Außenaufnahme Essener Dom

Sexualisierte Gewalt in Bistümern - NRW hinkt bei Aufklärung hinterher

Stand: 22.02.2022, 11:23 Uhr

Die NRW-Landesregierung hat bisher keine Experten für die Missbrauchsaufarbeitung in den katholischen Bistümern des Landes benannt. Eine Sprecherin der Staatskanzlei sagte dem WDR, in mehreren Fällen sei eine Mitwirkung abgelehnt worden.

Von Theo Dierkes

Vor knapp zwei Jahren, im April 2020, hat die katholische Bischofskonferenz einen Vertrag abgeschlossen mit dem Missbrauchs-Beauftragten der Bundesregierung (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig. Danach verpflichten sich alle deutschen Bischöfe, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in ihren Bistümern unabhängigen Kommissionen zu übertragen.

Die sollen auch mit den wissenschaftlichen Studien oder anwaltlichen Untersuchungen weiterarbeiten und Konsequenzen erarbeiten. Die Länder sollten je zwei Experten pro Bistum benennen, das wären zehn Personen in den fünf Bistümern in NRW: Köln, Münster, Essen, Aachen und Paderborn. Aber fast zwei Jahre nach Vertragsschluss ist kaum etwas passiert. Deswegen will Rörig in dieser Woche mit der Landesregierung sprechen.

Land NRW und katholische Missbrauchsaufarbeitung

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 22.02.2022 03:35 Min. Verfügbar bis 22.02.2023 WDR 5 Von Theodor Dierkes


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Wann ist das Land angefragt worden?

Offiziell erst ein Jahr nach dem Vertragsschluss, nämlich im März 2021. Da hatten andere Bundesländer bereits Fachleute benannt. Die NRW-Bischöfe waren also auch nicht sehr schnell. Jetzt warten die Bischöfe und ihre Generalvikare aber ab und können die Aufarbeitung nicht wie vereinbart vorantreiben. Der Schwarze Peter liegt also beim Land. Dennoch: Die katholischen Bischöfe scheinen entschieden, die Gremien einzurichten: Transparent sollen die arbeiten und vor allem unabhängig. Und dafür stehen die Berufungen durch die Länder.

Wie sieht das in anderen Bundesländern aus?

Anders als NRW war Bayern vorne mit dabei: Da tagen diese Kommissionen bereits in fast allen Bistümern. Eichstätt, Augsburg, Passau, Regensburg, München. Aber auch Nachbarbistümer wie Trier und Limburg sind schon weiter.

Sind manche Bundesländer verärgert?

Pfarrer Dr. Antonius Hamers

Pfarrer Dr. Antonius Hamers

Ja, das war ein Problem direkt beim Vertragsabschluss: Deutsche Bischofskonferenz und der Beauftragte der Bundesregierung schließen einen Vertrag über die Missbrauchsaufklärung - und die Länder müssen liefern. Dabei wurden sie zuvor überhaupt nicht gefragt. Da soll es noch eine gewisse Verärgerung bei den Ländern geben. Der Leiter der Verbindungsstelle zwischen NRW-Bistümern und Landesregierung, Antonius Hamers, sagt, da sein ein Vertrag "zu Lasten Dritter" abgeschlossen worden.

Soll das Engagement ehrenamtlich geschehen?

Ehrenamtlich ja, allerdings mit Aufwandsentschädigungen auf Kosten der Kirche. Kirchenleute meinen allerdings, dass das Land es auch schwer hat, Leute zu finden, weil die katholische Kirche derzeit in einem Stimmungstief sei.

Was sagen Betroffene?

Karl Hauke zum Beispiel ist Mitglied im Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten. Er kritisiert, nicht nur die Kirche lasse Aufarbeitung und Aufklärung schleifen, sondern auch die Politik. Vor einer wirklich unparteilichen, tief gehenden Aufklärung sexualisierter Gewalt durch Kleriker gebe es große Furcht. Dass es nämlich teuer werden oder dem Image schaden könne.

Kirchlicher Missbrauch: Kommissionen müssen warten

WDR 5 Westblick - aktuell 21.02.2022 05:53 Min. Verfügbar bis 21.02.2023 WDR 5


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