Krieg und Inflation: Preissprung auch bei Lebensmitteln

Stand: 11.03.2022, 21:03 Uhr

Bei den derzeitigen Spritpreisen stockt Autofahrern der Atem. Doch Verbraucher müssen wegen des Kriegs in der Ukraine und der Inflation auch bei Lebensmitteln tiefer in die Tasche greifen.

Schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar rechnete das Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts "ifo" mit deutlichen Preissteigerungen bei Lebensmitteln - bedingt durch die Inflation, die in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei derzeit 5,1 Prozent liegt.

Kleine Brötchen - größere Preise

Bäcker Klaus Hövelmann

Bäcker Klaus Hövelmann

Das fängt im Kleinen an. Ein Beispiel: Der Recklinghäuser Bäcker Klaus Hövelmann wird seine Brötchen und Brote in den kommenden Tagen um bis zu zehn Cent teurer verkaufen müssen. Der Grund sind die gestiegenen Weizenpreise. Hövelmann: "In der Ukraine werden 15 Prozent des weltweiten Weizens angebaut – und davon wird dieses Jahr nichts ankommen."

Extreme Preissteigerung bei Weizen

Auch Russland gehört zu den wichtigsten Getreide-Exporteuren. Die Sorge, dass es wegen des Kriegs in der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland zu Lieferausfällen kommt, trieb die Börsenpreise für Weizen auf neue Höchststände. Der Preis für eine Tonne Weizen war an der Warenterminbörse (MATIF) in Paris innerhalb weniger Tage von 290 Euro auf mehr als 400 Euro die Tonne gestiegen und pendelte sich in diesem Bereich ein.

Dabei wird in Deutschland genug Weizen angebaut, dass sich das Land selbst versorgen kann. "Aber wenn wichtige Weizen-Exporteure wie die Ukraine und Russland teilweise ausfallen, wird Weizen weltweit knapper und dadurch steigen auch bei uns die Preise", sagt Ute Schyns von der WDR-Wirtschaftsredaktion.

Preissteigerung durch Ukraine-Krieg: Was wird teurer?

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.03.2022 04:05 Min. Verfügbar bis 12.03.2023 WDR 5


Download

Kostenfaktor Mais

Ein wichtiger Kostenfaktor ist auch Mais. Laut Agrarinformationsgesellschaft AMI in Bonn kam rund die Hälfte der Maisimporte nach Deutschland im vergangenen Wirtschaftsjahr aus der Ukraine.

Mais wird von den Landwirten vor allem als Futter für Kühe, Schweine und Hühner benötigt und lässt sich nicht so leicht durch Lieferungen aus anderen Ländern ersetzen. Das bedeutet: Auch der Mais dürfte teurer werden und somit den Preis für andere Lebensmittel hochtreiben.

Hungersnöte drohen

Die wirtschaftliche Unsicherheit ist groß. "Weizen, Gerste, Mais, Ölsaaten könnten weltweit knapp werden. Die Preise an den internationalen Rohstoffbörsen gehen durch die Decke", sagt WDR-Wirtschaftsredakteurin Ute Schyns. Für viele Länder zum Beispiel in Afrika ist das ein noch deutlich größeres Problem. Die Welternährungsorganisation (WFP) warnt bereits vor drohenden Hungersnöten im globalen Süden.

Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

Cem Özdemir

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) beriet sich deshalb mit Kollegen der G7-Staaten. Ein Fünf-Punkte-Plan soll die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln sicherstellen, die einzelnen Länder unabhängiger vom Weltmarkt machen.

Özdemir sagte dazu: "Wir arbeiten zusammen, um Transportprobleme für Lebensmittel oder die Rohstoffproduktion zu lösen. Und wir verpflichten uns dazu, alle restriktiven Signale und Maßnahmen, die Exporte beschränken und zu weiteren Preissteigerungen führen, zu vermeiden."

Preistreiber Energie

Ein weiterer Preistreiber auch in Deutschland sind die immens gestiegenen Energiekosten, die nicht nur Autofahrer zu spüren bekommen, sondern auch Produzenten und Verbraucher.

Ein Übriges tut die Inflation. Manche Volkswirte schließen eine Sieben vor dem Komma bei der Teuerungsrate in Deutschland in den kommenden Monaten nicht aus.

Aktuelle TV-Sendungen