Kritik an Wahlwerbe-Video der CDU mit "Querdenker"

Armin Laschet in Erfurt

Kritik an Wahlwerbe-Video der CDU mit "Querdenker"

Ein neues CDU-Wahlwerbe-Video, in dem Armin Laschet mit einem Mann aus der "Querdenker"-Szene spricht, erntet heftige Kritik. Während die CDU den Spot verteidigt, fordern die Landtags-Grünen eine Reaktion von Kanzlerkandidat Laschet.

Im Endspurt eines Wahlkampfes ist gutes Timing nicht verkehrt. Sei es bei der Schlagfertigkeit und Souveränität der Spitzenkandidaten oder bei den Wahlwerbe-Videos ihrer Partei. Auf den letzten Metern zur Stimmabgabe - per Brief oder an der Urne - wird der CDU jetzt alles andere als ein glückliches Händchen bescheinigt.

Mann aus "Querdenker-Szene" auf Laschets Bühne

In dem Spot heißt es: "Erst denken, dann reden. Und auch mit denen, die eine kritische Haltung haben." Zu sehen ist dabei, wie während eines Wahlkampfauftritts von Laschet in Erfurt ein Mann aus der "Querdenker"-Szene auf die Bühne stürmt - Laschet stellt sich der Situation. Für seine souveräne Reaktion bekam er zunächst durchaus Lob.

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Inzwischen weiß man aber: Der ehemalige Busfahrer aus Thüringen wurde durch eine Aktion im September 2020 bekannt. Er hatte Kinder im Schulbus aufgefordert, ihre Masken abzunehmen. Auf seinem Kanal im Messengerdienst Telegram vergleicht er die Corona-Maßnahmen mit der Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus - und zeigt sich neben einem als "Volkslehrer" bekannt gewordenen Rechtsextremisten. Vor wenigen Tagen teilte er einen Aufruf, in der Region Stuttgart einen Impfbus zu "verjagen". Im CDU-Wahlwerbesport wird dem Mann trotzdem eine "kritische Haltung" bescheinigt.

Ehemaliger Ethikrats-Vorsitzender ist entsetzt

Neben dem Hintergrund des Mannes ist vor allem der Zeitpunkt der Video-Veröffentlichung problematisch. Am Samstag ist in Idar-Oberstein ein 20-jähriger Tankstellen-Mitarbeiter mutmaßlich von einem Maskengegner aus der "Querdenker"-Szene erschossen worden ist - der von sich sagt, er sei enttäuschter CDU-Wähler.

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Der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, zeigte sich entsetzt, dass die CDU "nach dem fürchterlichen Terror-Mord von Idar-Oberstein" an dem Werbespot festhalte. Kritik kommt auch von SPD und Grünen, die sich zuvor noch mit Laschet solidarisiert hatten, als ein Mordaufruf gegen ihn auf einem Wahlplakat bekannt wird.

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CDU findet Umgang mit kritischen Stimmen gelungen

Bei den Christdemokraten selbst betrachtet man den Umgang mit kritischen Stimmen in dem Video als gelungen. In der CDU heißt es, bei den Mitgliedern komme das Video sehr gut an. Die Szene mit dem "Querdenker" sei aus dem Wahlkampf in Erinnerung geblieben. Sie zeige, dass Laschet keinem Konflikt aus dem Wege gehe.

Grüne warnen vor Gefahr durch "Querdenker"

Verena Schäffer

Grünen-Fraktionschefin Verena Schäffer

Scharfe Kritik kommt von den Grünen im NRW-Landtag. Grünen-Fraktionsvorsitzende Verena Schäffer sagte am Mittwoch: "Verschwörungsmythen können tödlich enden." Sie verwies in ihrer Mitteilung auch auf die Tötung des Tankstellenkassierers in Idar-Oberstein.

"Die Attentäter der Anschläge von Halle und Hanau haben neben rechtsextremen Einstellungen auch Verschwörungsmythen propagiert. Daher ist es mir unverständlich, wie Ministerpräsident Armin Laschet jetzt auch noch in einem Wahlwerbe-Video eine Sequenz mit einem bekannten ‚Querdenker‘ verwendet", sagte Schäffer, die auch Innenexpertin ihrer Fraktion ist. Die Ideologie der "Querdenker" sei nicht einfach eine kritische Haltung. Schäffer: "Sie ist eine ernstzunehmende Gefahr. Das muss auch im Wahlkampf so benannt werden. Ministerpräsident Armin Laschet muss hier Haltung zeigen."

Stand: 22.09.2021, 16:14

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