Sollte Lebensmittel-Retten aus dem Supermarkt-Müll erlaubt werden?

Containern

Sollte Lebensmittel-Retten aus dem Supermarkt-Müll erlaubt werden?

  • Vorstoß: Hamburg will Lebensmittel-Retten aus dem Supermarkt legalisieren
  • NRW aus strafrechtlichen Gründen dagegen
  • Vier Millionen Tonnen genießbares Essen landen jährlich in NRW im Müll

Vier Millionen Tonnen genießbares Essen landen jedes Jahr in NRW im Müll. Doch wer weggeworfene Nahrungsmittel aus den Müllcontainern von Supermärkten sammelt, macht sich strafbar. Das sogenannte "Containern" ist rechtlich gesehen nicht nur Hausfriedensbruch, sondern auch Diebstahl.

Keine Zustimmung aus NRW

Zwei Mülltaucher in einem Supermarkt-Hinterhof.

Sollte Müll-Tauchen legalisiert werden?

Dagegen regt sich nun Widerstand: Der Hamburger Justizminister Till Steffen will auf der Landesministerkonferenz nächste Woche vorschlagen, das "Containern" zu legalisieren. Laut NRW-Justizministerium stößt der Vorschlag allerdings auf wenig Zustimmung. Es deute sich an, dass viele Länder dagegen stimmen werden, so ein Sprecher am Freitag (31.05.2019) gegenüber dem WDR. Es gebe zu viele strafrechtliche und haftungsrechtliche Bedenken.

Container vor "Mülltauchern" gesichert

"Grundsätzlich kommt es in unseren Märkten eher selten zum 'Containern'", erklärt dazu eine Sprecherin der in Köln sitzenden Rewegroup. Auch gebe man zu bedenken, dass verdorbene Ware, "weder aus ethisch-moralischen noch aus juristischen Gründen abgegeben werden könne." Unter bestimmten Bedingungen könnten sich bedenkliche Schimmelsporen bilden, die die "Mülltaucher" nicht erkennen. "Aus diesem Grund sind die Marktverantwortlichen angehalten, die Müllcontainer vor dem Zugriff Dritter zu sichern."

ARCHIV 05.10.2017. In einer Kiste auf der Ladentheke liegen reduzierte Lebensmittel mit kleinen Schönheitsfehlern und abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum als Aktion gegen Lebensmittelverschwendung.

Nach eigenen Angaben verkaufen die Lebensmittelketten Rewe und Penny im Schnitt 99 Prozent ihrer Lebensmittel. Der Großteil des verbleibenden Prozents werde kostenlos lokalen Tafeln zur Verfügung gestellt. "Das gilt für Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber dennoch bedenkenlos verzehrt werden können", so die Rewegroup-Sprecherin weiter.

Kreative Ideen gegen Lebensmittelverschwendung

Es gibt noch andere Ideen, um der Lebensmittelverschwendung entgegen zu steuern. So können im Bonner Restaurant "Cassius Garten" die Gäste kurz vor Ladenschluss preisreduzierte Reste mitnehmen.

Discounter Penny vermarktet Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern. Außerdem wirbt man dort dafür, das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht als Wegwerfdatum zu begreifen und hat auf seinen Milchprodukten entsprechende Hinweise aufgedruckt.

Das Team Foodtracks in Münster will Bäckereien mittels einer Software effizienter machen, damit weniger Brot und Brötchen im Müll landen.

Alle drei Initiatoren bekamen dafür übrigens den "Zu gut für die Tonne-Preis 2019" vom Bundesministerium verliehen.

Fair-Teiler in Düsseldorf unterwegs

Ein Mann hält eine Kiste mit Gemüse

Auch immer mehr Bürger engagieren sich gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln. In Düsseldorf sind zum Beispiel "Fair-Teiler" unterwegs. Die Ehrenamtlichen fahren nach Feierabend zu Supermärkten und Bauernhöfen, um dort Gemüse oder nicht verkauftes Brot einzusammeln, um es dann an "Fair-Teiler-Stationen" anzubieten. Das sind Kühlschränke, Regale oder Kisten, die öffentlich zugänglich sind.

