Wird Loveparade-Prozess eingestellt?

Der Vorsitzende Richter des Loveparade-Prozesses, Mario Plein

Wird Loveparade-Prozess eingestellt?

  • Streit um Protestbrief im Loveparade-Strafprozess
  • Nebenkläger fürchten Einstellung des Verfahrens
  • Vorsitzender Richter verspricht gründliche Aufklärung

Im Loveparade-Prozess gibt es einen Konflikt zwischen Gericht und Nebenklägern. Anlass war ein Brief mehrerer Anwälte an NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Droht eine Einstellung des Verfahrens?

Im Loveparade-Prozess gibt es laut Gericht keinen Grund zur Sorge vor einer vorschnellen Einstellung des Verfahrens. "Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir nach dem Ende des Verfahrens sagen können, warum die Kinder der Nebenkläger gestorben sind und warum da viele verletzt worden sind", sagte Richter Mario Plein am Donnerstag (04.10.2018) in Richtung mehrerer Nebenklage-Anwälte.

Der Prozess zum Unglück 2010 in Duisburg war Ende 2017 erst nach jahrelangem juristischen Gezerre gestartet.

Brief an Justizminister Biesenbach

Anlass für Pleins Äußerungen war ein Brief einiger Nebenkläger-Anwälte an Justizminister Biesenbach. In dem Schreiben äußern rund zehn Anwälte ihre Sorge vor einer Einstellung des Verfahrens. Diese ist nach der Strafprozessordnung unter bestimmten Voraussetzungen möglich, wenn Gericht, Angeklagte und Staatsanwaltschaft ihr zustimmen.

Der Minister solle der Staatsanwaltschaft untersagen, einen solchen Schritt mitzutragen, forderten die Unterzeichner. Nur dann könne es ein Urteil geben. Eine freiwillige Einstellung des Verfahrens würde kein Bürger nachvollziehen können.

Minister lehnt Eingriff ab

Kränze liegen in Duisburg vor der Gedenkstätte für die Opfer des Loveparade-Unglücks.

Bei einer Massenpanik auf der Loveparade 2010 in Duisburg starben 21 Menschen

Biesenbach lehnt laut einen Eingriff in den Prozess ab - das geht aus seinem Antwortschreiben an die Nebenkläger hervor, das dem WDR vorliegt. Eine entsprechende Weisung komme demnach nur in Betracht, wenn der zuständige Generalstaatsanwalt "gegen eine rechtsfehlerhafte staatsanwaltschaftliche Sachbehandlung zu Unrecht nicht einschreitet". Dafür habe er keine Anhaltspunkte.

Unter anderem wegen fahrlässiger Tötung sind zehn Mitarbeiter von Stadt Duisburg und Veranstalterfirma angeklagt. Polizisten wurden hingegen nicht angeklagt.

Neues Gutachten im Loveparade-Prozess - Mitschuld der Polizei?

WDR 2 11.09.2018 03:56 Min. WDR 2

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Die Befürchtungen der Nebenkläger-Anwälte beziehen sich auf ein von Plein angekündigtes sogenanntes Rechtsgespräch voraussichtlich im Frühjahr 2019. Bis dahin stehen allerdings noch zahlreiche Verhandlungstage mit wichtigen Zeugen an.

Stand: 04.10.2018, 18:35

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