Durchbruch bei Malaria-Impfung: Warum es länger dauerte als bei Corona

Ein Mädchen wird im Südsudan wegen Malaria behandelt

Durchbruch bei Malaria-Impfung: Warum es länger dauerte als bei Corona

Die WHO feiert den weltweit ersten Malaria-Impfstoff als historisch. Die Entwicklung des Vakzins hat Jahrzehnte gedauert, bei Corona reichten dagegen Monate. Warum?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einem Meilenstein im Kampf gegen die Malaria-Erkrankung, die vor mehr als 300 Jahren das erste Mal beschrieben wurde. Jedes Jahr sterben 400.000 Menschen nach einer Infektion, zwei Drittel davon sind Kinder unter fünf Jahren. Die meisten Todesfälle gibt es in Afrika.

Den weltweit ersten Malaria-Impfstoff "Mosquirix" empfiehlt die WHO nun zur Zulassung. Er war schon 1987 vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline entwickelt worden; die Stiftung von Bill und Melinda Gates war an der Finanzierung beteiligt.

Sehr lange Entwicklungszeit im Vergleich mit Corona-Impfstoff

Bei "Mosquirix" vergingen 34 Jahre bis zur Zulassung. Beim Corona-Impfstoff "Comirnaty" von Biontech/Pfizer war es noch nicht mal ein Jahr. Dieser Unterschied hat auch medizinische Ursachen.

Malaria wird durch Plasmodium-Parasiten ausgelöst. Das sind Einzeller, die durch infizierte Mücken auf Menschen übertragen werden. Im Gegensatz zu Viren wie etwa Corona besitzen die Malaria-Erreger eine höhere Komplexität. Die Errreger könnten sich gut anpassen und hätten nicht den einen "Andockpunkt" wie Viren, sagte Julia Polke von der WDR-Wissensredaktion. Daher hätte die Entwicklung und Erprobung des Impfstoffes vergleichsweise lange gedauert.

Bereits 2015 hatte die europäische Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für die Zulassung von "Mosquirix" gegeben. Doch die Wirksamkeit des Mittels sei lange Zeit nicht so hoch wie erwünscht gewesen, so Polke. Auch hätte es verschiedene Signale für Nebenwirkungen gegeben, die man erst noch hätte erforschen müssen.

Zwei Drittel der Malaria-Toten sind Kinder unter fünf Jahren

Ursprünglich hatte man sich eine Wirksamkeit des Vakzins von 75 Prozent erhofft. Doch angesichts der extrem hohen Last, die die durch Parasiten hervorgerufene Infektionskrankheit in Afrika verursacht, zeigen sich Forscher überzeugt, dass das Vakzin auch bei einer Wirksamkeit von 30 bis 40 Prozent einen großen Unterschied machen könne.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte sich euphorisch. Nach einem Treffen, bei dem zwei WHO-Expertengremien die Zulassung des Vakzins empfahlen, sprach er von einem "historischen Moment". Die WHO schätzt, dass durch das Vakzin mehrere 10.000 Kinder im Jahr vor dem Tod nach einer Malaria-Infektion bewahrt werden können.

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Malaria-Studie mit 800.000 Kindern

Die WHO-Entscheidung fußt vor allem auf Resultaten einer laufenden Studie in Ghana, Kenia und Malawi mit mehr als 800.000 Kindern, die das Vakzin seit 2019 erhalten haben. Das Präparat gilt zwar nun als erster Malaria-Impfstoff mit einer Zulassung, hat aber auch seine Schwächen wie die vergleichsweise geringe Wirksamkeit. Außerdem erfordert die Impfung bis zu vier Dosen, und ihr Schutz lässt nach mehreren Monaten nach.

Stand: 07.10.2021, 16:53

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 Nachdenklich 07.10.2021, 16:54 Uhr

    . . . und anschließend sterben die Kinder Hungers, also: Cui bono?

  • 6 Tobyvac 07.10.2021, 16:52 Uhr

    Mir will scheinen... Da sich in der 3. Welt endlich herumgesprochen hat dass DDT Malaria in den Griff kriegt und zb. Indien das in seiner Not selber herstellt Geht der Trend für diese Krankheit nun nach unten. Und wie immer wird im fallenden Trend dann eine Impfung ausgerollt um hinterher zu behaupten ' Die hats gebracht'.

  • 5 Ich würde spenden, um... 07.10.2021, 16:27 Uhr

    das Vakzin den armen Ländern mit zur Verfügung stellen zu können.

  • 4 Detlef 07.10.2021, 16:06 Uhr

    Eine sehr gute Nachricht!

  • 3 EmmaAnna 07.10.2021, 15:50 Uhr

    Ob die späte "Entdeckung" bzw. Zulassung des Wirkstoffs auch daran liegt, dass die hauptsächlichen Nutznießer:innen Afrikaner:innen sein werden? Will sagen: Wenn die nördliche und westliche weiße Welt in Gefahr ist, geht es eben alles etwas schneller. Ich habe Kinder in Afrika an Malaria sterben gesehen (sie wurden der Mutter tot auf den Rücken gebunden, damit sie sie Zuhause beerdigt), und mich hat damals schon die Reaktion der weißen Delegationen geschockt: "Die (Mütter der toten Kinder) nehmen ja den Tod doch leichter und natürlicher als wir. Aber sie haben ja Zuhause auch noch jede Menge anderer Kinder." Was ist das anderes als Rassismus???

    Antworten (1)
    • Annalena 07.10.2021, 17:58 Uhr

      > "Was ist das anderes als Rassismus???" 1. Satzzeichen sind keine Rudeltiere. 2. Das ist respektlos, gedankenlos, dumm, peinlich, abfällig. Mir fallen viele treffende Worte ein. Aber mit "Rassismus" hat das ungefähr so viel zu tun wie der Antisemitismus, der Gil Ofarim entgegenschlug und von den Dummen dieser Welt auch als "Rassismus" bezeichnet wird.

  • 2 Axel 07.10.2021, 14:24 Uhr

    Das sind gute Nachrichten. Das freut mich sehr!

  • 1 Michael 07.10.2021, 13:45 Uhr

    Traurig dass es für die ärmeren auf der Welt nicht schneller und erfolgreicher geht. Aber besser so als gar nix.

    Antworten (1)
    • Susanne 07.10.2021, 16:29 Uhr

      Dass es so lange gedauert hat und die Wirksamkeit im Vergleich zu den COVID-19-Vakzinen relativ gering ist, liegt auch am Krankheitserreger. Der Erreger der Malaria ist ein Einzeller, der eine ganz andere, vielfältigere und variablere "Oberfläche" hat. Der Übertragungsweg über die Mücke ist ja auch ein ganz anderer, zudem hat sich der Parasit mit der Mücke und dem Menschen entsprechend weiterentwickelt und angepasst. Klar ist das wirtschaftliche Interesse schon geringer als bei anderen Erkrankungen, aber Malaria und COVID ist wie Äpfel und Elefanten zu vergleichen. Einzeller und Viren....

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