Loveparade-Prozess geht weiter: Ex-Angeklagte als Zeugen?

Der vorsitzende Richter Mario Plein (4 v.l) steht am 13.12.2017 in Düsseldorf  im Prozesssaal beim Loveparade-Strafprozess

Loveparade-Prozess geht weiter: Ex-Angeklagte als Zeugen?

Von Martin Teigeler

  • Loveparade-Prozess geht am Dienstag weiter
  • Ex-Angeklagte sagen eventuell als Zeugen aus
  • Doch noch Untersuchungsausschuss?

Auf den ersten Blick "Business as usual" im Loveparade-Prozess: Wie an jedem Verhandlungstag wird der Vorsitzende Richter Mario Plein am Dienstag (12.02.2019) um 9.30 Uhr in einer Düsseldorfer Messehalle die Anwesenden begrüßen. Dann sitzen allerdings nur noch drei Männer auf der Anklagebank - allesamt Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent. Anklagevorwurf: fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Tötung.

Ex-Angeklagte bald wieder im Gerichtssaal?

Gegen sieben Angeklagte war der Prozess eingestellt worden - teilweise unter Protest von Angehörigen der 21 Todesopfer der Katastrophe vom 24. Juli 2010. Nun könnten bald auch die sechs Mitarbeiter der Stadt sowie ein Mitarbeiter von Lopavent als Zeugen vorgeladen werden. Falls die sieben Ex-Angeklagten als Zeugen aussagen müssen, könnten neue Fakten zu den Ursachen der Katastrophe ans Tageslicht kommen.

"Derzeit sind die ehemaligen Angeklagten noch nicht als Zeugen geladen. Ob sie geladen werden, entscheidet das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt", sagte der Gerichtssprecher. Die Vorladung der Ex-Angeklagten sei bereits von einem Nebenklage-Vertreter beantragt worden.

Loveparade-Prozess: "Eine individuelle Schuld ist da"

WDR 5 Morgenecho - Interview 06.02.2019 04:25 Min. Verfügbar bis 05.02.2020 WDR 5

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Montage: Rainer Schaller, Adolf Sauerland im Landgericht

Rainer Schaller (l.) und Adolf Sauerland bei ihren Zeugenaussagen im Jahr 2018 vor dem Landgericht Duisburg

Mit Spannung blicken Beobachter darauf, wie sich Gericht, Staatsanwaltschaft, aber auch die teils neu zusammengesetzte Verteidigerriege im Prozess verhalten. Werden neue Beweise eingeführt? Wird das Experten-Gutachten im Detail ausgewertet? Müssen prominente Zeugen wie Duisburgs Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) noch einmal Rede und Antwort stehen?

Großes Gedränge am unteren Ende der Rampe, die zum Festivalgelände der Loveparade führt.

Tödliches Gedränge auf der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg

In jedem Fall steht das Verfahren unter Zeitdruck. Am 28. Juli 2020 - zehn Jahre nach dem Tod des letzten Opfers - tritt die Verjährung ein. Wenn dann kein Urteil ergangen ist, gehen die Angeklagten straffrei aus.

Doch noch Untersuchungsausschuss?

Politiker und Kommentatoren debattieren unterdessen, ob doch noch ein Untersuchungsausschuss im Landtag zur Loveparade-Katastrophe eingesetzt werden sollte. 2010 und 2011 war ein solcher Ausschuss vor allem am Widerstand von CDU und SPD gescheitert.

Skeptisch dazu äußerte sich die Grünen-Innenexpertin Verena Schäffer. An einen solchen Ausschuss dürfe man "keine falschen Erwartungen haben". Ein Untersuchungsausschuss könne die Aufgabe eines Gerichts, die Schuldfrage zu klären, nicht ersetzen.

Berichte über jeden einzelnen Verhandlungstag lesen Sie im Prozesstagebuch des WDR.

Loveparade-Prozess: Recht oder Gerechtigkeit? Westpol 10.02.2019 UT DGS Verfügbar bis 10.02.2020 WDR

Stand: 11.02.2019, 15:12

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