Mordfall Lübcke: Verbindung zu Neonazi-Überfall in Dortmund

Walter Lübcke, CDU-Politiker, am 25.06.2012.

Mordfall Lübcke: Verbindung zu Neonazi-Überfall in Dortmund

  • Bundesanwaltschaft ermittelt im Fall Lübcke
  • Tatverdächtiger soll Rechtsextremist sein
  • Mann soll an Überfall auf DGB-Demo beteiligt gewesen sein

Im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) gibt es offenbar eine Verbindung nach NRW. Der 45-jähriger Tatverdächtige Stephan E. soll bereits vor zehn Jahren in Dortmund straffällig geworden sein. Die Bundesanwaltschaft zog am Montag (17.06.2019) die Ermittlungen im Mordfall Lübcke an sich. Die Ermittler gehen von einer rechtsextremen Tat aus. Grundlage seien das Vorleben und frühere Äußerungen des festgenommenen Mannes.

Überfall auf DGB-Demonstration 2009

Nach SWR-Recherchen ist der Tatverdächtige vor dem Jahr 2009 mehrfach durch schwere und teils rechtsextremistisch motivierte Straftaten aufgefallen.

Der Taverdächtige Stephan E. 2002 bei einer NPD-Kundgebung in Kassel

Der Taverdächtige Stephan E. 2002 bei einer NPD-Kundgebung in Kassel

Demnach wurde er wegen Landfriedensbruchs verurteilt, weil er am 1. Mai 2009 an dem Überfall von Hunderten sogenannten Autonomen Nationalisten auf eine DGB-Demo in Dortmund beteiligt war. Der Überfall auf die Kundgebung sorgte für Empörung und hatte damals ein Nachspiel im Landtag.

Tatverdächtiger soll "Combat 18" nahestehen

Der Tatverdächtige soll der Neonazi-Bewegung "Combat 18" nahestehen. Laut Bundesanwaltschaft gibt es derzeit jedoch keine Anhaltspunkte, dass der Tatverdächtige einer terroristischen Vereinigung angehört.

Verschiedenen Medienberichten zufolge kannte der Festgenommene Personen aus dem "Combat 18"-Umfeld. Der Rechtsextremismus-Forscher Dierk Borstel von der FH Dortmund sagte dem WDR Ende Mai zu "Combat 18": "Sie setzen auf Gewalt, sie setzen auf Anschläge und sie setzen auf ein Konzept, was sich 'Führerloser Widerstand' nennt."

NSU-Opferanwalt Mehmet Daimagüler forderte die Sicherheitsbehörden im WDR auf, der "Gefahr" durch "Netzwerke" von Rechtsextremisten und NSU-Helfershelfern endlich zu begegnen. Man habe es eben nicht mit Einzelpersonen zu tun, sondern mit Figuren, die sowohl bei "Combat 18" als auch in anderen Neonazi-Organisationen wie Autonomen Nationalisten zusammenarbeiten.

Der NSU-Komplex

Eine Verbindung zwischen Neonazis in Dortmund und Kassel ist auch im NSU-Komplex immer wieder Thema: Der türkischstämmige Kioskbesitzer Mehmet Kubasik wurde am 4. April 2006 in Dortmund erschossen. Am 6. April 2006 wurde Halit Yozgat in seinem Internetcafé in Kassel erschossen.

Verdächtiger im Fall Lübcke: "einschlägige" Vorstrafen

WDR 5 Morgenecho - Interview 18.06.2019 06:53 Min. WDR 5

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Rechtsextremismus-Experten sehen Hinweise auf ein größeres Neonazi-Terrornetzwerk sowie eine gewaltbereite Unterstützerszene, die den NSU überdauert haben könnte.

Forderung nach Aufklärung

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete aus NRW, Irene Mihalic, sagte der "Rheinischen Post": "Es muss ermittelt werden, ob der Tatverdächtige in Netzwerken agiert hat. Auch der NSU hatte Unterstützer im Raum Kassel, in Nordhessen und in Dortmund. Dort gibt es eine hochaktive rechtextremistische Szene, die auch vor Gewalttätigkeit nicht zurückschreckt."

Stand: 17.06.2019, 17:34

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