Boostern und Impfstellen: So will Wüst die vierte Corona-Welle brechen

Boostern und Impfstellen: So will Wüst die vierte Corona-Welle brechen

Der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat seinen Fahrplan zur Bekämpfung der vierten Corona-Welle vorgestellt. Viel Konkretes nannte er allerdings nicht.

Angesichts stark steigender Corona-Infektionsraten auch in Nordrhein-Westfalen ist der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am Dienstag erkennbar um einen entschlossenen Eindruck bemüht: "Konzentrierte Wachsamkeit ist angesagt", mahnt er. Aber: Man sei noch "vor der Lage".

Wüst: "Alle sollen boostern"

Um die vierte Corona-Welle zu brechen, setzen Wüst und die Landesregierung aus CDU und FDP auf die dritte Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 für alle Geimpften. "Wir müssen schnell und nachhaltig boostern. Alle sollen boostern!" Die Ständige Impfkommission (Stiko) hingegen empfiehlt eine Auffrischungsimpfung aktuell nur für Menschen über 70 Jahren.

Wüst sagt, die dritte Impfung stärke die Menschen, schütze sie vor schweren Krankheitsverläufen und mache sie weniger ansteckend für andere. Damit sei sie ein Schutz für jeden Einzelnen und die Allgemeinheit.

Eine weitere Impfstelle in jeder Stadt

Um das Boostern voranzutreiben, soll es in jeder Stadt und in jeder Gemeinde zusätzlich zu den Impfangeboten der niedergelassenen Ärzte eine weitere Impfstelle geben. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung sei abgestimmt, dass 400 Ärzte dafür zur Verfügung stünden.

Wohnortnahe Impfangebote statt Impfzentren

Die großen, zentralen Impfzentren will Wüst nicht reaktivieren, weil der Impfstoff heute im Gegensatz zu Beginn der Impfkampagne leichter zu handhaben sei. Stattdessen setzt die Landesregierung nun auf "möglichst wohnortnahe Impfangebote in den Städten und Gemeinden." Diese ergänzenden Impfangebote könnten "sowohl für Erst- und Zweitimpfungen als auch für Auffrischungsimpfungen aufgesucht werden".

Kostenlose Schnelltests: ab wann und für wen?

Zudem will Wüst zur Bekämpfung der Pandemie auf kostenlose Schnelltests setzen - "mindestens für 2G". Ob auch Ungeimpfte davon profitieren können, lässt er offen. Am liebsten würde er das sofort umsetzen. Man müsse sich aber zuvor mit dem Bund über die Verteilung der Kosten verständigen. Beim alten Bürgertest-System seien Kosten von einer Milliarde Euro pro Monat angefallen.

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Karneval drinnen landesweit nur mit 3Gplus

Wüst kündigt auch an, dass für Karnevalsveranstaltungen in Innenräumen die 3Gplus-Regel gelte. Zugang gibt es also nur für Geimpfte, Genesene und Getestete mit einem aktuellen Nachweis: Entweder werde ein maximal sechs Stunden alter Schnelltest oder ein höchstens 24 Stunden alter PCR-Test vorgelegt.

2G-Regelung im Freizeitbereich, 3G am Arbeitsplatz?

Außerdem präsentiert Wüst, der auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) ist, eine Wunschliste, die er mit Bund und Ländern abstimmen möchte. Er wünscht sich zum Beispiel eine Verständigung über eine 2G-Regelung im Freizeitbereich und eine 3G-Regelung am Arbeitsplatz.

Auch Finanzfragen seien zu klären: Müssen Krankenhäuser für das Bereithalten von Intensivbetten entschädigt werden? Und, das habe er als Ex-Verkehrsminister im Blick, der ÖPNV habe noch keinen Rettungsschirm für 2022.

Wüst drängt auf die nächste Corona-MPK

Wüsts Wunsch nach einer Ministerpräsidenten-Konferenz mit dem Bund noch in dieser Woche ist für die SPD-regierten Bundesländer zeitlich zu knapp. Diskutiert wird darum ein Termin nächste Woche Mittwoch.

SPD: "Führungsstärke sieht anders aus"

Die Opposition kritisiert den Auftritt des Ministerpräsidenten. SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty sagt: "Hendrik Wüst hat heute seine Sympathie für eine 2G-Regel durchblicken lassen. Beschlossen aber hat er sie nicht. Er will lieber auf Bund-Länder-Beratungen warten. Führungsstärke sieht anders aus. Mit diesem zögerlichen Handeln werden wir die vierte Welle nicht brechen."

Lockerung der Maskenpflicht an Schulen bleibt

Erneut kritisierte Kutschaty auch das Aussetzen der Maskenpflicht am Sitzplatz in den Klassenräumen der NRW-Schulen. Eine Diskussion, die seit Tagen andauert. Aber das sei, wie Wüst und sein Stellvertreter, Familienminister Joachim Stamp (FDP), übereinstimmend sagen, bei der Kabinettssitzung "kein Thema" gewesen. Es bleibt also in den Schulen bei den Lockerungen der Maskenpflicht.

Studiogast Hendrik Wüst – Teil 1 Westpol 07.11.2021 23:24 Min. UT DGS Verfügbar bis 07.11.2022 WDR

Stand: 09.11.2021, 21:25

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