Marschieren gegen "alternative Fakten"

March for Science: Demonstranten mit einem Plakat in Köln (in der Mitte Ranga Yogeshwar, links neben ihm Astronaut Reinhold Ewald)

Marschieren gegen "alternative Fakten"

Von Nina Magoley

  • "March for Science" 2018 von besonderer Bedeutung
  • In Köln und Münster insgesamt mehr als 1.000 Demonstranten
  • Deutscher Astronaut erklärt, warum er mitmarschiert

1997 sah Reinhold Ewald die Erde das erste Mal aus dem All. Jahrelang erforschte der Physiker als deutscher Astronaut den Weltraum. Seit 2015 ist er Professor für Astronautik an der Universität Stuttgart. Als am Samstag (14.04.2018) weltweit Wissenschaftler beim "March for Science" zusammen kommen, um für Wahrheit in der Wissenschaft zu demonstrieren, war Ewald in Köln mit dabei (auf dem Bild neben WDR-Moderator Ranga Yogeshwar).

"Wir können nicht über alternative Fakten reden"

WDR 5 Morgenecho - Interview | 14.04.2018 | 08:33 Min.

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"Das ist die angemessene Reaktion auf aktuelle Tendenzen", sagt er. Welche? "Gut begründete Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung werden mitunter einfach nicht mehr zur Kenntis genommen." Statt dessen gelte das Wort selbsternannter Autoritäten.

Gefährliche Tendenzen

Astronaut Reinhold Ewald

Reinhold Ewald - Nr. 9

Ewald spricht von den USA, dem Thema Klimawandel und wie der amerikanische Präsident damit umgeht. Trump behauptet, es gebe den Klimawandel nicht, entgegen zahlreicher wissenschaftlicher Beweise. Er weise Wissenschaftler an, diese Theorie "in Papier zu gießen", sagt Ewald, um auf solcher Grundlage politische Entscheidungen zu treffen. "Das ist sehr gefährlich."

US-Regierung verbietet Begriffe

Seit vergangenem Jahr dürfen einige wissenschaftliche Behörden in den USA bestimmte Begriffe in offiziellen Papieren nicht mehr verwenden, darunter "Transgender", "Fötus", "Diversität", "auf wissenschaftlicher Grundlage" und auch das Wort Klimawandel.

Wissenschaftler demonstrieren in Boston gegen die Trump-Regierung und für die Anerkennung der Bedeutung der Wissenschaft (Archivbild)

"Rechtzeitig bemerkbar machen"

"Das ist das Ende wissenschaftlicher Arbeit", sagt Ewald - für ihn ein echtes Alarmzeichen. In Deutschland, das räumt er zur Beruhigung ein, sei die Freiheit von Lehre und Forschung nach wie vor sehr groß. Dennoch sei es notwendig, sich "rechtzeitig bemerkbar zu machen".

Demokratiefeindliche Kräfte auch in Deutschland

Weltweit und auch in 15 deutschen Städten treffen sich am Samstag Wissenschaftler zum March for Science, um für die Freiheit der Wissenschaft zu demonstrieren. Auch in Deutschland, so die Veranstalter, versuchten "demokratiefeindliche Kräfte, solide Erkenntnisse zu diskreditieren, indem sie bloße Meinungen als gleichwertig darstellen".

1.000 Teilnehmer in NRW

Demonstranten in der Fußgängerzone

Protestzug durch die Kölner Innenstadt

In Köln wurde am Samstag auf der Domplatte, in Münster vor dem Schloss demonstriert. Insgesamt kamen in den beiden NRW-Städten mehr als 1.000 Menschen. Bei einer anschließenden Kundgebung sprachen in Köln Prominente wie Reinhold Ewald, die NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) oder der Kriminologe Mark Benecke. Auch der Science-Slammer und Autor Reinhard Remfort war dabei. Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar rief den Demonstranten in Köln zu: "Bekämpft die Angst mit den Fakten."

Im vergangenen Jahr hatten nach Angaben der Veranstalter weltweit über 1,3 Millionen Menschen am March for Science teilgenommen - in Deutschland mehr als 37.000.

Stand: 14.04.2018, 19:10