Nach Explosion: Helfer aus NRW in Beirut im Einsatz

Nach Explosion: Helfer aus NRW in Beirut im Einsatz

Von Maya Graef

Nach der Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut laufen erste Hilfsmaßnahmen aus Deutschland an. Ein Team aus Such- und Bergungskräften ist am Morgen gelandet.

Am Morgen ist ein Team von knapp 50 ehrenamtlichen Helfern des Technischen Hilfswerks (THW) in Beirut angekommen. Zu den Helfern gehören vor allem Experten für Such- und Bergungseinsätze. Sie haben vier Rettungshunde, Ortungsgeräte und Werkzeug dabei, um sich an der Suche nach Überlebenden zu beteiligen. "In erster Linie ist immer die Hoffnung, Menschen zu retten, Menschen aus den Trümmern herauszuholen", sagt Bertram Bähr, einer der THW-Helfer in Beirut.

Unterstützung bekommt das THW von der Duisburger Hilfsorganisation ISAR mit 60 Helfern. Die beiden Rettungsteam sind am Mittwochabend von Frankfurt am Main aus losgeflogen. Ein Teil von ihnen wird an der Deutschen Botschaft eingesetzt, die durch die Explosion beschädigt wurde.

Die ISAR hat medizinisches Personal in den Libanon geschickt. "Dazu gehört ein ärztliches Team: Notfall- und Intensivmediziner sowie Unfallchirurgen, die mit Traumapatienten erfahren sind", sagte ISAR-Sprecher Peter Kaup. "Ebenfalls zum Team gehören Logistiker und Spezialisten für Gefahrengüter."

Sie alle werden sich um die Verletzten kümmern. Vor allem aber machen sie sich in den Trümmern auf die Suche nach Verschütteten. Denn auch wenn die Explosion dann schon zwei Tage her ist: Hoffnung, Menschen noch lebend zu bergen, bestehe nach wie vor.

"Wenn Menschen durch die Stärke der Explosion nicht gleich zu Tode kommen, können sie durchaus mehrere Tage verschüttet sein. Bis zu drei, vier Tage hat man die Chance, Menschen lebend aus den Trümmern zu retten", sagte ISAR-Sprecher Kaup.

Eine Stadt am Boden. Beirut nach den Explosionen.

WDR aktuell - Der Tag 05.08.2020 10:09 Min. Verfügbar bis 05.08.2021 WDR 3

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Die Malteser sind als Hilfsorganisation bereits vor Ort, weil sie ein Krankenhaus in der libanesischen Hauptstadt betreiben. Die Lage dort sei dramatisch. Ein Sprecher sagte, es fehle an Medikamenten und technischem Gerät. Die Hygienemaßnahmen - auch unter Berücksichtigung von Corona - seien kaum einzuhalten.

Notfälle kaum versorgt, viele Obdachlose

Ähnliches berichte Kristof Kleemann von der Friedrich Naumann-Stiftung in Beirut: "Patienten werden reihenweise an den Krankenhäusern abgewiesen. Auch Leute, die man in Deutschland sofort operieren würde, finden gar keine medizinische Versorgung mehr. Das ist wirklich dramatisch."

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Menschen in der libanesischen Hauptstadt von heute auf morgen obdachlos wurde. "Wir haben jetzt auf einmal hunderttausende von Leuten, die dringend ein Dach über dem Kopf brauchen - die dringend die einfachsten lebensnotwendigen Gegenstände brauchen", sagte Ulrich Wagner vom Deutschen Roten Kreuz in Beirut. Es fehle an Küchenutensilien, Seife und Wasser.

Internationale Hilfe

Auch die Bundeswehr startet einen größer angelegten Hilfseinsatz. Neben Deutschland kommt Hilfe für Beirut auch aus anderen EU-Ländern. Die Niederlande haben 70 Bergungspezialisten entsandt, Griechenland und Zypern eine Mannschaft mit Spürhunden, Russland ein mobiles Krankenhaus und Frankreich schickte tonnenweise Material zur Behandlung von Verletzten.

Das Deutsche Rote Kreuz geht davon aus, dass die Zahl der weit über 135 Toten und etwa 5.000 Verletzten noch weiter steigen wird.

Stand: 06.08.2020, 08:33

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