Long Covid: Gibt es eine Heilung von den Corona-Spätfolgen?  

Eine junge Frau hält sich die Vorrichtung einer Sauerstoffmaske vor Mund und Nase.

Long Covid: Gibt es eine Heilung von den Corona-Spätfolgen?  

Atemnot, Schwindel, ständige Erschöpfung. Viele Menschen, die mit Corona infiziert waren, leiden auch Monate danach an den Folgen - auch Menschen, die die Infektion symptomfrei überstanden haben. Wir erklären, was gegen Long Covid helfen kann.

Clarissa Engels war einer der ersten Menschen in NRW, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Seit ihrer Infektion sind 14 Monate vergangen, doch sie ist immer noch nicht wieder die Alte. “Das hat mein Leben massiv verändert”, sagt die 27-Jährige. Deshalb hat sie sich an den WDR gewandt und gefragt: “Wie werde ich Long Covid wieder los?” Reporterin Madelaine Meier hat für sie nach Antworten gesucht.

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Studien zu Sauerstofftherapie laufen an 

Etwa jeder zehnte Infizierte leidet auch Monate später noch an den Folgen der Covid-Erkrankung, schätzen Wissenschaftler. Es gibt viele Ansätze, die bei Long-Covid-Betroffenen derzeit ausprobiert werden. Die Sauerstofftherapie ist eine davon. Patienten gehen vier Wochen lang täglich in eine Druckkammer und atmen für etwa zwei Stunden reinen Sauerstoff.  

Die Hoffnung der Wissenschaftler: Der Sauerstoff könnte Entzündungsreaktionen umformen und biochemische Reaktionen an den Rezeptoren, an denen auch das Coronavirus angreift - etwa am Hirnstamm -, auslösen. Erste Behandelte würden von positiven Effekten sprechen, erklärt Leiter des Druckkammerzentrums in Aachen, Dr. Ullrich Siekmann. 

Allerdings könne das auch nur ein Placebo-Effekt sein, denn dieser Therapieansatz sei bei Long Covid noch nicht ausreichend erforscht. Deshalb werden die Behandlungskosten von den Krankenkassen auch nicht übernommen. Studien dazu laufen derzeit unter anderem in Stockholm. Mit ersten Ergebnissen wird in zwei bis drei Jahren gerechnet. 

Mülheimer Internistin testet Blutwäsche  

Pathologen haben festgestellt, dass das Coronavirus systematisch Gefäße im ganzen Körper angreift. Ein bestimmtes Verfahren der Blutwäsche könnte deshalb auch zur Behandlung von Long-Covid-Patienten geeignet sein, sagt die Mülheimer Internistin Dr. Beate Jaeger. Bei der sogenannten „HELP-Apherese“ würden schon nach zweimaliger Anwendung Symptome wie schwere Luftnot und Geruchsverlust verschwinden. Ähnlich wie bei einer Dialyse wird das Blut von schädlichen Substanzen befreit. 

Normalerweise wird das Verfahren bei Menschen mit Herzinfarkten und Schlaganfällen angewendet, denen mit gängigen Medikamenten nicht geholfen werden kann. Nach eigenen Angaben konnte Jaeger mit der Therapie mehrere Long-Covid-Patienten bisher erfolgreich behandeln.  

Bonner Forscher suchen nach Long-Covid-Mustern im Blut 

Auch in Bonn werden Long-Covid-Therapien erforscht – und zwar am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen. Der Immunologe und Genomforscher Prof. Joachim Schultze untersucht mit seinem Team das Blut von Long-Covid-Patienten: „Die Idee ist, Muster im Blut zu erkennen, die vielleicht dann genau sagen: Hier liegt tatsächlich Long Covid vor oder vielleicht sogar welches Long Covid liegt vor.“  

Corona-Impfung könnte positiven Effekt haben 

Erste Studien würden zeigen, dass auch die Corona-Schutzimpfung einen positiven Effekt bei Long Covid haben könnte. Das Immunsystem funktioniere nach einer Infektion nicht vollständig, vermuten Forscher. Eine Impfung könnte das Immunsystem wieder umprogrammieren – sozusagen ein Neustart. 

Insgesamt sei es wichtig, dass sich die Medizin allen möglichen Ansätzen öffne, so Schultze. „Da gilt eine andere Regel in der Medizin: Wer heilt, hat auch Recht. Selbst wenn ich nicht weiß, warum das jetzt funktioniert.“  

Stand: 04.07.2021, 10:20

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen