"Liebe gewinnt": Katholische Geistliche segnen homosexuelle Paare

"Liebe gewinnt": Katholische Geistliche segnen homosexuelle Paare

In vielen katholischen Kirchen können sich homosexuelle Paare in diesen Tagen segnen lassen. Unter dem Motto #liebegewinnt finden deutschlandweit spezielle Gottesdienste statt. In Köln machte die Kirche Christi Auferstehung in Lindenthal am Sonntagabend den Auftakt.

"Wir gehen immer mal wieder in die Kirche und es ist jetzt schon was Besonderes, dass wir nicht trotzdem gehen, sondern dass wir eingeladen worden sind und als lesbisches Paar willkommen sind", sagt Annika Schneider. Sie ist mit ihrer Freundin Emilie extra aus Bonn angereist, um am Gottesdienst in Köln-Lindenthal teilzunehmen.

Annika und ihre Freundin Emilie

Annika und ihre Freundin Emilie

Etwa 200 Menschen sind gekommen, und neben vielen homosexuellen Paaren sind auch heterosexuelle dabei – aus Solidarität und Protest gegen den Vatikan. Denn der hatte vor Kurzem die Segnung homosexueller Paare verboten.

Seit 2013 sind Silvia und Alexandra Genski ein Paar und seit zwei Jahren sind die beiden verheiratet. Sie würden ihr Kind Fiete gerne taufen lassen, wissen aber nicht in welcher Gemeinde. Denn gleichgeschlechtliche Paare werden von der katholischen Kirche immer noch diskriminiert. Das "Nein" zur Segnung, ist für sie ein schwerer Schlag: "Ich habe auch immer mal wieder überlegt, aus der Kirche auszutreten, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt", sagt Alexandra Genski.

Silvia und Alexandra Genski mit Kind Fiete bei einer Segnung in Köln.

Zwei Regenbogenflagge als Zeichen des Widerstands. Rund 200 Menschen sind zum Gottesdienst der Kirche Christi Auferstehung in Lindenthal gekommen, um den Segen zu empfangen. Für Silvia und Alexandra bedeutet dieser Moment viel: "Es war ganz viel Liebe in der Luft, ein frischer Wind", so Silvia Genski.

Aber nicht alle Gläubigen, gehen nach dem Gottesdienst beseelt nach Hause. Denn die deutsche Bischofskonferenz lehnt diese Segnungsgottesdienste weiterhin ab. Annika Schneider zum Beispiel hat nach ihrem Outing den Glauben an die Kirche verloren. "Das sind so kleine Schritte, dass das heute eher ein nettes Zeichen war. Aber ich werde da jetzt nicht Jubelschreiend sagen: 'Ihr habt mich zurück.'"

Die Kirche segnet gerne und viel – warum nicht die Liebe?

Schon seit Tagen hängen an der Kirche Christi Auferstehung zwei Regenbogenfahnen als Zeichen des Widerstands. „Wir widersetzen uns und kommen damit auch dem Wunsch ganz vieler Gemeindemitglieder nach, die die Botschaft aus Rom fassungslos und ratlos zurück lässt“, erklärt Christoph Bouillon.

Er ist im Gemeindevorstand und fühlt sich als schwuler Mann zutiefst verletzt durch die Haltung des Vatikans. Für ihn ist es nicht nachvollziehbar, warum die Kirche beispielsweise Autos, Kuscheltiere und Häuser segnet, nicht aber die Liebe zwischen zwei Menschen.

Viele verlieren den Glauben in die Kirche

Priester Ulrich Hinz findet dafür im Gottesdienst deutliche Worte. Jeder habe das Recht, den Segen Gottes zu empfangen. „Eine Kirche, die glaubt, sie könne den göttlichen Segen in eine bestimmte Richtung kanalisieren, handelt gegen das Liebesgebot.“

Coronabedingt spricht er an diesem Abend den Segen für alle aus und nicht für einzelne Paare. Am Ende seiner Predigt gibt es langen Applaus. Richtig überzeugt ist Annika Schneider allerdings nicht. Sie war jahrelang selbst aktiv in der Kirche und ist nach wie vor gläubig. Doch nach ihrem Outing hat sie den Glauben an die Kirche verloren. „Es war heute ein nettes Zeichen, aber da fehlen noch so viele Schritte, da werde ich nicht jubelnd sagen, juhu ihr habt mich zurück.‘“

Ihr war es trotzdem wichtig, die Aktion #liebegewinnt zu unterstützen. Auch wenn es für sie nur ein kleiner und symbolischer Schritt in Richtung Gleichberechtigung ist. Es tut sich was.

Motto der Aktion geht auf Song der Kölner Band "Brings" zurück

Zu den Initiatoren der Aktion #liebegewinnt gehören Priester, Diakone und Ehrenamtliche. Auch Theologen und die katholische Reformbewegung Maria 2.0 unterstützen die Aktion, deren Motto "Liebe gewinnt" auf einen gleichnamigen Song der Kölner Band "Brings" zurückgeht. Für die Aktion hatte die Band eine Neuauflage ihres Musikvideos mit vor Kirchen gehissten Regenbogenflaggen veröffentlicht.

Alle geplanten Segnungsgottesdienste versammelt die Initiative auf ihrer Internetseite. Deutschlandweit sind es rund 100 Feiern, darunter zahlreiche in NRW - so etwa in Aachen, Dortmund, Köln, Mönchengladbach oder Warendorf. Geplant sind neben analogen Messen, auch Gottesdienste unter freiem Himmel sowie Online-Veranstaltungen.

Bischofskonferenz lehnt "Segnungsgottesdienste" ab

Und was sagt die Deutsche Bischofskonferenz? Ihr Vorsitzender Georg Bätzing lehnte die "Segnungsgottesdienste für Liebende" ab. Öffentliche Aktionen dieser Art seien angesichts der laufenden innerkirchlichen Debatten etwa um die Haltung zur Homosexualität "kein hilfreiches Zeichen". Segnungsgottesdienste eigneten sich nicht für Protestaktionen.

#liebegewinnt: Eine Kirche für alle

WDR 5 Diesseits von Eden 09.05.2021 08:06 Min. Verfügbar bis 07.05.2022 WDR 5 Von Nadja Bascheck


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Stand: 10.05.2021, 21:20

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