Nach Madeira: Wie Unglücksopfer identifiziert werden

Der Unfall-Bus in Madeira.

Nach Madeira: Wie Unglücksopfer identifiziert werden

Von Claudia Wiggenbröker

  • Kommission des BKA für Identifizierung zuständig
  • Einsatz bei Katastrophen im In- und Ausland
  • Ermittler sammeln und gleichen Informationen ab

Soviel steht fest: 29 Menschen sind in der vergangenen Woche bei einem Busunglück auf Madeira ums Leben gekommen, viele Opfer stammen aus NRW. Doch bis Angehörige bei einem solchen Unglück wissen, ob ein geliebter Mensch unter den Opfern ist, kann es Tage oder sogar Wochen dauern: Denn die Identifikation der Opfer braucht Zeit.

Befunde vor Ort

Um die Identifikation kümmert sich das Bundeskriminalamt. Sie hat eine sogenannte Identifizierungskommission aufgestellt, die bei großen Katastrophen zum Einsatz kommt. Das bedeutet in diesem Fall, dass entweder viele Deutsche im Ausland betroffen oder viele Menschen in Deutschland verunglückt sind.

Rund 120 BKA-Mitglieder arbeiten nach BKA-Angaben auf freiwilliger Basis bei der Kommission mit. Zusätzlich können Experten wie Gerichtsmediziner zu den Einsätzen hinzugezogen werden.

Vor Ort werden laut BKA "alle Befunde erhoben, die zu einer Identifizierung beitragen können". Dazu gehören beispielsweise

  • Fingerabdrücke
  • Handflächenabdrücke
  • DNA
  • Zahnstatus

Abgleich der Spuren

Im Anschluss werden von der Polizei Spuren der vermissten Person an deren Wohnort gesichert. Dazu müssen die Beamten nicht nur Zutritt zum Wohnort bekommen – es kann auch passieren, dass sie persönliche Gegenstände des Vermissten mitnehmen. Eine Situation, die für Angehörige sehr belastend sein könne, räumt das BKA ein.

Der Vorgang sei aber nötig, um die Informationen vom Unglücks- mit denen vom Wohnort zu vergleichen: Stimmt die gefundene DNA beispielsweise mit der auf der Zahnbürste des Vermissten überein? Auch medizinische Informationen von heimischen Ärzten werden mit den Befunden abgeglichen. Nur durch dieses Verfahren könne eine Person zweifelsfrei identifiziert werden.

Visuelle Identifizierung teilweise nicht möglich

Mithilfe von Fotos oder Zeugenaussagen ist noch lange nicht sicher, ob es sich tatsächlich um den gesuchten Angehörigen handelt, so das BKA. "Durch die Folgen einer Katastrophe können die Toten so stark verändert sein, dass eine visuelle Identifizierung nicht mehr möglich ist", heißt es in einer Mitteilung.

Dennoch bittet die Identifizierungskommission Angehörige auch um Fotos. Sie erfragt zusätzlich mit einem Fragebogen weitere Merkmale – beispielsweise Tätowierungen oder auffällige Schmuckstücke.

Wie lange der Prozess der Identifizierung dauert, ist meist von der Anzahl der Opfer und von der Art des Unglücks abhängig – in der Regel nimmt er laut BKA aber "einige Tage bis Wochen" in Anspruch.

Madeira: Die Verletzten kehren heim Aktuelle Stunde 20.04.2019 02:14 Min. UT Verfügbar bis 20.04.2020 WDR Von Carolyn Wißing

Stand: 22.04.2019, 12:00

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