Giftwolke nach Explosion in Leverkusen? Darum dauert die Analyse so lange

Im Horizont eine dunkel graue Rauchwolke welches den Himmel bedeckt.

Giftwolke nach Explosion in Leverkusen? Darum dauert die Analyse so lange

Von Nina Magoley/Oliver Scheel

Ob und wie giftig die Rauchwolke nach der Explosion in Leverkusen war, ist noch immer unklar. Die Analyse des Staubs dauert noch an. Zumindest einige Fragen lassen sich aber beantworten.

In dem Behälter, der am Dienstag im Leverkusener Chempark explodierte, befanden sich Lösungsmittel. Die dunkle Rauchwolke, die sich daraufhin bildete, stieg hunderte Meter in die Luft und zog dann in nordöstliche Richtung. Anwohner bis ins Ruhrgebiet machen sich nun Sorgen.

Wichtig zu wissen vorab: Rauchwolke bedeutet nicht gleich giftige Niederschläge. Die Konzentration von Schadstoffen verringere sich immer stärker, je weiter die Wolke zieht, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher beim Landesumweltamt LANUV.

Welchen Weg hat die Rauchwolke nach der Explosion genommen?

Das ist nicht ganz einfach zu rekonstruieren, da zum Zeitpunkt der Explosion Teile NRWs unter einer Schleierbewölkung lagen. Anhand von Satellitenbildern sei daher nicht seriös darstellbar, wo die Wolke hinzog, sagt das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR).

Zum Zeitpunkt des Unglücks wehte ein schwacher, bodennaher Wind aus Süden bis Südwesten, der die Wolke zunächst in ein Gebiet zwischen Langenfeld/Hilden und Solingen/Remscheid trieb. Entsprechend wurde zunächst gewarnt, dass es im Laufe des Tages im Bereich der Städte Langenfeld, Hilden, Haan, Mettmann, Wülfrath und Velbert zu einer Geruchsbelästigung kommen könne und Fenster und Türen geschlossen bleiben sollen. Außerdem solle man sich in geschlossenen Räumen aufhalten. Gegen halb eins am Mittag kam die Entwarnung.

Warum ist unklar, welche Substanzen die Wolke enthielt?

Welche Chemikalien in den explodierten Tanks lagerten, ist bekannt: chlorierte Lösungsmittel. Dass man dennoch nicht weiß, welche Substanzen die Rauchwolke enthielt, hat mehrere Gründe: Zum einen muss wohl erst geklärt werden, welche Lösungsmittel genau in welchen Mengen sich in diesem Abfalltank befanden. Zum anderen ist auch entscheidend, bei welchen Temperaturen sie verbrannt sind und wie viel Sauerstoff dabei zur Verfügung stand.

Bislang hat das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (LANUV) lediglich mitgeteilt, man gehe derzeit davon aus, dass möglicherweise Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen in die umliegenden Wohngebiete getragen worden seien. Im Essener Dioxin-Labor des LANUV werden die Proben derzeit untersucht. Analyse-Ergebnisse seien aber voraussichtlich erst frühestens Ende der Woche zu erwarten.

Warum dauert die Analyse des Niederschlags aus der Wolke so lange?

Das Zerlegen der Proben in einzelne Stoffe sei ein sehr aufwändiger Prozess, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher beim LANUV. Die Feststoffe, die im Labor gelandet sind, müssten zunächst aufbereitet werden, indem die einzelnen enthaltenen Stoffe heraus gelöst werden. Das dauere viele Stunden. Dann wird aus den gelösten Stoffen die Konzentration berechnet.

Möglicherweise, so der Sprecher, dauere es sogar noch bis nächste Woche, bis die Ergebnisse vorliegen.

Wie weit haben sich die Rußpartikel der Wolke verbreitet?

Auch das wird noch geprüft. Die Stadt Leverkusen sammele immer noch Meldungen von Anwohnern, die Staub oder Ruß entdeckt haben, sagt eine Sprecherin. Demnach hat es in Leverkusen vor allem in den Stadtteilen Bürrig und Küppersteg, also zwischen den Autobahnen 1 und 3, Niederschläge aus der Wolke gegeben. Auch aus Leverkusen-Quetting und -Lützenkirchen seien Meldungen gekommen, "aber weniger".

Darüber hinaus hätten sich auch Menschen aus Solingen, Wuppertal oder Bochum gemeldet. Ob dort wirklich Staub niedergegangen ist, der aus der Rauchwolke kam, sei aber noch nicht überprüft.

Auch beim Verursacher der Explosion, der Firma Currenta im Chempark Leverkusen, können Anwohner auf der Hotline 0214 - 2605 99333 ihre Beobachtungen melden.

Stand: 29.07.2021, 15:03

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