Jeanshosen werden auf einem Tisch gefaltet

C&A startet in Mönchengladbach Produktion nachhaltiger Jeans

Stand: 28.01.2022, 18:37 Uhr

Als einer der größten Textilhersteller Europas hat C&A eine Produktionsstätte nach Mönchengladbach verlegt. Dort will das Unternehmen nun drei Prozent seiner Hosen nachhaltig produzieren.

Rund vier Millionen Euro hat C&A bisher in das Mönchengladbacher Projekt investiert. In der neuen Fabrik fertigen nun 80 Menschen aus vielen verschiedenen Nationen Jeanshosen auf dem höchsten Stand der Technik.

Neue Verfahren sorgen für mehr Nachhaltigkeit

Anstatt die Jeans wie oft üblich aufwendig mit Chemikalien zu bleichen, werden die Hosen in der neuen Produktionsstätte mit einem Laser behandelt. Ein Laserdesigner programmiert in Abstimmung mit der Kreation den Laser so, dass die Jeans den bekannten Used Look erhält. "Es ist wesentlich effizienter und schneller, mit dem Laser zu arbeiten, als die Hosen Stück für Stück mit der Hand zu bearbeiten", sagt Laserdesigner Frederick Fuchs. "Durch das Abbrennen der oberen Farbschichten brauchen wir beim Lasern keine Chemikalien."

Jeans-Hosen werden aus einer Waschmaschine geholt

Anschließend werden die Jeans-Hosen in einer eigenen Wäscherei gewaschen. 150 Hosen passen in eine Trommel, spezielle Waschmaschinen sorgen dafür, dass der Verbrauch bei rund zehn Litern pro Jeans liegt. Das Wasser wird in einer gesonderten Aufbereitungsanlage gefiltert und recycelt. Das recycelte Wasser wird dann für andere Prozesse verwendet. Im Laufe des Jahres soll auf dem Dach der Halle auch noch eine Photovoltaik-Anlage installiert werden.

Unternehmen will künftig auch in Asien neue Standards setzen

Angestellte nähen Jeanshosen in einer Fabrik in Mönchengladbach

Der größte Teil der Produktion von C&A liegt aber weiterhin in Asien. Langfristig will das Unternehemen auch dort neue Standards setzen. Zunächst gehe es aber darum, Erfahrungen in Sachen Nachhaltigkeit und Produktivität zu sammeln. Durch die Produktionsstätte in Mönchengladbach könnten laut dem Textilhersteller beispielsweise die langen Lieferketten zwischen Produktion und Verkauf gekürzt werden. Die nachhaltigen Jeans, die in Mönchengladbach hergestellt werden, sollen unter 80 Euro pro Stück kosten.

Stabilität der Lieferketten nicht mehr gesichert

"Der Schritt ist ausgesprochen mutig, er kommt aber auch zu einer richtigen Zeit", sagt Bekleidungsforscherin Maike Rabe von der Hochschule Niederrhein, die das C&A-Projekt wissenschaftlich begleitet. Man erkenne in der Corona-Pandemie, "dass die Stabilität unserer Lieferketten nicht mehr gesichert ist".

Durch die globen Lieferengpässe haben auch andere Unternehmen Probleme, ihre Waren zu bekommen, und suchen deshalb nach alternativen Wegen. Falls das Mönchengladbacher Projekt Erfolg hat, "dann ist es eben auch ein Motivator für viele andere Unternehmen", glaubt die Professorin.

(v.l.) Max Mittag, Henrik Stelter und Martin Wosik

Die Texturelab-Gründer (von links) Max Mittag, Henrik Stelter und Martin Wosik

Auf noch mehr Nachhaltigkeit setzen Max Mittag, Henrik Stelter und Martin Wosik. Das Ziel der Jungunternehmer: ein T-Shirt für die breite Masse zu produzieren, das sich vielfach recyceln lässt. Auch somit ließen sich Lieferengpässe umgehen. Das Start-up ist ebenfalls in Mönchengladbach zu Hause, einer Stadt mit großer Textilgeschichte. Texturelab heißt die Firma - eine Wortkombination in Englisch aus Textur und Labor.

Die Produktion ihres T-Shirts, das sie derzeit noch entwickeln, könne viel Wasser und CO2 einsparen - insbesondere im Faseranbau, der das meiste Wasser verschlinge, erläutern die drei. Dafür forschen sie mit der Wissenschaft an einer neuen Faser, die genauso komfortabel wie Baumwolle sein soll, aber beim Recycling nicht so schnell kaputt geht.

Bei solchen Alternativen zum Beispiel kann man auf derselben Fläche das Zehnfache an T-Shirts generieren. Max Mittag vom Start-up Texturlab

Bevor Kleidungsstücke recycelt werden, sollten sie aber so lange wie möglich genutzt werden, meint Manuela Gabor von der Secondhand-Boutique Zeitlos in Willich im Kreis Viersen. In ihrem Geschäft verkauft sie schon seit Jahrzehnten hochwertige Mode, auch von bekannten Designern.

Second Hand "eine Chance geben"

Manuela Gabor in ihrer Second Hand Boutique "Zeitlos" in Willich

Manuela Gabor in ihrer Boutique Zeitlos

Das Prinzip: Menschen bringen Gabor nicht mehr benötigte Kleidungsstücke vorbei, die dann für eine Saison im Laden hängen. Werden sie verkauft, verdient auch Gabor daran, ansonsten gehen die Teile zurück an die Besitzerin oder den Besitzer.

Man müsse Second Hand-Kleidung "eine Chance geben", sagt Gabor, deren Boutique Lieferengpässe nicht kennt.

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