Close-up eines Rotors, Teile eines Krans sind sichtbar

Studie: NRW kann Windkraftziele so nicht erreichen

Stand: 13.03.2022, 06:00 Uhr

Bis 2030 will die Landesregierung die Stromproduktion aus Windkraft verdoppeln. Dass das klappt, bezweifelt jetzt sogar eine Studie, die das Energieministerium beauftragt hat - und bisher zurückhält.

Von Michael Hoverath

Im Sauerland wäre eigentlich Platz für die Energiewende. Menschen leben hier nicht so viele und genügend freie Flächen gäbe es auch. Und doch kommen die Pläne, hier Windparks zu errichten, nicht richtig voran. Mehr als ein Dutzend Bürgerinitiativen kämpfen gegen den Ausbau der Windenergie. Ihr Argument: Arten- und Naturschutz.

Die Chancen mit ihren Protesten und Klagen durchzukommen, stehen nicht schlecht. Denn Windräder im Wald lehnt die Landesregierung bislang ebenso ab, wie eine Reduzierung des Artenschutzes. Das bremse die Windenergie landesweit aus, sagt Milan Nitzschke von der Firma SL Naturenergie, die in NRW mehrere Windturbinen betreibt: „Wo wir Windanlagen planen, werden fast immer sofort Klagen vorbereitet.“

Studie wurde nicht wie geplant veröffentlicht

Die Landesregierung will die Stromproduktion aus Windkraft bis 2030 auf 12 Gigawatt installierte Leistung verdoppeln. Wie realistisch ist das? Um dies zu ermitteln, hat  Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) eine Studie beim Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz, kurz LANUV, bestellt. Diese Studie sollte eigentlich in der vergangenen Woche vorgestellt werden. Doch kurz vor der Veranstaltung wurde die  Pressekonferenz abgesagt. Das könnte am Inhalt liegen. Dem WDR-Magazin Westpol liegt die Studie exklusiv vor.

Die Experten des Landesumweltamtes rechnen dem Energieminister vor, dass das Ziel der Landesregierung unter den geltenden Rahmenbedingungen bestenfalls theoretisch erreichbar ist. Der Studie zufolge gibt es in NRW 50.000 Hektar an Flächen, die für Windenergie geeignet sind. Dort wäre Platz für 1.916 neue Anlagen mit einer Leistung von 13,6 Gigawatt. Doch die Windräder können bis 2030 nur gebaut werden, wenn niemand gegen diese Windräder klagt - oder wenn alle Klagen scheitern würden.

Doch das ist, laut Studie, eher unwahrscheinlich. Denn der größte Teil der Flächen liege in Landschafts- und Vogelschutzgebieten oder auf Flächen, die die Kommunen gar nicht für Windräder vorgesehen haben. Rechnet man all diese Flächen heraus, blieben von 50.000 Hektar gerade mal 8.700 übrig - und von 1.916 Windrädern nur noch 306. Das Fazit des LANUV: „(…)eine Verdopplung der installierten Leistung bis zum Jahr 2030 (…) ist derzeit jedoch eher unwahrscheinlich.“

Energieminister Pinkwart schweigt

Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) hat ein Interview abgelehnt, ebenso einer schriftliche Stellungnahme. Man kommentiere keine unveröffentlichten Studien, heißt es.

Reiner Priggen, Vorsitzender des Verbandes Erneuerbare Energien in NRW, bewertet den Inhalt der Studie so: Die Landesregierung habe nun schriftlich, dass ihre Versprechungen zum Ausbau der Windkraft unter den gegebenen Voraussetzungen nicht zu halten seien. Dabei gebe es durchaus Möglichkeiten, weitere Flächen zu schaffen. Industriegebiete wie der Duisburger Hafen könnten ebenso genutzt werden wie vom Borkenkäfer geschädigte Wälder - eine Idee, die auch Umweltministerin Heinen-Esser (CDU) bereits ins Spiel gebracht hat. Und auch der Abstand zu Flughäfen müsse keine 15 Kilometer betragen.

Dem stimmt auch die landeseigene Studie zu. „Anpassungen der derzeitigen planerischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind erforderlich, um das in der Energieversorgungsstrategie beschriebene Ziel für den Windenergieausbau in NRW erreichbar zu machen.“

Ob es dazu konkrete Pläne gibt, auch dazu bekommt Westpol vom Energieministerium keine Antwort.

Über dieses Thema berichtet das WDR Fernsehen in seinem Magazin Westpol, 13. März 22 um 19.30 Uhr.