Lockdown und Shutdown - angemessene Begriffe?

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Lockdown und Shutdown - angemessene Begriffe?

Von Jörn Seidel

  • Corona-Krise bringt neue Wörter in die Alltagssprache
  • Lockdown und Shutdown: Bedeutung nicht völlig klar
  • Bedeutung dramatischer als angebracht?

Mit der Corona-Krise sind die Wörter Lockdown und Shutdown Teil unserer Alltagssprache geworden. Auch Politiker verwenden sie. Ihre eigentliche Bedeutung geht allerdings weiter als das, wofür sie in Deutschland bislang stehen.

Shutdown und Lockdown: Bedeutung im Englischen

Das Wort Shutdown bedeute im Englischen "die Schließung einer Fabrik, eines Geschäftes oder anderen Unternehmens, entweder für kurze Zeit oder für immer", schreibt in einem Aufsatz Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache mit Verweis auf das Wörterbuch Collins Dictionary.

Das Wort Lockdown bedeute im Englischen "Zustand der Isolation, Eindämmung oder des eingeschränkten Zugangs, der normalerweise als Sicherheitsmaßnahme eingeführt wird", schreibt sie mit Verweis auf das Oxford English Dictionary.

Lockdown nach einem Attentat

Von Lockdown sei im Englischen zum Beispiel die Rede, wenn Behörden nach einem Attentat zum Schutz der Menschen bestimmte Gebiete absperren, sagte Klosa-Kückelhaus dem SWR.

Beide Begriffsbedeutungen treffen auf die bisherigen Corona-Maßnahmen in Deutschland aber nicht wirklich zu. Weder wurde flächendeckend alles geschlossen, noch gab es eine Ausgangssperre wie in Italien oder Spanien.

Dramatischer als angebracht?

Sind die Begriffe Lockdown und Shutdown also überhaupt angebracht für die vergleichsweise milden Corona-Maßnahmen in Deutschland? Wer diese Wörter verwendet, sollte sich zumindest im Klaren sein, dass sie dramatisch klingen könnten.

Vielleicht sind die Begriffe Lockdown und Shutdown einfach deshalb so beliebt, weil es keine treffenderen Begriffe gibt. Denn sie bedeuten weit mehr als die Wörter Maßnahmen, Ausgangssperre oder Schließungen.

Vorschlag des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache

Sprachforscherin Klosa-Kückelhaus hat bereits einen Vorschlag für eine Definition unterbreitet, mit der die Begriffe Lockdown und Shutdown demnächst ins Neologismenwörterbuch des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache eingehen könnten:

"Zeitraum, in dem fast alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten auf politische Anordnung hin stillgelegt sind (z. B. zur Eindämmung einer Seuche)".

Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten. Denn zunächst sollten sich die neuen Bedeutungen und Verwendungen "verfestigen und nicht nur mit Bezug auf die Corona-Krise auftreten", meint Klosa-Kückelhaus.

Stand: 23.06.2020, 16:05

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