Schulen in NRW – marode und kaputt

Das Bild zeigt eine kaputte Wand und ein brüchiges Rohr in einer Turnhalle.

Schulen in NRW – marode und kaputt

Von Fritz Sprengart

  • Schüler müssen mit defekten Fenstern leben
  • Verschuldete Städte finden kaum Firmen für Reparaturen
  • Neue Schulstandorte schwer zu finden

"Wenn man hier so sitzt, dann zieht es schon ordentlich", sagt Kaan Hira. Der Abiturient sitzt im dritten Stock des Dreikönigsgymnasiums in Köln-Bilderstöckchen. Ein völlig maroder Schulbau aus den 70er Jahren. Das Fenster direkt neben ihm schließt nicht mehr richtig. Ein Spalt von etwa einem Zentimeter bleibt offen. Rund um die Uhr, auch im Winter. "Sich so zu konzentrieren, fällt schwer", sagt Kaan Hira.

Das Dreikönigsgymnasium in Köln ist ein Extremfall: Seit Jahren ist es umzäunt, weil ganze Steine aus der Fassade fallen. Schon 2015 hat die Stadt Köln festgestellt, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohnt. Das Gebäude ist so kaputt, dass es komplett entkernt werden muss. Die Beton-Pfeiler und die Decken bleiben stehen. Ansonsten muss alles raus.

Die Suche nach einem Übergangsstandort hat ganze fünf Jahre gedauert; fast eine ganze Schülergeneration. Denn gerade in Großstädten fehlt Platz. Freie Flächen sind rar.

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Stark verschuldete Städte "am Rande der Überforderung"

Köln hat im vergangenen Jahr 281 Millionen Euro in Schulen investiert. Dennoch geht es mit der Schulsanierung nicht so schnell wie gewünscht. Es scheitert unter anderem an komplizierten Ausschreibungen und Handwerker, die nicht mehr für die Stadt arbeiten wollen.

Mülheim an der Ruhr hat ganz andere Probleme. "Wir sind eine Kommune im Stärkungspakt und müssen sehr aufs Geld achten", erläutert Julia Bodenstein vom Gebäudemanagement der Stadt. Das macht ihren Job zur enormen Herausforderung. Denn Julia Bodenstein organisiert die Renovierung der maroden Schulen.

Wir treffen sie am Gymnasium Broich. Auch diese Schule muss komplett ausziehen, damit die Fassade renoviert werden kann. Ein Übergangsstandort ist gefunden, gleich neben der Schule. Und eigentlich sollten hier schon Unterrichtscontainer stehen. Doch die Stadt konnte die Preise der Containerfirmen nicht bezahlen.

Marode Schulen Westpol 08.03.2020 UT DGS Verfügbar bis 08.03.2021 WDR

"Zwei Mal wurde das ausgeschrieben. Aber die Angebote waren deutlich über unserem Budget", erklärt Bodenstein. "Wir haben dann mit einer Firma nachverhandelt. Damit die noch mal mit dem Preis runter gehen." Die Nachverhandlungen waren erfolgreich - aber die Container werden wegen der klammen Haushaltskasse nur in der Basisausstattung geliefert.

Lückenhafte Ausstattung

Das hat Folgen für den Schulunterricht: Eine Gasleitung für den Bunsenbrenner im Chemie-Container fehlt zum Beispiel. Das heißt: keine Experimente. "Die Lösung ist nicht ideal. Das wissen wir alle, aber wir müssen mit den Geldern hier sehr vorsichtig umgehen", sagt Bodenstein. Neue Schulden sind für Mülheim tabu.

Ist der Sanierungsstau, der für ganz NRW auf 10 Milliarden Euro geschätzt wird, so überhaupt zu bewältigen? "Wir sind am Rande der Überforderung", meint Julia Bodenstein.

Stand: 11.03.2020, 06:00

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