Extremismus: Wie stellen sich Linksradikale eine Gesellschaft vor?

Bei dem G20 Gipfel in Hamburg wirft ein vermummter Demonstrant einen Stein in Richtung der Polizei

Extremismus: Wie stellen sich Linksradikale eine Gesellschaft vor?

  • Ziele der Linksradikalen häufig unklar
  • Gewalt ist für Teile der Szene legitimes Mittel
  • YouTube-Kanal reporter hat Mitglieder der Szene befragt

Antifaschismus und Schluss mit dem Kapitalismus - das sind Parolen, die auf Demonstrationen der linksradikalen Szene oft zu hören sind. Aber was steckt dahinter?

Anlass für die Recherche in der linksradikalen Szene ist der funk-Schwerpunkt #Extremland zum Thema Extremismus in Deutschland. Darin beleuchten viele funk-Formate auf YouTube verschiedene Formen von Extremismus.

Zunächst ist es für Journalisten eine Herausforderung, Kontakte in die Szene zu knüpfen. Sie gilt als verschlossen. Die beiden Reporter haben sich daher in interne Chat-Gruppen eingeschlichen und über verschlüsselte E-Mails Kontakt zu lokalen Antifa-Gruppen aufgenommen. Dabei wurde klar: Die Meinungen innerhalb der Szene gehen teils stark auseinander.

Ziele eher unklar

Zwei Personen mit Mundschutz

Timm Giesbers und Tobias Dammers haben mit einem jungen Aktivisten, zwei Antifa-Mitgliedern aus Münster und dem bekannten Aktivisten Sören Kohlhuber gesprochen. Deutlich wurde in allen Gesprächen, dass die Ziele oft undefiniert sind. Sören Kohlhuber spricht von "Luftschlössern, die wir uns da bauen" und "kommunistischen Paradiesen".

Darüber hinaus engagieren sich die Szene-Mitglieder vor allem im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Dazu gehört für sie genauso Straßenmilitanz, wie Aufklärungsarbeit und die Organisation von Gegendemonstrationen. Außerdem setzen sie sich für eine Änderung der aktuellen Klima- und Migrationspolitik ein.

Gewaltpotenzial hoch

Um die Ziele zu erreichen, ist für einige der Linksradikalen Gewalt ein legitimes Mittel. Für sie ist dabei die Vermittelbarkeit der Taten wichtig - also die Möglichkeit, die eigenen Taten angesichts der Ziele zu rechtfertigen.

Das passt auch in das Bild, das der Verfassungsschutz von der linksradikalen Szene hat. In 2019 zählte er 6.449 Straftaten mit linksextremistischem Hintergrund, 2018 waren es noch 4.622.

Prof. Hans-Gerd Jaschke von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin spricht von einer neuen Form "von Militanz, die eine gewisse terroristische Qualität entwickelt. Es gibt ganz offensichtlich eine Zunahme der Straftaten und der Gewalttaten von links. Das muss man sehen, dass muss man ins Kalkül ziehen. Darauf müssen Staat und Gesellschaft reagieren - und zwar repressiv wie präventiv."

Dass dabei Menschen oder Besitztümer zu Schaden kommen, nehmen diese Linksradikalen in Kauf. Das Ziel: Gehör verschaffen - um fast jeden Preis.

Stand: 30.07.2020, 12:33

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