Zeitungsmarkt in NRW ist stark geschrumpft

Zeitungsmarkt in NRW ist stark geschrumpft

  • Bericht der Landesregierung zum Zeitungsmarkt
  • Zeitungstitel und Auflagen stark rückläufig
  • Boulevardblätter verlieren überdurchschnittlich

"Der Abwärtstrend wurde nicht aufgehalten", qualitativ hochwertiger Lokaljournalismus verliere "an gesellschaftlicher Akzeptanz" - das ist die bittere Bilanz des 327-seitigen Papiers zur Situation der Zeitungen in NRW, das die SPD im Landtag am Donnerstag (30.01.2020) vorstellte. Mittels einer Großen Anfrage hatte die Oppositionspartei die Landesregierung nach Zahlen zu Titeln, Auflagen und Verbreitung gefragt.

Auflagen brechen weiter ein

Demnach hat es einen deutlichen Auflageneinbruch bei den Regionalzeitungen gegeben: Lagen die Verkaufszahlen 1993 noch bei rund 4,3 Millionen Exemplaren, waren es im Jahr 2019 nur noch 2,2 Millionen. Im Vergleich zu 2016 sanken die Verkaufszahlen um elf Prozent. Besonders der Einzelverkauf am Kiosk brach um ein Viertel ein. Aber auch die Zahl der Titel sank von 50 auf nur noch 38. Boulevardzeitungen wie "Bild" oder "Express" haben laut Bericht in den letzten drei Jahren sogar knapp ein Drittel der Auflage eingebüßt.

Die Zeitungen sterben! Wer rettet den Lokalteil?

WDR RheinBlick 30.01.2020 32:32 Min. Verfügbar bis 29.01.2021 WDR Online

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Zugelegt haben lediglich die Borkener Zeitung, das Bocholter-Borkener Volksblatt und "Der Patriot" aus Lippstadt. Ganz eingestellt wurde das Süderländer Tageblatt, das jetzt eine Lokalausgabe der Lüdenscheider Nachrichten ist. Vielerorts wurden Lokalredaktionen zusammengelegt oder der sogenannte "Mantelteil" von anderen Zeitungen übernommen.

Wenige Leser in Gelsenkirchen

Besonders wenig Tageszeitung lesen offenbar die Menschen in Gelsenkirchen, Leverkusen und Duisburg. Auf einen Haushalt kommen dort rechnerisch unter 0,28 Tageszeitungen. Die meisten Haushalte mit Tageszeitung finden sich in Borken, Coesfeld und Warendorf (je 0,51), Gütersloh (0,49) und Bielefeld (0,4).

Auch sämtliche überregionalen Zeitungen verbuchen Leserschwund in NRW. Selbst das Handelsblatt, bundesweit neben der linkskritischen Wochenzeitung "Der Freitag" das einzige überregionale Blatt, dessen Auflage um gut drei Prozent wuchs, verlor in NRW mehr als 18 Prozent.

Lokaljournalismus als demokratisches Kontrollinstrument

Der Landesregierung wirft die SPD vor, nicht genug zu tun, um das Zeitungssterben aufzuhalten. Die Stiftung "Vor Ort NRW", die die rot-grüne Vorgängerregierung zur Stärkung des Lokaljournalismus gegründet hatte, sei einfach "eingestampft" worden, sagte der medienpolitische Sprecher der SPD, Alexander Vogt.

Lokaljournalismus sei aber weitaus mehr, als die bloße Berichterstattung über Sport oder Vereinsfeste, mahnte er. Die Lokalzeitung habe demokratische Aufgaben: "Politik und Wirtschaft zu kontrollieren, zu schauen, ob in einem Stadtrat alles mit rechten Dingen zugeht." Daher sei es wichtig, sich zu überlegen, wie man den Lokaljournalismus stärken kann.

Staatliche Förderung für Zeitungsverlage?

WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Interviews 30.11.2019 10:54 Min. Verfügbar bis 28.11.2020 WDR 5

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Stand: 30.01.2020, 13:40

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