Marode Brücken in ganz NRW

Autobahnbaustelle Leverkusener Brücke, A 1

Marode Brücken in ganz NRW

Von Nina Magoley

  • Zwei Drittel aller NRW-Brücken marode oder erneuerungsbedürftig
  • Last des Verkehrs hat stark zugenommen
  • Überblick über die wichtigsten Brückenbaustellen

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Mehr Autos, mehr und schwerere Lkw – der stetig zunehmende Verkehr bringt besonders die älteren Brücken aus den 1960er und 70er Jahren an ihre Grenzen. Sie wurden einmal für deutlich geringere Verkehrsbelastungen geplant und gebaut.

Bis zum Jahr 2050 rechnet der Bund mit einer weiteren Steigerung des Güterverkehrs um 80 Prozent. Nach Berechnungen des Landesbetriebs Straßen.NRW sind knapp zwei Drittel der fast 6.500 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen erneuerungsbedürftig.

Wichtige Brücken in NRW

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Diese Karte informiert über die wichtigsten Brücken in NRW und ihren Zustand.

Pendler leiden unter Staus

An vielen Brücken sind die Schäden so massiv, dass sie bis zu ihrem Neubau nur noch eingeschränkt befahren werden dürfen: Mit Tempolimit, eingeschränkten Fahrspuren und oft für Lkw ganz gesperrt. Die Folge: Täglich staut sich der Verkehr über viele Kilometer vor den engen Brückenbaustellen - wie vor der Leverkusener A1-Brücke oder der Duisburger A40-Brücke Neuenkamp. Besonders zum Leid vieler Pendler.

Dabei kommt der Sanierungsstau nicht überraschend. Dass der Verkehr zunehmen würde, sei Fachleuten bei Straßen.NRW schon lange bewusst gewesen, räumt Geschäftsführerin Elfriede Sauerwein-Braksiek ein.

Jahrelang fehlte Personal

Warum ließ sich das jetzige Chaos dann nicht vermeiden? Zum einen habe die Straßenverwaltung lange Zeit Personal abgebaut: Von 2006 an wurden bis 2014 fast 1.300 Stellen in den Planungsabteilungen gestrichen – ein Zeitraum, in dem sowohl CDU und FDP als auch SPD und Grüne das Land regierten.

Reparaturarbeiten an Fleher Brücke

Reparaturarbeiten an Fleher Brücke in Düsseldorf

Die Folge: Das Geld, das der Bund zur Straßen- und Brückensanierung für NRW bereitgestellt hatte, konnte nicht abgerufen werden, da es keine fertigen Pläne gab.

Seit 2014 wurden wieder Mitarbeiter eingestellt, in diesem Jahr gab es 50 neue Planerstellen.

Plan für schnellere Baustellen

Ein "Infrastrukturpaket", das Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) kürzlich vorstellte, soll nun helfen, dass Autobahn- und Brückenbaustellen durch engere Planung und Kontrollen schneller fertig werden.

Bauaufgaben sollen nun mit straffem Terminplan ausgeschrieben werden: Arbeitszeiten rund um die Uhr und an sieben Tage pro Woche. Firmen, die schneller fertig werden, bekommen mehr Geld, verzögert sich die Fertigstellung, drohen Bußgelder.

Bei acht Autobahnbaustellen, darunter vier Brückenprojekte, soll außerdem nachträglich geprüft werden, ob die Bauarbeiten beschleunigt werden müssen.

Rund 150 neue Brückenbaustellen

Und es geht noch weiter: Allein in diesem Jahr beginnen in NRW rund 150 neue Brückenbaustellen.

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Stand: 17.05.2018, 18:30

Kommentare zum Thema

12 Kommentare

Neuester Kommentar von "Ulf ", 17.05.2018, 17:05 Uhr:

Leute, was jammert ihr so, dass die Baustellen so lange gehen? Ist doch klar, warum. Stellt ne Baufirma die Rechnung, müssen erst unzählige staatliche Sesselpupser die prüfen bevor bezahlt wird. Das kann dauern. Und so lange keine Kohle kommt, arbeitet man eben im Schneckentempo. Die lösung: Eine prüft und gibt das Geld frei, die anderen bekommen statt nen Kuli ne Schippe in die Hand.Dann geht's schneller

Kommentar von "rekord71" , 17.05.2018, 14:53 Uhr:

Das Problem ist ja nicht einfach auf die LKW abzuschieben.Würden die grösseren Firmen Lagerkapazitäten haben,vieles über die Bahn laufen lassen,wären viele LKW fahrten plötzlich weg.Aber es ist einfacher,alles auf Lkw zu verladen und dann bei bedarf abzurufen(Just in Time)Allerdings weiss jeder was in dem Tanklaster drin ist,der bei sich um die ecke übers WE geparkt wurde?

Kommentar von "Anonym" , 17.05.2018, 14:32 Uhr:

Der sechsspurige Ausbau der A1 zwischen dem AK W- Nord und dem AK LEV dauert nun 30 (!) Jahre. Das letzte Baulos ist die Höllenbachtalbrücke bei Wermelskirchen. Wer glaubt da an eine Fertigstellung der Leverkuser Rheinbrücke im Jahr 2020 ? Jahrelanges Geldversenken im Osten hat seinen Preis. Der Autofahrer zahlt doppelt. Als Steuerzahler und nun als Verkehrsteilnehmer.

