Tödlicher Brand in JVA Kleve: Neue Zweifel

JVA-Zellenbrand Kleve

Tödlicher Brand in JVA Kleve: Neue Zweifel

  • JVA-Brand Kleve: Zweifel am Brandgutachten
  • WDR-Magazin Westpol liegt Gutachten exklusiv vor
  • Brandexperten stoßen auf Widersprüche

Der Syrer Amad A. war zu Unrecht in der JVA Kleve inhaftiert und starb im Herbst 2018 nach einem Brand in seiner Zelle. Dem WDR-Magazin Westpol liegt das offizielle Brandgutachten exklusiv vor. Westpol hat es von drei unabhängigen Brandexperten einschätzen lassen - die auf viele offene Fragen und Widersprüche gestoßen sind.

"Ignoranz der Fakten"

So heißt es im Gutachten zunächst, das Fenster sei länger geöffnet gewesen - später heißt es dagegen, das Fenster sei erst spät geöffnet worden. Nur einer von mehreren Mängeln, die Brandexperte Korbinian Pasedag feststellt: "Auf der einen Seite beschreibt der Gutachter die Beschaffenheit der meisten Materialien nicht oder nicht ausreichend. Auf der anderen Seite bewertet er gleichwertige Spuren mit unterschiedlichen Prioritäten, bis hin zur Ignoranz von Fakten. Das widerspricht massiv dem Vorgehen bei Brandermittlungen."

Die unabhängigen Brandexperten kritisieren auch mangelnde Untersuchungen des Gutachters, der von der Staatsanwaltschaft Kleve beauftragt wurde. So hatte dieser bei der Untersuchung der Zelle zwar Instrumente zur Bestimmung von Brandbeschleuniger dabei - verzichtete aber darauf, diese vor Ort auch zu nutzen.

Dies sei nicht nötig gewesen, da er aufgrund seiner Berufserfahrung anhand der Indizien Brandbeschleuniger ausschließen könne, begründete der Gutachter. "Es wäre klug gewesen, zumindest Proben zu nehmen und anschließend auch zu analysieren, weil eben das Ganze zu einem politischen Thema geworden ist. Und es wäre klug gewesen für den Sachverständigen, auch um sich selbst abzusichern", sagt der renommierte Brandexperte Henry Portz im Westpol-Interview.

Syrer stirbt in JVA Kleve: "Aufklärung muss sein!"

WDR 5 Westblick - aktuell 29.11.2018 02:27 Min. WDR 5

Download

Analyse auch zur psychischen Situation von Amad A.

Unüblich für ein Brandgutachten: Es analysiert auch die psychische Situation des inhaftierten Amad A. Dieser habe vermutlich Suizid begehen wollen und daher den Brand gelegt. Mit dieser Äußerung zum Motiv habe der Gutachter seine Kompetenz überschritten, meint Experte Henry Portz: "Das ist nicht Sache des Brandsachverständigen, das zu beurteilen."

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) hatte die Suizid-These frühzeitig als naheliegend dargestellt.

Mehr zur fragwürdigen Aufklärungsarbeit des Zellenbrandes, der zum Tod von Amad A. geführt hat, berichtet das Magazin Westpol am Sonntag (10.02.2019).

Stand: 10.02.2019, 14:00