Abgerutscht im Ländervergleich: Windkraft-Ausbau in NRW stockt

Windrad unter Wolken

Abgerutscht im Ländervergleich: Windkraft-Ausbau in NRW stockt

Von Tobias Zacher

Die schwarz-gelbe Landesregierung sagt, dass sie Erneuerbare Energien ausbauen will. Ihre Ziele verfehlt sie trotzdem. Neue Zahlen zeigen: Andere Bundesländer sind schneller.

Nordrhein-Westfalen baut weiterhin zu wenige Windräder, um die selbstgesetzten Ziele beim Ausbau zu erreichen. Laut einer vorläufigen Analyse der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) sind im ersten Halbjahr 2021 lediglich 145 Megawatt Leistung in NRW neu in Betrieb gegangen. Die Auswertung wird am Mittwochvormittag öffentlich, dem WDR liegen bereits exklusiv die Ergebnisse vor.

Zubaurate nur zu einem Drittel erfüllt

Die schwarz-gelbe Landesregierung will bis zum Jahr 2030 insgesamt 10.500 Megawatt Windkraft installiert haben. Ende 2020 waren jedoch nur rund 6.200 Megawatt in NRW in Betrieb. "Selbst wenn wir am Jahresende bei etwas mehr als 300 Megawatt Zubau landen, lassen sich damit die energiepolitischen Ziele der Landesregierung bis zum Jahr 2030 nicht im Entferntesten erreichen", sagt Rainer Priggen, der Vorsitzende des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE), die aktuellen Zahlen.

Weil in den kommenden Jahren auch planmäßig ältere Windparks vom Netz gehen, müssten nach Berechnungen des LEE für das selbst gesetzte Ziel des Landes bis 2030 jährlich gut 900 Megawatt brutto zugebaut werden. "Das ist machbar", so Priggen. Derzeit aber baut das Land nur ein Drittel der Anlagen, die nach dieser Berechnung nötig wären. Der LEE befürchtet gar, dass am Ende des Jahrzehnts unter dem Strich mehr Windkraftleistung abgebaut als zugebaut sein könnte.

NRW nur noch auf Platz vier

Im bundesweiten Vergleich rutscht NRW nun ab: Im vergangenen Jahr hatte das Bundesland beim Windenergie-Zubau den ersten Platz erreicht - wenn auch auf niedrigem Niveau, mit einem Netto-Zuwachs von nur rund 280 Megawatt. Bei den Neuinbetriebnahmen liegt NRW im ersten Halbjahr 2021 jetzt nur noch auf Platz vier - hinter Niedersachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Die FA Wind wertet für ihre Übersichten regelmäßig Zahlen der Bundesnetzagentur aus.

Neue Abstandsregel für Windenergie-Anlagen

Erst kürzlich hatten CDU und FDP eine neue Abstandsregel für Windräder durch den Landtag gebracht. Diese sieht vor, dass pauschal 1.000 Meter zwischen einem Windrad und Wohnbebauung liegen müssen. Nur wenn Kommunen es ausdrücklich wünschen, können sie für ihren Zuständigkeitsbereich eine Unterschreitung der Tausend-Meter-Regel beschließen.

Für das CDU-geführte Bauministerium stellt die Regel einen tauglichen Kompromiss dar zwischen Anwohnerinteressen und dem Ausbau der Windkraft. Die Grünen im Landtag sprechen dagegen von einer "verantwortungslosen" Regelung, auch die SPD fordert mit 200 zusätzlichen Windrädern pro Jahr einen erheblich schnelleren Ausbau.

Strom in NRW oft aus konventionellen Quellen

Tatsächlich hat Nordrhein-Westfalen großen Aufholbedarf beim Ökostrom: Hierzulande stammen nach Zahlen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) nur 16 Prozent des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen, bundesweit liegt dieser Schnitt bei über 40 Prozent. NRW ist damit im Ländervergleich Schlusslicht.

Windkraft – Kampf um die Energiewende Planet Wissen 17.06.2021 58:11 Min. UT Verfügbar bis 11.06.2025 ARD-alpha

Stand: 14.07.2021, 06:00