NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in Yad Vashem - Foto: Land NRW, Ralph Sondermann

Israel-Reise: Wüst gedenkt der Opfer des Holocausts

Stand: 14.03.2022, 14:00 Uhr

Es ist die erste richtige Auslandsreise für Hendrik Wüst als NRW-Ministerpräsident. Zu Beginn stellte er sich in der Gedenkstätte Yad Vashem der deutschen Geschichte.

Von Arne Hell

Hendrik Wüst ist sichtlich bewegt. Die deutschsprachige Führerin, die ihm das Museum der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem zeigt, erklärt, warum dort eine kaputte Kinderpuppe ausgestellt ist.

Sie gehörte eine Mädchen, das das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt hat. Und das in den Jahren der Gefangenschaft nur diese Puppe bei sich hatte.

Eintrag ins Gästebuch: "Jüdisches Leben schützen"

Blick in die Halle der Namen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Die Halle der Namen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

"Jedes Leben zählt", schreibt Wüst danach in das Gästebuch Yad Vashems. Und dass aus solchen Begegnungen mit dem Holocaust die Kraft entstehen müsse, "jüdisches Leben zu schützen und lebendig zu halten". Kurz nach dem Besuch der Gedenkstätte leitet Wüst dann von Jerusalem aus eine Kabinettsitzung der Landesregierung. Es ist der Anlass, um zu verkünden, dass der Staatsvertrag mit den jüdischen Verbänden und Gemeinden in NRW erneuert wird.

Mehr Geld für jüdische Gemeinden in NRW

Mehr Sicherheit solle das bringen, und mehr Geld zur Unterstützung. Statt bisher 18 Millionen Euro will das Land ab kommenden Jahr 23,5 Millionen bereitstellen, für laufende Kosten der Gemeinden. Mit der Erhöhung der Sicherheitskosten reagieren die Landesregierung "auf die Zunahme antisemitischer Tendenzen in der Gesellschaft", erklärte Wüst am Montag. Man zeige allen Jüdinnen und Juden unmissverständlich: "Nordrhein-Westfalen steht fest an ihrer Seite."

Hendrik Wüst in Israel

Hendrik Wüst am Montag in Israel

Israel ist ein Ziel, das für Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfalen gute Tradition ist. Armin Laschet hat dies zweimal getan, Hannelore Kraft gleich dreimal. Jetzt also Wüst. Kaum ein anderes deutsches Bundesland habe so gute Beziehungen nach Israel wie NRW, heißt es aus Wüsts Umfeld.

Fluss-Projekt mit Hilfe aus NRW

Es geht auf der Reise vor allem um Wirtschaftskontakte. Wüst hat sich mit der israelischen Wirtschaftsministerin getroffen, die gerne die technologischen Chancen einer Energiewende betont, ähnlich wie Wüst selbst.

Am zweiten Tag der Reise will Wüst am Dienstag ein besonderes ökologisches Projekt besuchen: Die Renaturierung des Kishon-Flusses, einer der schmutzigsten Flüsse Israels.

Kontakte zur "Start-Up-Nation"

Bei diesem Projekt hilft Sachverstand aus NRW. Die Emschergenossenschaft, die Erfahrung mit der Renaturierung der Emscher im Ruhrgebiet hat, und die Uni Duisburg-Essen arbeiten daran mit.

Höhepunkt der Reise sollen Treffen mit Vertretern der erfolgreichen Tech-Branche in Israel werden. Das Land galt lange Zeit als "Start-Up-Nation", wegen der Masse an innovativen Firmengründungen. Und auch wenn die Zahl der neuen Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist, sind IT-Produkte und Erfindungen aus Israel weltweit gefragt.

Wasserstoff-Herstellung als Vorbild

Davon sollen in Zukunft nach den Vorstellungen der Landesregierung kleine und mittelständische Unternehmen aus NRW stärker profitieren. Sie sollen bessere Kontakte zu israelischen Unternehmen bekommen können. Dafür soll es in Zukunft eine gemeinsame Online-Plattform geben. Wüst will auf der Reise den Startschuss dafür geben.

Wasserstoff Start Up

Wasserstoff-Tankstelle

Ein Start-Up, das Wüst besuchen möchte, hat eine Methode entwickelt, Wasserstoff herzustellen - und zwar kostengünstiger als bisher. Das passt gut in die Agenda der Landesregierung. Sie preist Wasserstoff gerne wie eine Wunderwaffe für die CO2-neutrale Stahlproduktion und gegen den Klimawandel. Und auch dafür, unabhängiger von fossilen Brennstoffen aus Russland zu werden.

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