Hendrik Wüst in Corona-Isolation in Israel

Israel-Reise: Wieso Wüsts Test stundenlang unbemerkt blieb

Stand: 22.03.2022, 17:05 Uhr

Vergangene Woche war NRW-Ministerpräsident Wüst (CDU) in Israel positiv auf Corona getestet worden. Die Nachricht darüber erreichte Wüst nach WDR-Recherchen ein paar Stunden verspätet.

Von Arne Hell

Die Israel-Reise von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) endete anders als geplant in tagelanger Corona-Isolation. Vertreten wurde Wüst auf seiner Reise vergangene Woche von einem Staatssekretär der Düsseldorfer Staatskanzlei, und zwar ab Montagnachmittag.

Eigentlich hätte dieser Wüst auch schon am Mittag vertreten müssen, bei dessen Termin um 13 Uhr mit der israelischen Wirtschaftsministerin Barbivai. Denn zu diesem Zeitpunkt hat Wüsts positives Testergebnis nach WDR-Recherchen bereits vorgelegen.

Wüst mit Ministerin in Israel

Wüst mit Ministerin in Israel

Demnach soll das Ergebnis des PCR-Tests um kurz nach 12 Uhr am Mittag zugestellt worden sein, per Mail und per SMS. Zu diesem Zeitpunkt waren Wüst und seine Delegation noch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und fuhren von dort ins Wirtschaftsministerium.

Das Ergebnis lag seit mehr als drei Stunden vor

Geöffnet wurde die Mitteilung des Testanbieters den Recherchen zufolge dann um 15:45 Uhr. Wenige Minuten später wurden mitreisende Journalisten aus Delegationskreisen über den positiven Test informiert.

Eine Sprecherin des Ministerpräsidenten teilte auf WDR-Anfrage mit, dass die Termine der Grund gewesen seien, dass das Testergebnis erst am Nachmittag abgerufen wurde. Es habe außerdem "keinerlei Anlass“ gegeben, an den zwei anderen "negativen Testergebnissen zu zweifeln“.

Am Flughafen wurden zwei Tests gemacht

Einer dieser Tests war noch vor der Abreise in Deutschland gemacht worden. Der andere kurz nach der Landung am Flughafen in Tel Aviv Sonntagabend – genau wie der Test, der dann positiv ausfiel. Alle diese Tests waren PCR-Tests.

Dass am Flughafen zwei Tests gemacht wurden, hatte einen einfachen Grund. Wer in Israel einreist, darf das Hotel nicht verlassen, bis ein negatives Ergebnis vorliegt. Um zügig mit dem geplanten Programm der Reise beginnen zu können, wurde bei Wüst, wie bei seiner gesamten Delegation und den mitreisenden Journalisten, noch ein extra gebuchter Express-Test gemacht.

Das negative Ergebnis dieses Express-Tests kam am späten Sonntagabend. Von diesem Moment an durfte Wüst den israelischen Regeln entsprechend sich im Land bewegen und Termine wahrnehmen. Das Verkürzen der Quarantäne durch einen Express-Test ist ausdrücklich erlaubt.

Ein Personenschützer war zuvor positiv getestet worden

Sein Team und er mussten allerdings gewarnt gewesen sein. Denn bei einer Person aus der Gruppe der Personenschützer hatte schon der Express-Test angeschlagen. Ein Mitglied der Reisegruppe war also nachweislich infiziert.

Dass das Ergebnis des anderen Tests bis zum Mittag des folgenden Montags auf sich warten ließ, liegt offenbar am Testverfahren. Es handelt sich um einen Pool-Test. Wüsts Einzelprobe musste also entsprechend noch einmal nachgetestet werden, nachdem das Gruppenergebnis vorlag.

Deutsche Regeln: Wüst sitzt weiter im Hotel fest

Nach israelischen Regeln gilt Wüst inzwischen als genesen. Trotzdem sitzt er weiter in Isolation und arbeitet aus einem Hotel in Jerusalem, weil er sich an die deutschen Regeln halten wolle. Die erfordern eine längere Isolation. Er hat mehrfach betont, dass es ihm gut gehe. Am Donnerstag will er nach Angaben einer Sprecherin nach Deutschland zurückkehren.

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Was bleibt, ist ein unglücklicher Gesamteindruck von Wüsts Israel-Reise: Eine Reise mitten in Corona-Zeiten mit zwei unterschiedlich ausgefallenen Tests. Und einem positiven Ergebnis, das mehr als drei Stunden unbemerkt im Postfach lag.

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