NRW lenkt ein bei Windkraft-Abstand

Windkraftanlagen in Warstein, NRW

NRW lenkt ein bei Windkraft-Abstand

Lange Zeit war NRW eines der wenigen Bundesländer mit strengeren Abstandsregeln bei der Windkraft als im Bund. Nun passt Energieminister Pinkwart die NRW-Regelung an.

Wie weit darf eine Windkraft-Anlage von einer Wohnsiedlung errichtet werden? Diese Frage ist seit Antritt der CDU-FDP-Regierung in NRW im Jahr 2017 ein Streitpunkt - weit über das Bundesland hinaus. Denn die Landesregierung hatte den bis dahin geltenden Mindestabstand nahezu verdoppelt auf 1.500 Meter.

Ein Abstand, der auch die CDU-SPD-Koalition im Bund belastete. Denn dort hatte man sich in diesem Sommer auf einen Mindestabstand von 1.000 Metern geeinigt. Nur eine "Länderöffnungsklausel" - also die Option, dass jedes Land davon abweichen kann - konnte den Koalitionsfrieden in Berlin und Düsseldorf retten.

Pinkwart gibt nach: Jetzt mehr Windräder in NRW?

Wie passt diese strenge Abstandsregel von 1,5 Kilometern zu den Windkraft-Ausbau-Plänen von NRW-Energieminister Pinkwart? Das fragte immer wieder die Opposition im Düsseldorfer Landtag.

Die Antwort von Pinkwart gibt es nun mit einem neuen Gesetz, dessen Entwurf dem WDR vorliegt. Demnach passt NRW sich dem Bundesstandard an, künftig soll in der Regel ein Mindestabstand von 1.000 Metern gelten.

Der Teufel im Detail: Wohnbebauung ab 10 Häusern

Auch wenn der neue Mindestabstand nach einem Erfolg für die Windkraft-Branche aussieht, so findet der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE) doch genügend Grund für Kritik. Denn entscheidend ist auch, was als "Wohnbebauung" definiert wird. Ein komplettes Dorf oder bereits ein Gehöft auf freiem Feld? Im Gesetz steht nun, dass bereits Ansiedlungen von zehn Häusern als Wohnbebauung gelten. Nach Auffassung von LEE ist dies ein Hindernis für den Windkraft-Ausbau.

NRW knickt bei Windräderabstand ein

WDR 5 Westblick - aktuell 22.12.2020 04:53 Min. Verfügbar bis 22.12.2021 WDR 5


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Ein wirksameres Instrument zur Steigerung der Windkraft-Akzeptanz sei eine Beteiligung der Anwohner an den Erträgen der Anlagen in Form günstigerer Strompreise. LEE-Vorsitzender Reiner Priggen erinnert daran, dass in den kommenden zwei Jahren 5.600 Megawatt Kohle-Kraftwerkleistung stillgelegt würden. Wenn man sie durch Erneuerbare Energien ersetzen wolle, dürfe man nicht die Windenergie blockieren.

Laschet betont: Windkraft legt zu in NRW

Von Blockade will die Landesregierung nichts wissen. In seiner Jahres-Bilanz-Pressekonferenz am Dienstag sagte NRW-Ministerpräsident Laschet: "In 2020 ist nirgendwo soviel Windkraft zugebaut worden wie in NRW", zum ersten Mal sei Nordrhein-Westfalen bundesweit auf Platz eins beim Windkraft-Ausbau. Das Fachportal "Windbranche" bestätigt dies in seinem Bundesländer-Vergleich. Demnach gibt es in den ersten 11 Monaten des Jahres in NRW den größten Zubau im Umfang von knapp 250 Megawatt.

Doch das ist nach Auffassung von LEE viel zu wenig. Eigentlich müssten jährlich 900 Megawatt zusätzlich gebaut werden, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, teilte der Verband mit. Und verweist auf den massiven Windkraft-Einbruch in NRW. Im Jahr des Regierungswechsels 2017 sei der Ausbau besonders gut gewesen, da habe man die 900 Megawatt erreicht. Doch danach seien die Zubauzahlen massiv abgesackt, 2018 waren es nur noch 355 Megawatt und 2019 habe es dann den Tiefpunkt mit 125 Megawatt gegeben.

Stand: 22.12.2020, 17:31