Ein Jahr Loveparade-Prozess: Was hat er gebracht?

Bildmonatge, links Menschengedränge am Unglücksort, rechts Prozesssaal, Richter und Anzuhörende stehend

Ein Jahr Loveparade-Prozess: Was hat er gebracht?

Von Martin Teigeler

  • Vor einem Jahr begann der Loveparade-Strafprozess
  • Ausgang des Verfahrens erscheint weiter offen
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Prozess

Worum geht es im Prozess?

Am 8.12.2017 begann der Prozess um das Duisburger Loveparade-Unglück. Seitdem geht es um die juristische Aufarbeitung einer Katastrophe.

Bei der Techno-Veranstaltung Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg waren im Gedränge 21 Menschen erdrückt worden - an der Zugangs-Rampe und dem Zugangs-Tunnel zum Partygelände. Über 650 Menschen wurden verletzt.

Ein Jahr Loveparade-Prozess: Das Gerichtsverfahren in Bildern

Das öffentliche Interesse am Loveparade-Prozess ist acht Jahre nach dem Unglück eher gering. Doch bemerkenswerte, emotionale und wichtige Momente gab es dennoch im Gerichtssaal.

Der Verhandlungssaal für den bevorstehenden Loveparade Prozess ist am 28.10.2017 in Düsseldorf

Für Pressevertreter sind 85 Plätze reserviert. Das Gericht hat mit vielen Zuschauern gerechnet und 234 Plätze für sie reserviert.

Für Pressevertreter sind 85 Plätze reserviert. Das Gericht hat mit vielen Zuschauern gerechnet und 234 Plätze für sie reserviert.

An fast allen Prozesstagen bleiben die meisten Zuschauer-Stühle im Gerichtssaal leer.

Bei den Zeugen-Aussagen von Überlebenden der Katastrophe werden im Gerichtssaal Videobilder und Fotos der Katastrophe gezeigt. Es sind berührende Berichte von Verletzten und Traumatisierten, die dem Gericht helfen sollen, das Ausmaß der Massenpanik zu verstehen. Die Frage, durch welche Entscheidungen das tödliche Gedränge möglich wurde, steht im Zentrum des Prozesses.

Adolf Sauerland war der erste prominente Zeuge im Verfahren. Der ehemalige Duisburger Oberbürgermeister von der CDU war 2012 per Bürgerentscheid abgewählt worden. Die Duisburger wiesen ihm damit die politische Verantwortung für die Katastrophe zu. Juristisch sieht die Staatsanwaltschaft bei ihm keine Schuld. In seiner Zeugenaussage verwies Sauerland darauf, dass er die Parade ja nicht geplant habe.

Der zweite "Promi-Zeuge". Rainer Schaller - Fitness-Unternehmer und Lopavent-Chef. Schaller erschien gut präpariert - beinahe auswendig gelernt wirkten manche seiner Sätze vor Gericht. Der Zeuge verlas ein Statement, in dem er sich bei Hinterbliebenen und Verletzten entschuldigte.

Wer sitzt auf der Anklagebank?

Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters Lopavent. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.

Wer sitzt nicht auf der Anklagebank?

Seit Jahren wird von Überlebenden und Hinterbliebenen kritisiert, dass der damalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller nicht angeklagt wurden. Auch dass kein Polizist auf der Anklagebank sitzt, sorgt immer wieder für Unmut.

Können noch weitere Personen angeklagt werden?

Acht Jahre nach der Katastrophe ist das sehr unwahrscheinlich. Personen, gegen die nicht spätestens fünf Jahre nach dem Geschehen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wurden, können auch gar nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Das sehen die gesetzlichen Verjährungsfristen vor. Nur wegen vorsätzlichen Totschlags könnten theoretisch noch Personen belangt werden.

Wie ist der Prozess bisher gelaufen?

An den bisher 88 Prozesstagen (die meisten davon ziemlich lang) wurde das Geschehen bis ins Detail aufgerollt. Verletzte, Gerichtsmediziner, Stadtmitarbeiter, Feuerwehrleute und zahlreiche Polizisten kamen zu Wort. Insgesamt waren es über 50 Zeugen. Ein Gutachten wurde erstellt.

Daneben stand auch die Sichtung von Videomaterial und Dokumenten auf der Tagesordnung. Dabei wurden Planungs- und Organisationsfehler bei Stadt und Veranstalter durchaus deutlich - zum Beispiel bei der Auswahl des Geländes. Doch auch Polizei-Pannen am Unglückstag gerieten immer wieder in den Fokus.

Ein Jahr Loveparade-Prozess: Interview mit WDR-Bloggerin Doro Blome-Müller

WDR 5 Westblick - aktuell | 07.12.2018 | 06:22 Min.

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Berichte zu jedem Loveparade-Prozesstag lesen Sie im WDR-Blog.

Wie geht es weiter?

Das Landgericht Duisburg, das in der Messe Düsseldorf den Prozess abhält, hat bereits weitere Verhandlungstermine bis April 2019 veröffentlicht. Dann sollen weitere Zeugen vernommen werden. Die Angeklagten schweigen bisher.

Ein nichtöffentliches Rechtsgespräch (geplant für den 16. Januar 2019) kann eine Verständigung aller Parteien herbeiführen. Das Gespräch könnte klären, ob der Strafprozess bis zu einem Urteil fortgesetzt oder vorher ohne Urteil eingestellt wird.

Am Ende muss das Gericht befinden: Sitzen die wirklich Verantwortlichen auf der Anklagebank? Kann man diesen zehn Personen jeweils eine individuelle strafrechtliche Schuld nachweisen?

Stand: 07.12.2018, 06:00

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