CDU-Vorstand für Laschet als Kanzlerkandidat

CDU-Vorstand für Laschet als Kanzlerkandidat

Von Rainer Striewski

Der CDU-Bundesvorstand hat sich in der Nacht klar und mehrheitlich für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Vorausgegangen war eine stundenlange, kontroverse Debatte.

Es war die wohl längste und angespannteste Vorstandssitzung, an die sich einige Teilnehmer erinnern konnten: Über sechs Stunden hatte der CDU-Bundesvorstand Montagabend in Berlin darüber beraten, wer die Union als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf führen soll: CDU-Chef Armin Laschet oder CSU-Chef Markus Söder?

Erst weit nach Mitternacht konnten sich die größtenteils per Video zugeschalteten Teilnehmer auf das weitere Vorgehen und dann auch ein Ergebnis verständigen: In geheimer Abstimmung sprachen sich 31 Vorstandsmitglieder für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union aus. Neun stimmten für Söder, sechs Teilnehmer enthielten sich. Damit erhielt Laschet eine Zustimmung von 77,5 Prozent.

CDU-Chef Laschet hatte die Sondersitzung am Montag kurzfristig einberufen - und dabei offenbar auf eine Entscheidung der "K-Frage" noch am selben Abend bestanden. Daraufhin war es in dem Gremium zu einem stundenlangen Schlagabtausch zwischen den Befürwortern von Armin Laschet und Markus Söder gekommen. Während sich die Laschet-Unterstützer wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble oder Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus für eine schnelle Entscheidung aussprachen, drückten die Söder-Unterstützer auf die Bremse.

Entscheidung an der Basis oder im Bundesvorstand?

Wirtschaftsminister Peter Altmaier

Altmaier für Basis-Befragung

So sprach sich etwa Wirtschaftsminister Peter Altmaier nach Informationen aus Teilnehmerkreisen dafür aus, erst die Basis anzuhören. Dort wird eine größere Unterstützung für Markus Söder vermutet. Der CDU-Bundesvorstand hatte sich hingegen letzte Woche bereits - allerdings noch ohne Abstimmung - hinter Armin Laschet gestellt. Deshalb wollten die Söder-Unterstützer eine Abstimmung in diesem Gremium verhindern, setzten vielmehr auf die Einbindung der Basis, etwa der CDU-Kreisvorsitzenden. Doch mit dem Vorschlag konnten sich die Befürworter letztlich nicht durchsetzen.

Stimmung in den Ländern unterschiedlich

Besonders die ostdeutschen CDU-Politiker zeichneten in der Vorstandssitzung ein unterschiedliches Bild über die Stimmung in ihren Ländern. Reiner Haseloff, der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, wies nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auf eine große Unterstützung der Parteibasis für CSU-Chef Markus Söder im Osten hin. Der Fraktionschef der CDU in Brandenburg, Jan Redmann, habe sich daraufhin klar für CDU-Chef Armin Laschet als Kanzlerkandidaten eingesetzt. "Ich widerspreche Reiner Haseloff ausdrücklich. Im Osten gibt es ein gemischtes Bild", wird Redmann zitiert.

Markus Söder und Armin Laschet gehen gemeinsam zur Klausurtagung des Geschäftsführenden Vorstands der Unionsfraktion im Bundestag.

Laschet oder Söder?

Aber auch in den westdeutschen Ländern ist die Stimmung nicht eindeutig. So berichtete der baden-württembergische CDU-Vorsitzende Thomas Strobl laut Teilnehmer von einem gemischten Bild in Baden-Württemberg. Es gebe Unternehmer, die für CSU-Chef Söder seien. Und es gebe Menschen und Familienunternehmer, die ihn beknieten, Laschet zum Kanzlerkandidaten zu machen, so Strobl.

CSU überließ Entscheidung der CDU

Nach acht Tagen Machtkampf zwischen CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder hatte die CSU die Entscheidung über die "K-Frage" am Montagnachmittag in die Hand der Schwesterpartei gelegt. Die CDU entscheide jetzt "souverän", erklärte Söder nach einer Präsidiumssitzung seiner Partei in München. Und er betonte: "Wir als CSU und auch ich respektieren jede Entscheidung."

Stand: 20.04.2021, 00:45

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen