Lieferdienst-Kuriere demonstrieren in Köln

Lieferdienst-Kuriere demonstrieren in Köln

Lieferdienst-Kuriere demonstrieren in Köln

  • Kritik an neuen Lieferdiensten
  • Klagen über Arbeitsbedingungen
  • Demonstration in Köln

Zur Diskussion über die Arbeitsbedingungen von Essenslieferdiensten

Sie sind eine Erfolgsgeschichte der neuen Internet-Wirtschaft: Essenslieferdienste wie Deliveroo oder Foodora. Sie nehmen in Großstädten Online-Bestellungen für eine große Auswahl von Restaurants an und lassen sie von Fahrradkurieren direkt ausliefern.

Treffen beim "Rider's Day" in Köln

Auslieferungsfahrer von Deliveroo

Auslieferungsfahrer von Deliveroo

Doch was für Kunden ein bequemer Service ist, sei ein Knochenjob mit schlechten Arbeitsbedingungen, klagen Mitarbeiter. Beim "Rider's Day" in Köln machten mehrere Dutzend Fahrradkuriere am Dienstag (19.06.2018) auf ihre Situation aufmerksam.

"Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind höchst problematisch. Fast alle Arbeitsverträge sind sachgrundlos befristet", sagt Guido Zeitler, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Unter anderem versuchten die Unternehmen durch die Befristung, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern.

Gesetz geplant

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil

Hubertus Heil

Bei der Protestveranstaltung trat auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf und übte Kritik. "Wer Digitalisierung mit Ausbeutung verwechselt, hat mich zum politischen Gegner", sagte er und verwies auf seine Pläne, sachgrundlose Befristungen zurückzudrängen. Auch kündigte Heil an, das Gespräch mit den Unternehmen zu suchen.

Ex-Mitarbeiterin: Unternehmen wehren sich

"Die Unternehmen wehren sich mit allen Mitteln", sagt Sarah Jochmann. Die Studentin aus Köln war bis April als Fahrerin bei Deliveroo beschäftigt, ihr Vertrag wurde nicht verlängert. "Inzwischen beschäftigt Deliveroo in Köln nur noch Freelancer, die pro Auftrag bezahlt werden", erklärt Jochmann.

Für das Unternehmen habe das mehrere Vorteile, erklärt Jochmann: Einmal werde so das unternehmerische Risiko auf die Fahrer abgewälzt. Außerdem sei Deliveroo so die Mitglieder eines gerade erst gegründeten Betriebsrats losgeworden.

Foodora weist Vorwürfe zurück

Für die Fahrer des Marktführers Foodora träfen die Vorwürfe nicht zu, teilte das Unternehmen mit. Ein großer Teil der rund 3.000 Foodora-Fahrer sei fest angestellt. "Falsch", meint Jochmann, "viele Foodora-Fahrer müssen einfach kurz vor Ablauf der Probezeit gehen."

Bei Deliveroo heißt es: "Die Fahrer sind das Herzstück von Deliveroo und wir bieten ihnen die Art von Flexibilität, die sie bevorzugen." Die Fahrer könnten ihre Arbeit an ihren Lebensstil anpassen und bekämen ein Durchschnittseinkommen, das weit über dem Mindestlohn liege.

Digitale Tagelöhner: Deliveroo, Foodora und Co.

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 19.06.2018 | 18:31 Min.

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Stand: 19.06.2018, 13:07

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • Wassertrinker 19.06.2018, 18:32 Uhr

    Ein großer Teil dieser Pseudo-Radrennfahrer mit Kiepe stellt in den Innenstädten inzwischen eine erhebliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar. Rote Ampeln werden zum Leidwesen von vollbremsenden Autofahrern überfahren, Kleinkinder und Ältere auf Gehwegen mit Tempo 40 gefährdet. Die eigene Gewinnmaximierung ist das Einzige was diese "Kuriere" interessiert.

    • Gerechtigigkeit für alle 19.06.2018, 20:13 Uhr

      Also das trifft ja wohl nicht nur auf "Riders" zu, das ist ja wohl klar. Sind sie Autofahrer? Denn so klingts. Wir wechseln doch ständig seiten, sitzen wir im auto und fahren wir, beklagen wir uns über die Fahrradfahrer. Sitzen wir auf dem Fahrrad und Fahren sinds die blöden Umweltverschmutzer Karren und ihr Tempo bzw. Ignoranz den anderen gegenüber. . Man kann es nicht jedem recht machen und es wär zumal schon mal ein Vorteil wenn Deliveroo besonders sein Radius wieder verkleinern würde oder besser aufteilen so das ein Fahrradkurier nicht so eine weite Strecke zurücklegen muss und auch nicht sich deswegen abhetzt.

  • Rojan 19.06.2018, 18:24 Uhr

    Ich finde es unmöglich, dass die ihr eigenes Handy benutzen müssen! Frechheit :-(