und Kleve

Auch in Dortmund, Duisburg und in den Kreisen Kleve und Wesel ist die Unsicherheit bei den Veranstaltern von Martinsumzügen groß. Auch dort gab es Absagen oder erst gar keine Anmeldungen. Aus manchen Grundschulen heißt es, der Organisationsaufwand sei so kurzfristig zu hoch, kleine schulinterne Feiern könnten aber stattfinden - dann allerdings ohne Pferd und oft auch ohne Eltern.

Größter Martinszug in Kempen soll stattfinden

Traditionell findet in Kempen einer der größten Martinszüge in NRW statt. Nachdem er im vergangenen Jahr ausfallen musste, planen die Organisatoren für den 10.11. aber einen "weitgehend normalen" Umzug. "Denn die Kempener hängen an diesem Fest", erklärt Rainer Hamm vom dortigen St. Martin-Verein: "Wir sagen hier manchmal, das ist wichtiger als Weihnachten."

In diesem Jahr rechnen sie dort mit rund 20.000 Menschen beim Martinszug, davon allein 2.500 Kinder mit Laternen. Dabei gelten die 3G-Regeln. Die Besucher sollen mit Stichproben geprüft werden.

Stand: 11.10.2021, 18:23

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