Leben nach der Flut - Es tut sich was in Euskirchen

Die Euskirchener Fußgängerzone sechs Wochen nach der Flut

Leben nach der Flut - Es tut sich was in Euskirchen

Nach der Flutkatastrophe begleiten wir Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt ein zweites Mal. Welche Fortschritte gibt es schon? Was haben die Euskirchener aus der Flut gelernt?

Bevor die Flut kam, hat Ernst Braun in seinem Fachwerkhaus in Euskirchen-Schweinheim nie nasse Füße bekommen. Jetzt, wo das Wasser wieder raus ist, ist von seinem und Gertrud Reimbolds Haus nicht mehr viel übrig. Kabel hängen aus den nackten Wänden, die Decken werden gestützt, und an einigen Stellen stehen nur noch rohe Holzbalken.

älterer Mann mit Brille

"Das Dorf ist zusammengerückt"

Aber immerhin gab es gerade einen neuen Fußboden: "Ein kleiner Schritt, das ist toll," sagt Gertrud Reimbold. Sie hofft, dass das Haus bis zum Frühsommer wieder bewohnbar ist.

Bürgermeister Sacha Reichelt schaut sich die Fortschritte an: "Das Fachwerk ist viel robuster gewesen, als ich mir das vorgestellt hätte. Und ich bin mir sicher, das kann alles wieder aufgebaut werden." Der Bürgermeister hört immer wieder, dass die Euskirchener zusammenhalten. Auch Ernst Braun, der seit 68 Jahren in Schweinheim wohnt, hat den Eindruck, dass das Dorf durch das Hochwasser zusammengerückt ist. "Man lernt die Leute besser kennen, die man vorher nur durchs Dorf hat fahren sehen. Jetzt kennt man sie beim Namen."

Der Wiederaufbau kostet

Die Renovierung der Häuser und des ganzen Ortes kostet viel Geld. Was es bisher an Hilfen gibt, reicht nach Ansicht von Krisenmanager Reichelt nicht aus: "Wir haben die Soforthilfe vom Land nochmal mit einem eigenen Soforthilfeprogramm aufgestockt, aber das kann nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein." Reichelt hofft, dass das Geld aus dem 30-Milliarden-Hilfspaket des Bundes bald fließt.

Sacha Reichelt

Bürgermeister Reichelt: Es wird jeden Tag besser

In der Innenstadt hat eine Bäckerei wiedereröffnet; Bürgermeister Sacha Reichelt hofft, dass bis zur Weihnachtszeit weitere Geschäfte dazukommen. "Man merkt, dass es weitergeht. Es wird jeden Tag etwas besser."

Lehren aus der Flut

Was hat Euskirchen aus der Katastrophe fürs nächste Mal gelernt? "Wir brauchen eine Notfallkommunikation. Und Führungs-Management, damit die ganzen Hilfsorganisationen besser verzahnt werden," meint CDU-Lokalpolitiker Hubert Küpper. Ein Gastronom ist indes zufrieden mit dem Krisenmanagement der Stadt, die habe sich wochenlang darum gekümmert, dass der Müll von den Straßen verschwand. Auch wenn er immer noch aufräumt und Fliesen und Estrich noch rausmüssen, will er sein italienisches Restaurant am 24. Dezember wieder öffnen.

Die Euskirchener Feuerwehr konnte, genauso wie die Bürger, in den ersten Tagen nach dem Hochwasser weder telefonieren noch übers Internet kommunizieren und wünscht sich deshalb bessere Kommunikationsmöglichkeiten für den nächsten Katastrophenfall: "Wir brauchen Satellitentechnik, so dass man auch entlegene Orte wie die Steinbachtalsperre besser erreichen kann," fordert ein Feuerwehrmann.

Eines ist sicher: Bürgermeister Sacha Reichelt wird noch lange mit den Folgen der Flut zu tun haben. "Besser und anders hätte man im Nachhinein immer Dinge machen können. Aber ich bin der Überzeugung, dass wir zu jedem Zeitpunkt alles gemacht haben, was möglich gewesen ist."

Stand: 08.09.2021, 06:00

Aktuelle TV-Sendungen