Afghanistan-Luftbrücke der Bundeswehr könnte am Wochenende enden

Afghanistan-Luftbrücke der Bundeswehr könnte am Wochenende enden

Mit den Evakuierungsflügen der Bundeswehr aus Kabul könnte es schon am Wochenende vorbei sein. Wie viele Menschen bis dahin noch ausgeflogen werden können, ist unklar.

Noch starten täglich mehrere Flüge der Bundeswehr von Kabul aus, um Deutsche sowie gefährdete Ortskräfte außer Landes zu bringen. Doch das Zeitfenster für diese Evakuierungen scheint sich zu schließen. Schon am Freitag oder Samstag könnte die Rettungsaktion enden. So erklärten es übereinstimmend Bundeswehr und Auswärtiges Amt in der usbekischen Hauptstadt Taschkent dem WDR.

Nach Informationen der ARD könnten die Evakuierungsflüge auf der Strecke Taschkent-Kabul-Taschkent sogar möglicherweise schon heute enden. Dort landen alle Maschinen aus Kabul zwischen, die Menschen nach Deutschland bringen.

Evakuierung: Bundeswehr muss eigenes Personal und Material ausfliegen

Den Zeitplan geben offenbar die Amerikaner vor. US-Präsident Joe Biden hat festgelegt, dass sein Land am Dienstag die Einsatzkräfte wie geplant abzieht. Und das hat Folgen für die Deutschen. Denn bevor die Amerikaner aus Afghanistan raus sind, benötigt die Bundeswehr einige Tage, um ihr eigenes Personal und Material außer Landes zu schaffen. Ohne US-Soldaten am Kabuler Flughafen können die Rettungsflüge nicht durchgeführt werden.

Aus diesem Grund heißt es von deutschen Verantwortlichen in Taschkent, dass derzeit keine Bundeswehr-Flüge über Freitag hinaus geplant sind. Eine offizielle Bestätigung aus Berlin gibt es noch nicht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Mittwoch, er könne entsprechende Berichte weder dementieren noch bestätigen.

Für die Menschen in Kabul, die noch immer rund um den Flughafen darauf warten, ausgeflogen zu werden, sind das keine guten Nachrichten. "Das bedeutet, dass vor allen Dingen die Panik und die Sorge, dass man nicht mehr auf das Flugzeug kommt und nicht am Sicherheitspersonal vorbei kommt, jetzt immer größer wird", sagt WDR-Reporterin Isabel Schayani, die derzeit in Taschkent ist.

Bundeswehrverband bestätigt "Planungsoption"

Archivfoto: André Wüstner, Deutscher Bundeswehrverband (2017)

André Wüstner vom Deutschen Bundeswehrverband

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, bestätigte am Mittwochmorgen im WDR, dass es eine entsprechende "Planungsoption" gebe. Die Bundeswehr werde "vermutlich" am Wochenende ihren letzten Flug aus Kabul heraus machen - sollte der Zeitplan bestätigt und die politische Entscheidung getroffen werden.

"Das ist schon auch tragisch und macht teilweise wütend, weil wir zumindestens nicht sicher stellen können, dass wir alle Schutzbefohlenen und vielleicht auch nicht alle Staatsbürger ausfliegen können." André Wüstner, Deutscher Bundeswehrverband

Die USA hatten zuvor angekündigt, vorerst an ihrem Zeitplan zum Afghanistan-Abzug am 31. August festzuhalten. Präsident Biden hält sich aber die Option einer Verlängerung weiter offen. Er sagte am Dienstagabend, das hänge auch von der Kooperationsbereitschaft der Taliban ab.

Merkel: Deutschland kann ohne USA nicht weiter evakuieren

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Dienstag nach einem Treffen der G7-Staaten klargestellt, dass Deutschland Evakuierungen ohne die USA nicht weiterführen könne. Deutschland wolle solange wie möglich Menschen evakuieren, allerdings: "Wir können nur Operationen vertreten, bei denen die Sicherheit auch nach menschlichem Ermessen gewährleistet ist", sagte Merkel.

Stand: 25.08.2021, 14:24

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