Kommentar: Laschet lacht in Erftstadt und entschuldigt sich

Laschet erklärt sich nach #laschetlacht Aktuelle Stunde 18.07.2021 Verfügbar bis 25.07.2021 WDR Von Susanna Zdrzalek

Kommentar: Laschet lacht in Erftstadt und entschuldigt sich

Von Norbert Dohn

Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit ernster Miene den Betroffenen in der Katastrophenregion Erftstadt Solidarität und Hilfe verspricht - lacht Armin Laschet (CDU) im Hintergrund. Er verspielt Sympathien - meint unser Kommentator.

Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen lacht. Kein Schmunzeln, kein zurückhaltendes Grinsen: Er lacht! Ist vergnügt, so wie sich das manchmal für eine rheinische Frohnatur gehört. Um ihn herum sechs Menschen, nicht alle lachen mit, wirken so heiter wie er. Wie der Ministerpräsident dieses Landes.

Ein Land, das derzeit trauert. Ernsthaft trauert. Das all denen die Würde erweist, die in diesen Tagen so viel verloren haben. Ihre Häuser, ihre Existenz! Und ihre Angehörigen: Mutter, Vater, Tochter. Diese Schicksale berühren so viele. Die Worte, die Frank-Walter Steinmeier zu den Menschen in Erftstadt spricht, sollen der Trauer Solidarität erweisen. Und sie sollen gut tun. Einfach nur gut tun. Diesen Worten, die der Bundespräsident spricht, muss man Respekt zollen. Ja, Respekt, denn es ist der Respekt, der in diesem Moment den Opfern gehört. Dass dabei jemand lacht ist ungehörig. So respektlos.

Armin Laschet bewirbt sich um das mächtigste politische Amt in Deutschland. Das Amt des Bundeskanzlers. Wer dieses Amt ausübt, muss bei öffentlichen Auftritten, durch Reden und manchmal durch kleine Gesten überzeugen. Authentisch sein. Worte müssen glaubhaft sein. Hier und auf der ganzen Welt. Jeder muss sich deshalb die Frage stellen, ob er das kann, ob wir ihm das zutrauen. Denn genau dafür ist der Wahlkampf da. Vieles wird vorbereitet. Wahlkampfmanager besprechen Verhalten und inszenieren den Kandidaten. Es gibt nur wenige Augenblicke in denen das Licht ehrlich auf den Bewerber fällt. Heute war solch ein Moment.

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Manche Opfer in Erftstadt, in Ahrweiler und all den Städten und Orten, in denen das Hochwasser gnadenlos zuschlug, hatten vielleicht nur noch eines. Den Glauben an die ernsthafte Anteilnahme der politischen Repräsentanten. Dieser Glaube wurde einigen heute genommen. Durch ihren Landesvater.

Ach ja, Armin Laschet hat sich heute entschuldigt. Auf Twitter. Ernsthaft entschuldigt. Niemandem steht zu, das zu bewerten. Lediglich den Opfern der Katastrophe, ob sie diese Entschuldigung annehmen.

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Stand: 17.07.2021, 22:33

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