Wolfgang Clement wird 80 - Bilder einer Polit-Laufbahn

Wolfgang Clement wird 80 - Bilder einer Polit-Laufbahn

Von Martin Teigeler

Er ist Ex-Sozialdemokrat, Ex-Ministerpräsident und Ex-"Bundessuperminister". Der gebürtige Bochumer wird am Dienstag 80 Jahre alt. Stationen einer politischen Karriere.

Wolfgang Clement am 26. Januar 1981

Wolfgang Clement, geboren am 7. Juli 1940 in Bochum, ist ein Kind des Ruhrgebiets. Er tritt 1970 in die SPD ein. Der Journalist wird 1981 Sprecher der Bundes-SPD in Bonn.

Wolfgang Clement, geboren am 7. Juli 1940 in Bochum, ist ein Kind des Ruhrgebiets. Er tritt 1970 in die SPD ein. Der Journalist wird 1981 Sprecher der Bundes-SPD in Bonn.

NRW-Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) holt Clement 1989 nach Düsseldorf. Er wird Chef der Staatskanzlei, später Landesminister. Bis heute weniger bekannt: Für die SPD-Länder im Bundesrat handelt Clement mit Wolfgang Schäuble (CDU) politische Kompromisse bei der Vereinigung 1990 aus.

1998 tritt Clement die Nachfolge von Rau an, der wenig später Bundespräsident wird. Moderner und dynamischer will er das Land regieren. Inhaltlich stehen beide für sozialdemokratische Industriepolitik in Zeiten des Strukturwandels.

Schon als Wirtschaftsminister gerät Clement oft mit den Grünen - hier die langjährige Umweltministerin Bärbel Höhn - aneinander, die seine industriefreundliche Politik teilweise offen bekämpfen. Vor allem das Thema Braunkohle sorgt für Dauerstreit. Zwischendurch liebäugelt Ministerpräsident Clement sogar mit einem Koalitionswechsel zur FDP. An der SPD-Basis macht er sich damit wenig Freunde.

Clements manchmal aufbrausende Art sorgt für Diskussionen - wie sein berühmter Stinkefinger gegenüber Jugendlichen auf der Expo 2000. "Ich komme halt aus dem Ruhrgebiet und habe wohl eine recht direkte Art", sagt er einmal über sich.

2002 ist Clements Zeit in NRW vorbei. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) holt ihn als Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister nach Berlin. Mit Clements Namen ist und bleibt bis heute die auch innerparteilich heftig umstrittene Arbeitsmarktreform Hartz IV verbunden. 2005 wird Rot-Grün in Bund und Land abgewählt.

2008. Ex-Bundesinnenminister Otto Schily begleitet Ex-Kabinettskollege Clement in die SPD-Landesparteizentrale in Düsseldorf. Grund: Ein Parteiordnungsverfahren gegen Clement. Unmittelbar vor der Landtagswahl in Hessen hatte er vor den energiepolitischen Plänen der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti gewarnt und indirekt von deren Wahl abgeraten.

Vorangetrieben hatte das Verfahren ausgerechnet ein SPD-Ortsverein aus seiner Heimatstadt Bochum. Und die Landesschiedskommission der NRW-SPD stimmt für einen Parteiausschluss Clements. Ein Beschluss, der auch die damalige SPD-Landeschefin Hannelore Kraft kalt erwischt. Obwohl die Bundespartei das Urteil in eine Rüge abmildert, erklärt Clement seinen Parteiaustritt.

Auch im Alter bleibt der Familienvater und mehrfache Großvater ein politischer Mensch - etwa als wirtschaftsnaher Publizist. Mehrere Aufsichtsratsmandate in Unternehmen nimmt er an. Zuhause ist Wolfgang Clement in Bonn.

Stand: 07.07.2020, 01:00 Uhr