Laschet statt Söder - CDU-Basis sauer: "Können Plakate alleine kleben"

Laschet statt Söder - CDU-Basis sauer: "Können Plakate alleine kleben"

Von Oliver Scheel

Die CDU-Spitze hat sich für Armin Laschet als Kanzlerkandidat der Union entschieden. Parteianhänger und -mitglieder reagieren sauer und hämisch. Steht die Partei-Basis hinter Laschet?

Der CDU-Vorstand hat entschieden. In der Nacht zum Dienstag stimmte die Spitze der Partei für ihren seit drei Monaten amtierenden Vorsitzenden Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union. Es wirkt wie ein Sieg ohne Glanz - auch wenn der unterlegene Kandidat, CSU-Chef Markus Söder, am Mittag danach Laschet gratuliert und ihm Unterstützung zusagt.

Vor allem die Basis der Partei scheint - trotz des deutlichen Votums der CDU-Spitze - nicht zufrieden mit dem Ergebnis zu sein.

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Unterschiedliche Reaktionen innerhalb der CDU

Armin Laschet (CDU) adressiert die Medien, zieht währenddessen seine Maske ab.

CDU-Chef Armin Laschet tritt als Kanzlerkandidat an

"Das ist nun wirklich ein klares Ergebnis, das, denke ich, auch von allen akzeptiert wird", sagte der frühere Generalsekretär Ruprecht Polenz dem Bayerischen Rundfunk. Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte wertet dagegen das Votum der CDU-Spitze als "Entscheidung gegen die CDU-Basis". Die Stimmung in Thüringen sowie in mehreren anderen Landesverbänden sei nach wie vor deutlich für CSU-Chef Söder als Kanzlerkandidat.

Auf Twitter sparen viele CDU-Anhänger nicht mit Häme und gehen offen auf Konfrontation zur Parteispitze. Hat der CDU-Vorstand die Rechnung ohne die Basis gemacht? Und wie kann die Basis sich in Zeiten der Pandemie überhaupt Gehör verschaffen?

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Parteibasis wird in Pandemie-Zeiten weniger gehört

Die einfachen CDU-Mitglieder sehen offenbar ihre Einflussmöglichkeiten schwinden. In Zeiten der Corona-Pandemie gibt es keine Treffen an der Basis. Für die einfachen Parteimitglieder ist es somit schwierig, wahrgenommen zu werden.

Mathias Heidtmann von der CDU Remscheid sieht trotz der erschwerten Bedingungen für die Ortsverbände keine Spaltung: "Natürlich gibt es in den Ortsverbänden beide Meinungen, aber mein Eindruck ist nicht, dass es da geschlossene Lager für Söder gibt. Die am lautesten sind, haben nicht immer auch die Mehrheit. Man muss die Kandidaten nach ihrem politischen Handeln beurteilen", sagte er dem WDR.

CDU-Politiker Heidtmann: "Müssen die Partei nun einen"

Heidtmann sei froh, dass die K-Frage nun endlich entschieden ist: "Prinzipiell ist es ja gut, wenn zwei Personen bereit sind, das Kanzleramt zu übernehmen. Wir müssen nun dafür sorgen, dass wir die Partei einen. Und da hat Armin Laschet mein Vertrauen, dass er das kann."

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Unter #LaschetvsSöder gibt es viel Kritik

Doch das Netz spricht eine andere Sprache. Viele nutzen die sozialen Medien, um ihrem Ärger Luft zu machen. Unter dem Hashtag #LaschetvsSöder hagelt es Austrittsbekundungen und Vorwürfe.

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Unterstützung bekommt die verärgerte Parteibasis aus Bayern: "Fünf Monate vor der Bundestagswahl einen Beschluss gegen die eigene Basis zu fassen, ist schon sehr bemerkenswert", sagte Bayerns Finanzminister Albert Füracker von der CSU.

CDU-Stadtverband Erkelenz: "Es gilt nun, Transparenz herzustellen"

Für Peter London vom CDU-Stadtverband Erkelenz gehe es in der Arbeit mit den Ortsverbänden jetzt darum, die Wogen zu glätten und größtmögliche Transparenz herzustellen. "Man muss immer mit Widersprüchen rechnen", sagte der Stadtverbands-Vorsitzende dem WDR. "Vielleicht treten jetzt Mitglieder aus, vielleicht gewinnen wir aber auch neue hinzu. Egal, wer nun als Kandidat zur Verfügung steht, wir unterstützen ihn", sagte London und verwies auf Friedrich Merz, der nach seiner Niederlage im Kampf um den Bundesvorsitz jetzt Laschet bis zur Bundestagswahl am 26. September unterstütze. "Wir müssen einfach schauen, dass wir unseren Kandidaten gut transportiert bekommen."

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Die CDU beschwört wieder einmal Geschlossenheit. Es ist kein leichter Start für Armin Laschet in den Wahlkampf. Oder wie die österreichische Tageszeitung "Die Presse" am Mittwoch kommentiert: "In Umfragen kann Laschet fast nur zulegen. Das Loch, aus dem er startet, ist tief."

Stand: 21.04.2021, 06:23

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