Verschwendung von Lebensmitteln: Weitergeben statt wegwerfen

Strategien gegen Lebensmittelverschwendung WDR aktuell 20.02.2019 01:26 Min. Verfügbar bis 20.02.2020 WDR

Verschwendung von Lebensmitteln: Weitergeben statt wegwerfen

Von Ingo Neumayer

  • Jeder Deutsche wirft im Jahr im Schnitt 55 Kilo Lebensmittel weg
  • Bundesernährungsministerin Klöckner will Verschwendung bis 2030 halbieren
  • Viele private Initiativen in NRW

Was haben 55 Packungen Mehl, 220 Stücke Butter und 550 Tafeln Schokolade gemeinsam? Das Gewicht beträgt jeweils 55 Kilogramm – und entspricht somit ungefähr der Menge an Lebensmitteln, die jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr in die Tonne wirft.

Eine Belastung für die Umwelt, für den Geldbeutel und für das Gewissen - die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) reduzieren will. Bis 2030 sollen Einzelhändler und Verbraucher ihre Lebensmittelabfälle um die Hälfte reduzieren. Das sieht ein Beschluss vor, den das Bundeskabinett am Mittwoch (20.02.2019) verabschiedet hat.

"Alles aufessen" im Restaurant

Unter anderem soll mit der Aktion "Zu gut für die Tonne!" eine Sensibilisierung stattfinden und besondere Projekte ausgezeichnet werden. 2019 ist unter anderem das Restaurant "Cassius Garten" in Bonn für den Preis des Ministeriums nominiert.

Die Vorschriften des Gesundheitsamts besagen, dass zubereitete Lebensmittel, die nicht verkauft werden, am Abend entsorgt werden müssen. Das wären im "Cassius Garten" täglich ungefähr 50 Kilogramm.

Um das zu verhindern, hat Geschäftsführer Jan Lüth die Aktion "Alles aufessen" ins Leben gerufen. 15 Minuten vor Ladenschluss kann man sich für fünf Euro einen Behälter vollmachen mit allem, was das Büffet noch hergibt.

Am Ende profitieren alle: Der "Cassius Garten" muss keine Reste wegwerfen und die späten Gäste bekommen gesunde Vollwertkost zu einem Viertel des normalen Preises.

Salami wegen Urlaubs zu verschenken

Auch Initiativen wie "Foodsharing" aus Köln tragen dazu bei, die Verschwendung zu verringern. Der Verein arbeitet bundesweit mit so genannten "Foodsavern" zusammen.

ARCHIV 05.10.2017. In einer Kiste auf der Ladentheke liegen reduzierte Lebensmittel mit kleinen Schönheitsfehlern und abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum als Aktion gegen Lebensmittelverschwendung.

Lebensmittel verteilen statt wegwerfen

Diese holen Lebensmittel ab, die nicht mehr verkauft werden, aber noch genießbar sind - bei Händlern und Produzenten, in Kantinen und Restaurants. Die Lebensmittel werden dann weiterverteilt an Tafeln, Vereine und Suppenküchen.

Soziale Medien sind ebenfalls eine Möglichkeit, Lebensmittel schnell und unkompliziert weiterzureichen. So gibt es in nahezu allen größeren NRW-Städten lokale Foodsharing-Facebook-Gruppen. "Fahre kurzfristig in Urlaub, wer braucht 1 Liter Milch, 2 Erdbeerjoghurts und eine halbe Salami?" – Angebote wie diese finden sich dort viele.

Geben und Nehmen über "Fair-Teiler"

Noch einfacher funktioniert der Austausch über so genannte "Fair-Teiler". Das sind Kühlschränke, Regale oder Kisten, die öffentlich zugänglich sind: In Vereinsräumen, Kirchen, Bildungsstätten oder manchmal auch an öffentlichen Plätzen. Freiwillige kümmern sich um die Hygiene und Sauberkeit der "Fair-Teiler".

Stand: 20.02.2019, 14:01

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