Ideen gegen Verschwendung in Europa - Adoptiere einen Orangenbaum! | Club28 COSMO Video 16.05.2019 11:51 Min. Verfügbar bis 16.05.2020 COSMO

Stand: 31.05.2019, 11:50

Kommentare zum Thema

10 Kommentare

  • 10 Heiko Weiershäuser 01.06.2019, 12:15 Uhr

    Andersrum müsste es sein: Das Vernichten von Lebensmitteln sollte unter Strafe verboten sein ;-)

  • 9 Anne 01.06.2019, 08:22 Uhr

    Wenn sich Menschen die Mühe machen in Containern nach Lebensmitteln zu tauchen , muss das auf jeden Fall straffrei sein. Es ist ihre Eigenverantwortung sie zu verzehren. Manche Leute tun dies aus einer Notlage heraus, andere um verwertbare Lebensmitteln zu nutzen.

  • 8 Holger 31.05.2019, 21:45 Uhr

    Es gibt doch schon reichlich Ansätze, um nicht mehr verkäufliche Ware noch an den Konsumenten zu bringen - z.B. To good to go. Warum wird das nicht einfach weiter entwickelt?

  • 7 Günter 31.05.2019, 20:48 Uhr

    Also ich denke hier greift das GG. Eigentum verpflichtet. Ja wozu verpflichtet es den? Zum ausnutzen der Notlagen anderer Menschen? Zum Vorrecht Lebensmittel einfach wegzuschmeißen? Oder eben zum verantwortungsvollem Umgang mit Lebensmittel zum Wohle aller.

  • 6 A. Dicke 31.05.2019, 20:04 Uhr

    Ja! Lebensmittel wegschmeißen geht gar nicht.

  • 5 Sonnenreiter 31.05.2019, 19:00 Uhr

    Mal ganz ehrlich, die die entscheiden das Containern strafbar ist/ bleibt haben noch nie zu wenig geld gehabt um den Kühlschrank zu füllen. Das entscheiden Menschen die nichts mit der Realität derer zu tun haben die damit überleben, und ja auch hier gibt es noch Menschen die ab Mitte des Monats den Kühlschrank leer haben (auch ohne Alkohol oder Zigaretten Konsum) Und andere werfen Lebensmittel weg. Das sollte für alle Geschäfte Verboten Werden, so wie es schon Frankreich vor macht. Und der Umwelt nehmen wie mal den CO2 Ausstoß bei der Produktion, Verarbeitung, Transport, Lagerung/Kühlung. Und das alles für die Tonne? Viele Tafeln können keine neuen Kunden an nehmen weil nicht genug Lebensmittel da sind.....

  • 4 vgb 31.05.2019, 17:11 Uhr

    Anders herum! Wer Lebensmittel wegwirft, statt sie einem sozialen Zweck zuzuführen, sollte bestraft werden.

  • 3 Fausten 31.05.2019, 13:04 Uhr

    gemäß der Berichtung handelt es sich wohl mal wieder nur theoretische (rechtlich ...) Ansichten. Wenn sich u.a. NRW sträubt, dann hat Herr Laschet und die Politik in NRW und die Bundespolitik die Europa-Wahl von letztem WE m.E. immmer noch nicht begriffen ! Kenne persönlich Bauern, die die Wegwerfmentalität, in erster Linie Edeka, Rewe ...Diskounter-Läden ... und wir als Verbraucher als "Weltuntergang" bezeichnen.

  • 2 Frank 31.05.2019, 13:03 Uhr

    Supermärkte sollten die Lebensmittel gar nicht erst wegwerfen, sondern zur freien Mitnahme auslegen. Aber wir Verbraucher müssen auch umdenken und dürfen nicht mehr erwarten, zu jederzeit ein riesiges Angebot vorzufinden. Wir erwarten ja, dass auch kurz vor Ladenschluss noch jede Marke und jede Sorte ausreichend vorhanden ist.

  • 1 Vorschlag 31.05.2019, 12:26 Uhr

    Nein. Die Akteure sollten die Supermärkte ansprechen, und die Lebensmittel sollten nicht den Weg über die Tonne gehen.

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