Kommentar von "nrw-bürger" , 17.05.2018, 14:10 Uhr:

Weniger Verkehr? Rauf mit der LKW-Maut - auch für Transporter - und in vielen Betrieben und Schulen würde auch 4mal fahren reichen - home office day oder 4mal 10 Stunden arbeiten proWoche. Jedes Auto weniger ist ein Gewinn. Und natürlich den RRX Köln-Dortmund so schnell wie möglich bauen. Der hilft auch.

Kommentar von "Ibrahim" , 17.05.2018, 14:03 Uhr:

Seit Jahren sind die sogenannten maroden Brücken bekannt, kaum stehen die Rekordeinnahmen der Steuergelder zur Debatte, so müssen plötzlich ALLE Brücken saniert werden, statt die suksessiv aufzubauen und zu sanieren und auf andere bedürftige Bereiche wie Bildung und Pflege auch fair aufzuteilen. Warum kann man 2007/2008 lediglich für eine Brückensanierung 12 Millionen investieren und beschließen, dass sie 2018 doch abgerissen werden soll. Rekordsteuereinnahmen sollten wir Bürger auch von profitieren.

Kommentar von "Christopher Kirschberg" , 17.05.2018, 13:51 Uhr:

...wie konnte man früher eigentlich lange Autobahnstrecken in wenigen Jahren bauen (A43, A45)? Antworten: weniger Vorschriften, weniger Bürokratie, weniger Gerichtsverfahren, adäquate finanzielle Ausstattung.

Kommentar von "Julia" , 17.05.2018, 12:53 Uhr:

Die Vorgaben für Ausschreibungen öffentlicher Stellen müssen angepasst werden, damit kurze Bezugswege stärker gewichtet werden. So könnte der Stahl für die Leverkusener Brücke statt aus China, aus dem Ruhrgebiet geliefert werden. Auch ist zu bedenken, dass die Qualtitätsversprechen asiatischer Waren oftmals nicht der Realität entsprechen. Das stellt sich dann oft erst später heraus. Bei Brückenbestandteilen ist das fatal!!

Kommentar von "Julia" , 17.05.2018, 12:44 Uhr:

Es ist nicht vernünftig und wahrscheinlich in Hinblick auf die Qualität auch riskant, den Stahl für die neue Brücke aus China zu beziehen. Es zeigt sich allzu oft, dass die Qualitätsversprechen solcher "Billigwaren" - nennen wir es mal freundlich - zu optimistisch formuliert werden. Das erkennt man oft aber erst Jahre später; bei einer Brücke.... Fatal. Natürlich sind öffentliche Stellen an gewisse Vorgaben für die Ausschreibung gebunden. Diese sollten angepasst werden, damit kurze Bezugswege stärker gewichtet werden. Schließlich hat sich unsere Regierung auch dem Umweltschutz verpflichtet.

Kommentar von "Michael" , 17.05.2018, 12:33 Uhr:

Leverkusen, wer glaubt eigentlich noch das die erste Brücke 2020 fertig ist? Das wäre in zwei Jahren, bis heute sehe ich von der eigentlichen Brücke noch nichts. Wenn da auch das Tempo wie an der Höllentalbrücke vorgelegt wird dann kann es noch Jahrzehnte dauern.

Kommentar von "Poff" , 17.05.2018, 12:31 Uhr:

Ich habe es in Russland erlebt, daß dutzende Kilometer Fernstraße, einschließlich Brücken, in wenigen Monaten grundsaniert wurden, einschließlich des kompletten Unterbaus. Und das ohne Komplettsperrung, nur halbseitig. Hier wird für eine Notabstützung(!) einer Brücke ein Zeitraum von 1.5-2 Jahren angesetzt, für einen neuen Belag, ohne Unterbau, von einigen Kilometern werden Monate gebraucht, und immer muß gleich komplett gesperrt werden. Die Renovierung der A45 wird vermutlich länger dauern als ihr Neubau! Wie kommt es, daß in Deutschland stets so langsam gearbeitet wird, daß meistens die Zeitfenster überzogen werden, und daß so oft gleich die ganze Straße für die gesamte Bauzeit gesperrt werden muß?

Kommentar von "Christopher Kirschberg" , 17.05.2018, 12:28 Uhr:

Trotzdem gilt, was für Vieles in Deutschland gilt: zu spät, zu wenig, zu langsam. Deutschlands Infrastruktur wurde im Wortsinn kaputtgespart, und auch jetzt werden im Bundeshaushalt deutlich höhere Ausgabensteigerungen in den Sozialbereich, als in die Bereiche Infrastruktur und Bildung/Forschung gesteckt - Geld ist in Deutschland vorhanden, es wird nur an den falschen Stellen ausgegeben. Es wurde so lange nichts gemacht, bis fast alles kaputt ist - und jetzt muss halt alles auf einmal saniert bzw. neu gebaut werden. Die Alliierten wären ´45 gar nicht über den Rhein gekommen, die Brücken hätten hohe Gewichte gar nicht mehr ausgehalten... ;-)