Loveparade-Katastrophe: Acht Jahre danach

Loveparade-Katastrophe: Acht Jahre danach

Von Martin Teigeler

  • Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe in Duisburg
  • 21 Tote und über 650 Verletzte bei Massenpanik am 24. Juli 2010
  • Wie läuft der Strafprozess vor dem Duisburger Landgericht?

Am Dienstag (24.07.2018) stand das Gedenken an die Opfer der Loveparade-Katastrophe im Mittelpunkt. Wie konnte es zu der Massenpanik 2010 in Duisburg kommen? Dieser Frage geht seit Ende 2017 der Strafprozess vor dem Landgericht Duisburg nach. So läuft das Verfahren bisher:

Was sind die Anklage-Vorwürfe?

Fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Tötung. Nach langem juristischen Gezerre sitzen in der Düsseldorfer Messe, wo der Prozess stattfindet, zehn Angeklagte: sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter der Veranstalterfirma. Für Hinterbliebene der Opfer fehlen Verantwortliche auf der Anklagebank: Duisburgs Ex-OB Adolf Sauerland (CDU), Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller sowie Polizei-Vertreter.

Was ist bisher vor Gericht passiert?

48 Prozesstage sind absolviert. Der Vorsitzende Richter Mario Plein zieht das Programm zügig durch (zumal im Juli 2020 die Verjährung droht). Viele Zeugen haben ausgesagt - darunter traumatisierte Überlebende, die als Nebenkläger auftreten. Im Gerichtssaal wurden Dokumente und Video-Material auf Leinwänden vorgeführt.

Tod im Gedränge

WDR 5 Leonardo Top Themen 24.07.2017 06:52 Min. WDR 5

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Gab es Überraschungen bei den Zeugen-Aussagen?

Bemerkenswert war, wie ahnungslos sich Promi-Zeugen wie Sauerland und Schaller vor Gericht gaben. Gegen sie war keine Anklage erhoben worden, weil die Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte dafür sah, dass die beiden Einfluss auf die Planungen hatten.

Wie ist das öffentliche Interesse am Prozess?

Mäßig. An den meisten Prozesstagen waren bisher nur wenige Zuschauer da.

Wie geht's weiter?

Wichtige Zeugen - unter anderem Polizisten und Duisburgs Ex-Ordnungsdezernent - werden noch erwartet. Außerdem ist ein Experten-Gutachten bisher nicht fertig.

Acht Jahre nach der Loveparade - wie läuft der Strafprozess?

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 24.07.2018 03:48 Min. WDR 5

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Wie wahrscheinlich sind Verurteilungen?

Ob Angeklagte verurteilt werden, erscheint offener denn je. Verteidiger argumentieren zum Beispiel mit dem Verwaltungsrecht. Durch Zeugenaussagen wurde klar, dass Zugangstunnel und Rampe - also der Ort der Massenpanik - in einer Art "Niemandsland" lagen.

Kein Amt im Duisburger Rathaus wähnte sich zuständig. Kann man "kleinen" Stadt-Mitarbeitern dennoch juristische Schuld nachweisen?

Richter Plein hat der Verteidigung ein Rechtsgespräch in Aussicht gestellt. Dieses soll eine Verständigung aller Parteien herbeiführen und ähnelt einem Vergleich in einem Zivilprozess.

Es soll nach derzeitiger Planung Ende Januar/Anfang Februar 2019 stattfinden, wie ein Gerichtssprecher dem WDR sagte. Aber es hänge auch vom weiteren Verfahrensablauf und dem Verhalten aller Verfahrensbeteiligten ab, ob das möglich sei.

Stand: 24.07.2018, 06:00

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